19.05.2013 10:23 Merkliste 0

Bischof abgesetzt: Recht auf Information "irrige Ansicht"

16.07.2012 | 16:43 |   (DiePresse.com)

Die Absetzung des slowakischen Erzbischofs Robert Bezák sorgte in Bratislava für viele Fragezeichen bei den Gläubigen. Die Bischofskonferenz nennt keinen konkreten Grund für diese Maßnahme.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Rücktritte auf Bischofsebene sind selten, noch seltener setzt der Papst einen Erzbischof ab. Doch genau das ist dem Erzbischof von Trnava passiert: Der Vatikan verkündete Anfang Juli, dass Erzbischof Robert Bezák seines Amtes enthoben wurde. Die Begründung der Maßnahme sorgt in der Slowakei für Aufsehen: Es wird beharrlich geschwiegen. Die slowakische Bischofskonferenz fordert die einheimischen Kaholiken lediglich auf, die Abberufung "mit Respekt und Vertrauen anzunehmen", berichtet die katholische Nachrichtenagentur Kathpress.

Und auch diese Stellungnahme war erst auf großen öffentlichen Druck zustande gekommen. Zuvor hatte der Sprecher der Slowakischen Bischofskonferenz, Jozef Kovacik, für Aufsehen gesorgt, als er Forderungen nach der Bekanntgabe der Gründe für die Absetzung des Erzbischofs zurückwies. Die Menschen seien "hauptsächlich aufgrund der Medien überzeugt, ein Recht auf alle Informationen zu haben". Dies sei jedoch "eine irrige Ansicht", erklärte der Sprecher. Der Papst sei nämlich niemandem Rechenschaft schuldig, und seine wohlüberlegten Entscheidungen seien nicht in Frage zu stellen.

Visitation löste Abberufung aus

Die Abberufung des Bischofs sei infolge einer Apostolischen Visitation geschehen, bestätigte die Bischofskonferenz. Diese sei "aufgrund zahlreicher, von Priestern und Gläubigen an den heiligen Stuhl geäußerter Geschwerden über die apstoral Situation veranlasst worden", gab die Nuntiatur in Bratislava vor einer Woche bekannt. Der "Spiegel" spekuliert über finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Diözese, die Schuld an der Abberufung sein könnten. Außerdem soll Bezák häufger öffentlich Kritik an der Kirche und Geistlichen geübt haben.

Der hoch angesehene christdemokratische Politiker und frühere Dissident Frantisek Miklosko setzte die Vorgänge rund um die Absetzung laut Kathpress dabei in Beziehung zur Vatileaks-Affäre und den Turbulenzen in der Vatikanbank IOR. "Die Geschwindigkeit, mit der Bezaks Abberufung vollzogen werden soll, könne davon zeugen, dass das Problem des Umgangs mit hohen Geldsummen in der Erzdiözese Trnava irgendwie mit den kürzlich publik gemachten Finanzproblemen im Vatikan zusammenhängt", so Miklosko in der Zeitung "Pravda".

(Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

8 Kommentare

Recht auf Information als "irrige Ansicht"


„bei den Verbrechen weiß man, dass bis vor kurzem nicht einmal Kindesmissbrauch ausgereicht hat, um kirchliche Würden zu verlieren.“


„Die Demontage Bezaks steht auch in schroffem Kontrast zum Umgang mit seinem Vorgänger. Dieser, Bischof Jan Sokol, stand im Rufe, in der Zeit des Kommunismus mit dem Geheimdienst kollaboriert und Mitbrüder gegen Geld verraten zu haben. Ebenso wurde sein Liebäugeln mit dem faschistischen Diktator Jozef Tiso kritisiert.“


„Bezak war als Reformer angetreten. Er wies sofort nach der Amtsübernahme auf finanzielle Unregelmäßigkeiten seines Vorgängers hin und erstattete Anzeige in Rom. Dass es paradoxerweise nun ihn selbst erwischt hat, lässt eher vermuten, dass er allzu sehr innerkirchliche Machenschaften aufgedeckt hat“


„Geschockt sind auch Vertreter der österreichischen Amtskirche und des Redemptoristenordens, dem der Abgesetzte angehört. Diese haben Bezak als hoffnungsvollen Nachwuchsbischof kennengelernt. Auch den romtreuen Kirchenfunktionären bleibt nur ein Kopfschütteln über die vatikanische Vorgangsweise und Kommunikationsstrategie.“


vgl. http://derstandard.at/1342139162869/Recht-auf-Information-als-irrige-Ansicht



Gast: Gaboltov
17.07.2012 16:16
1 0

wer´s glaubt

Qui asinum non potest, stratum caedit.

Die Bischofskonferenz hat gesprochen

Diesmal sprach der Vorsitzende der Konferenz, Erzbischof Stane Zvolensky. Tenor: Der Heilige Vater hat die Absetzung nach sorgfältiger Prüfung des Falles entschieden.
Wir wissen dennoch bis heute nicht, wessen Idee es war, die zu dieser Situation geführt hat. Es ist zur Kenntnis zu nehmen, dass die Entscheidung wohlüberlegt war, obwohl offensichtlich alles auf einen Schnellschuss hingedeutet hat. Dadurch ist das Drama aber eigentlich noch viel schlimmer geworden.

Gast: Kirchenfeind
17.07.2012 07:56
2 0

Bitte weiter so !


@ „Die Absetzung des slowakischen Erzbischofs Robert Bezák sorgte in Bratislava für viele Fragezeichen bei den Gläubigen.“






vieles in dieser Kirche sorgt für Fragezeichen bei den Gläubigen…






@ „Die Menschen seien "hauptsächlich aufgrund der Medien überzeugt, ein Recht auf alle Informationen zu haben".“






das haben die Menschen am Ende der DDR auch geglaubt…






@ „Der hoch angesehene christdemokratische Politiker und frühere Dissident Frantisek Miklosko setzte die Vorgänge rund um die Absetzung laut Kathpress dabei in Beziehung zur Vatileaks-Affäre und den Turbulenzen in der Vatikanbank IOR.“






jetzt erreicht Vatileaks schon die kleine Slowakei – mit welchen Banken in Österreich hat doch gleich die Vatikanbank Geschäftsbeziehungen…?






Gast: Filomena Haberditzl
16.07.2012 19:06
4 0

Gott behüte ...

... es könnt' ja was aufkommen, wegen dem ganzen Aggiornamento halt und so, wo kommen wir denn da hin. Öffentlichkeit - brrr.

Und im übrigen: weder aus dem Kreml zu Sowjetzeiten (heute auch nicht wirklich) noch aus dem Nordkorea der Gegenwart kommt was heraus. So ist das halt mit den autoritären Systemen.