Papst Benedikt XVI. liebt keine Überraschungen. Folgerichtig hat er nach der Pensionierung des farblosen William Levadas am Montag einen Vertrauten und theologischen Seelenverwandten zum Chef der wichtigen Glaubenskongregation ernannt: den bisherigen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Der 64-Jährige ist das, was man gern streitbar nennt – und bedingungslos „romtreu“.
Erst vor Kurzem sorgte der gebürtige Pfälzer für Aufregung, als er Reformgruppen wegen des Auftretens beim Katholikentag als „parasitäre Existenzformen“ qualifizierte. Der Papst beruft einen Dammbauer gegen Anliegen, wie sie auch die Pfarrerinitiative vorbringt. Bei den einschlägigen heißen Eisen weicht er keinen Millimeter vom Lehramt ab. Was ihn nicht daran hindert, mit der (entpolitisierten) Befreiungstheologie zu sympathisieren. Müller gilt in Peru als Held, wo er mit dem Armenpriester Gustavo Gutierrez befreundet ist: Der wieder ist niemand Geringerer als Spiritus Rector der Befreiungstheologie, die von Johannes Paul II. zurechtgestutzt wurde. Nun ist der karrierebewusste Müller Nach-Nachfolger Joseph Ratzingers in der Glaubenskongregation. Und wohl bald Kardinal. d.n.[AP]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)
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