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Slowakei: Vatikan verteidigt Erzbischof-Absetzung

11.07.2012 | 09:50 |   (DiePresse.com)

Der abgesetzte Erzbischof von Trnava habe die Schweigepflicht und das "päpstliche Geheimnis" nicht gehalten, sagt der Vertreter des Vatikan in Bratislava.

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Die Apostolische Nuntiatur in der Slowakei verteidigt die Absetzung des Erzbischofs von Trnava, Robert Bezak, durch Papst Benedikt XVI. Die diplomatische Vertretung des Vatikan bittet zudem alle Gläubigen, die Entscheidung des Heiligen Vaters "mit Willigkeit und im Geist des Glaubens" anzunehmen. Bezak sei nach "sorgfältiger Prüfung" ersucht worden, "von der pastoralen Verantwortung für Trnava zu resignieren". Weil er dieser Bitte nicht nachgekommen sei, habe der Papst ihn schließlich abgesetzt, erklärte am Dienstag die von Erzbischof Mario Giordano geleitete Nuntiatur in Bratislava. Bezak habe die Schweigepflicht und das "päpstliche Geheimnis" nicht gehalten, wird Giordano von der Nachrichtenagentur laut Kathpress zitiert.

Die gegen Bezak ergriffene Maßnahme sei eine direkte Folge der Visitation der Erzdiözese, die "aufgrund zahlreicher, von Priestern und Gläubigen an den Heiligen Stuhl geäußerter Beschwerden über die pastorale Situation veranlasst worden war". Die Visitation sei von 22. Jänner bis 1. Februar vom tschechischen Diözesanbischof Jan Baxant von Litomerice im Auftrag der römischen Kleruskongregation geleitet worden.

Kundgebungen für den Erzbischof

Der am 2. Juli erfolgten Absetzung des Erzbischofs waren in der Vorwoche Proteste, Gebetsversammlungen und Unterschriftenaktionen gefolgt. Am Dienstagabend sollte auf dem Hauptplatz der Hauptstadt Bratislava ein Solidaritätskonzert mit prominenten Künstlern aus unterschiedlichen musikalischen Bereichen stattfinden. Mit dem Konzert wollten die Veranstalter den Bürgern die Gelegenheit geben, Robert Bezak zu unterstützen, "der mit seinen Positionen nicht nur Gläubige, sondern auch Atheisten geeint" habe.

Umstrittener Ex-Erzbischof Sokol

Bezak hatte nach seinem Amtsantritt im Jahr 2009 eine gründliche Überprüfung der Finanzgebarung und Kontoführung des umstrittenen früheren Erzbischofs Jan Sokol angeordnet und eine Visitation durch Rom angefordert, die aber nicht zustande kam. Sokol soll mehrere Prozesse angestrengt haben, deren Ausgang jedoch nach wie vor unklar ist. Sokol hat durch die von ihm öffentlich bekundete Wertschätzung für Prälat Jozef Tiso wiederholt Anstoß erregt. Der 1947 hingerichtete Geistliche war Chef des slowakischen Marionettenstaates, dessen Gründung das Ergebnis der Zerschlagung der Tschechoslowakei durch Nazideutschland war. Sokol sah sich zudem mit dem Vorwurf der Zusammenarbeit mit der früheren kommunistischen Geheimpolizei konfrontiert.

Der frühere slowakische Botschafter in Italien und jetzige christdemokratische Abgeordnete Jozef Miklosko hatte erklärt, die Absetzung Erzbischof Bezaks sei von langer Hand vorbereitet worden und einer Initiative aus den Reihen des hohen Klerus in der Slowakei zu verdanken.

(APA)

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10 Kommentare
Gast: AlterKämpfer
15.07.2012 20:41
0 3

SK

Müssen wir uns wirklich um slowakische Erzdiözesen kümmern?

Antworten Gast: gute Frage
15.07.2012 22:44
3 0

Re: SK

müssen wir uns um Rom kümmern?

Gast: TvA
15.07.2012 00:05
1 0

Jozef Tiso ...

Wie schon Solon sollten wir vorsichtig urteilen: Hätte der Vatikan vor über 70 Jahren rechtzeitig eingegriffen, wäre die Slowakei nicht Vasall des III. Reiches geworden. Zur aktuellen Entscheidung: Abwarten und Tee trinken ...

Antworten Gast: Su Nuraxi
15.07.2012 17:36
2 0

Re: Ergänzung

Die schlechten Erfahrungen, die man mit so Typen wie Tiso, Seipel etc. gemacht hat, sind übrigens ein Hauptgrund dafür, warum das jetzige Kirchenrecht Klerikern verbietet, ein politisches Amt zu bekleiden.

wer weiß den Grund?

Die Betroffenen, so die Slowakische Bischofskonferenz, wissen den Grund der Absetzung des Bischofs Bezák. Der Papst will es nicht sagen, so wird von der Bischofskonferenz behauptet, weil er keine Rechenschaft schuldig ist. Bezák darf es nicht sagen, weil er einen Maulkorb bekam und nicht mit der Presse reden darf. Wenn das so weitergeht, ist es nicht im Sinne von Kyrill und Method, den Kündern der frohen Botschaft und den Mehrern des Glaubens. Děti, modlete se ...

Rechenschaft müssen wir alle ablegen ...

Indes hat der Sprecher der Slowakischen Bischofskonferenz, Jozef Kovacik, Forderungen nach Bekanntgabe der Gründe für die Absetzung des Erzbischofs zurückgewiesen. Die Menschen seien "hauptsächlich aufgrund der Medien überzeugt, ein Recht auf alle Informationen zu haben". Dies sei jedoch "eine irrige Ansicht", erklärte der Sprecher. Der Papst sei nämlich niemandem Rechenschaft schuldig, und seine wohlüberlegten Entscheidungen seien nicht in Frage zu stellen.
Wie wahr, der Papst ist souverän, und dennoch: was für eine Batzigkeit steckt doch in der Formulierung. Wenn man weiß, wem man Rechenschaft schuldet - und auch der Papst schuldet diesem Rechenschaft - , müsste man auch wissen, dass man die Gläubigen nicht als Spielball verwenden und für dumm halten soll.
Wir wissen bis heute nicht, wessen Entscheidung es war, oder ob sie wohlüberlegt war, auf welchen Grundlagen sie beruhte. Vielleicht freuen sich jetzt einige, wenn das alles unter der Decke bleibt. Langfristig und im Hinblick auf die Rechenschaft, die wir alle schulden, ist das aber keine gute Idee...

für blöd verkauft

Die diplomatische Vertretung des Vatikan bittet zudem alle Gläubigen, die Entscheidung des Heiligen Vaters "mit Willigkeit und im Geist des Glaubens" anzunehmen. Dass ich nicht lache! Was war an dieser Entscheidung bitte eine Glaubensfrage?
Es ist eher eine des Vertrauens. Der Vatikan hat hier seine Vertrauenskrise noch einmal unnötiger Weise verschärft, indem er Vertrauensträgern bei der Bevölkerung in den Rücken fällt und die Falschen vor Verfolgung schützt. Wovor hat der Vatikan denn so große Angst?

@ „Der abgesetzte Erzbischof von Trnava habe die Schweigepflicht und das "päpstliche Geheimnis" nicht gehalten, sagt der Vertreter des Vatikan in Bratislava.“






jetzt erreicht Vatileaks schon die Slowakei…






@ „die Absetzung Erzbischof Bezaks sei von langer Hand vorbereitet worden und einer Initiative aus den Reihen des hohen Klerus in der Slowakei zu verdanken“






Bruderliebe auf römisch-katholisch…






@ „Der am 2. Juli erfolgten Absetzung des Erzbischofs waren in der Vorwoche Proteste, Gebetsversammlungen und Unterschriftenaktionen gefolgt…“






der abgesetzte Erzbischof Bezak ist beliebt bei den Menschen, aber umstritten im Vatikan…