Der Libanon sei aktuell das einzige Land des Nahen Ostens, wo der Papst hinfahren könne, daher bestehe Benedikt XVI. darauf, "trotz der unsicheren Lage dorthin zu fahren. Aber ob er das tatsächlich tun wird, weiß man nicht", erklärte der Nahost-Experte Ralph Ghabdan laut Kathpress in einem Interview mit Radio Vatikan am Montag. Die für 14. bis 16. September geplante Reise hänge davon ab, "wie sich die Situation bis dahin entwickelt", vor allem in Syrien, so Ghabdan.
Der Konflikt, der auf den Libanon zukomme, sei ein Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. "Und das ist viel gefährlicher als die alten Konflikte. Denn das sind ja wirklich die zwei großen Gemeinschaften im Libanon", erläuterte der Experte. Die libanesischen Christen sind politisch gespalten: Ein Teil unter Ex-General Michel Aoun ist Teil der Regierungskoalition, der auch die pro-iranische Schiitenbewegung Hisbollah angehört. Ein anderer Teil unterstützt die sunnitischen und säkularen Kräfte, die gegen den syrischen und iranischen Einfluss im Land sind.
Johannes Paul II. war 197 im Libanon
Der Libanon hat nicht nur für die vatikanische Politik, sondern für die Präsenz des Christentums im Orient generell entscheidende Bedeutung, weil er das einzige nahöstliche Land ist, in dem die Christen nicht in einer hoffnungslosen Minderheitenposition sind. Die Maroniten, stärkste christliche Gemeinschaft im Libanon und seit über 400 Jahren mit Rom uniert, stellen traditionell den libanesischen Staatspräsidenten. Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hatte den Libanon 1997 besucht.
Benedikt XVI. wird mit Staatspräsident Michel Sleimane, Ministerpräsident Najib Mikati sowie Parlamentspräsident Nabih Berri zu Gesprächen zusammenkommen. In Beirut wird er eine Sonntagsmesse zelebrieren. Geplant ist auch eine Zusammenkunft mit 20.000 Jugendlichen. Fraglich sei, so Ghabdan, ob die libanesische Politik dem Papstbesuch große Bedeutung beimesse. Das Interesse der Nicht-Christen an der Existenz der Christen sei gering - "denen ist es egal, ob sie bleiben oder gehen", zeigte sich Ghabdan skeptisch.
"Nicht auf der Seite des syrischen Regimes"
Der maronitische Patriarch Bechara Boutros Rai hatte in der Syrien-Krise eindeutig Position bezogen und die an Präsident Bashar al-Assad gerichteten Rücktrittsaufforderungen vehement zurückgewiesen. Ein Zusammenbruch des Regimes in Damaskus würde die christlichen Minderheiten im Nahen Osten einer großen Gefahr aussetzen, warnte er. "Wir sind nicht auf der Seite des syrischen Regimes. Aber wir haben jeden Grund, eine Transition zu fürchten", hatte der Patriarch bei einem Besuch im französischen Wallfahrtsort Lourdes erklärt.
(APA)
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