Rom. Die jüngste Schlagzeile zum Thema ist erst zwei Tage alt: Am Dienstag ist ein römischer Priester in Untersuchungshaft gelandet. Er soll einem professionellen Versicherungsbetrüger geholfen haben, 151.000 Euro Schwarzgeld in der Vatikanbank IOR zu verstecken. Der Fall reicht bis in die organisierte römische Unterwelt, und er ist nicht der einzige: Ermittlungs- und Gerichtsverfahren laufen.
Jetzt aber will der Vatikan, nach immer wiederkehrenden Versprechungen, der Finanzkrimininalität und der Geldwäsche wirklich einmal einen Riegel vorschieben. Man sehe darin eine „moralische Aufgabe“, sagte Staatssekretär Ettore Balestrero am Mittwoch in Rom. Anstrengungen dieser Art, so zitierte der Kurienbischof den Papst, hülfen der Kirche auch, ihre Mission zu erfüllen.
Hälfte der Kriterien erfüllt
Anlass für Balestreros Auftritt war der gleichfalls am Mittwoch veröffentlichte Bericht von „Moneyval“, der vom Europarat eingesetzten Kommission gegen Geldwäsche und Finanzierung des internationalen Terrorismus. Der Vatikan bekommt von den Experten nach gut einjähriger Untersuchung eine gemischte Note. Mit seinen neuen Gesetzen habe der Kirchenstaat „in sehr kurzer Zeit eine lange Wegstrecke zurückgelegt“; „viele Bausteine“ für den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung lägen bereit, lobt der 240-seitige Bericht. Aber die Kontrollen seien faktisch schwach; ihre Wirksamkeit in der Praxis sehen die Experten eher skeptisch. Von 45 international standardisierten Prüfkriterien hat der Vatikan, laut Moneyval, 22 ganz oder teilweise erfüllt, bei 23 hapert es.
In Prozentzahlen ausgedrückt lautet das Fazit 49 zu 51. Aber bevor jemand auf die Idee kommt, der Vatikan habe die Prüfung knapp nicht bestanden, merken Kurienbischof Balestrero und Moneyval an, etliche inzwischen eingeleitete Verbesserungen hätten im Bericht aus zeitlichen Gründen nicht berücksichtigt werden können. Die in ihrer Brutalität spektakuläre Entlassung des IOR-Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi vom Mai 2012 habe jedenfalls keinen Einfluss auf das Ergebnis der Prüfung gehabt – behauptet jedenfalls Balestrero.
Anlass für die Untersuchung waren die chronischen Skandale um die IOR, in deren Folge die Behörden zuletzt monatelang 23 Millionen Euro wegen unklarer Herkunft blockiert haben. Die Vatikanbank sollte nach Anweisung der Italienischen Notenbank nicht behandelt werden wie eine europäische Bank, sondern wie ein Geldjonglier-Institut aus einem exotischen Finanzparadies. Aus dieser misslichen Grauzone wollte der Vatikan heraus und veranlasste die Prüfung durch Moneyval.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)
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