24.05.2013 09:16 Merkliste 0

Neulerchenfeld: Kirche teilen ist keine Option

23.07.2012 | 18:24 |   (Die Presse)

Pfarrer Tadeusz Cichon schlägt eine gemeinsame Nutzung vor. Die Erzdiözese lehnt das ab.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Win. Es ist ein weiterer Schritt in einem Kampf, der mit allen Mitteln ausgetragen wird. Pfarrmoderator Tadeusz Cichon ließ am Wochenende mit dem Vorschlag, die umstrittene Kirche Neulerchenfeld in Ottakring mit der serbisch-orthodoxen Kirche zu teilen, aufhorchen. Wobei: „Der Vorschlag ist an sich nichts Neues. Wir haben von Anfang an vorgeschlagen, die Kirche gemeinsam zu nutzen“, sagt Cichon zur „Presse“.

Der Pfarrmoderator (Cichon darf sich aus kirchenrechtlichen Gründen nicht Pfarrer nennen) kämpft seit gut eineinhalb Jahren gegen die Entscheidung der Erzdiözese Wien, die Kirche aus Kostengründen (der Erhalt sei zu teuer) den Serbisch-Orthodoxen zu schenken. Und das, weil die Kirche Neulerchenfeld eine gut funktionierende Gemeinde polnischsprachiger Katholiken hat: Cichon spricht von zirka 1000 Gläubigen.

 

Eine Kirche, zwei Religionen

Die Kosten sind auch der Grund, warum die Erzdiözese eine gemeinsame Nutzung ablehnt. „Neulerchenfeld soll ja ganz in das Eigentum der serbisch-orthodoxen Kirche übergehen“, sagt Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien. Eine gemeinsame Nutzung sei aufgrund der Liturgie nicht möglich. So benötigt eine serbisch-orthodoxe Kirche etwa eine Ikonostase, eine mit heiligen Bildern geschmückte Wand zwischen Kirchenschiff und Altar. Die gibt es zwar auch temporär zum Aufstellen, aber: „die Serbisch-Orthodoxen haben rund 100.000 Gläubige in Wien und nur drei Kirchen. Die brauchen kein Nutzungsrecht, sondern ein eigenes Pfarrzentrum“, sagt Prüller.

Kirchenrechtlich ist die gemeinsame Verwendung einer Kirche jedenfalls möglich. So werden in der Pfarre Gartenstadt im 21.Bezirk Gottesdienste für die 3000 Anhänger der syrisch-orthodoxen Kirche abgehalten.

Cichon und seine Gläubigen werden trotzdem auf den Entscheid der Apostolischen Signatur, des Obersten Gerichtshofs des Vatikans, warten müssen. Dort hat Cichon – nachdem vorherige Einsprüche abgeschmettert worden waren – einen Rekurs eingelegt. Wann Rom antworten wird, wisse aber niemand. „Dafür“, sagt Prüller, „gibt es keine Fristen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

3 Kommentare
Gast: TvA
02.08.2012 19:02
0 0

Gelebte Ökumene.

Alle Christen glauben ja an den einen dreifaltigen Gott, wir Christen haben alle dieselbe Religion, auch wenn wir verschiedenen Konfessionen angehören: Die erste Kirchenspaltung liegt nun lange zurück, die theologischen Unterschiede zwischen der Orthodoxie und der RKK sind viel kleiner, als die Unterschiede zwischen der RKK und den nachlutherischen Kirchen. Auch in Jerusalem teilen sich (leider nicht immer gewaltfrei...) verschiedene christliche Konfessionen dieselbe Grabeskirche - vielleicht gelingt hier nun ein gewaltfreies Miteinander, fürchtet Euch nicht! Wenn die Erzdiözese den Mut dazu nicht hat, vielleicht haben den ja die Orthodoxen und erlauben der handvoll Katholiken die Nutzung ihrer Kirche.

Gast: Su Nuraxi
24.07.2012 19:09
1 0

Eine Kirche, zwei Religionen?

Tschuldigung, wer auch immer diesen Zwischentitel geschrieben hat. Es ist nur EINE Religion, nämlich die christliche. Es sind nur 2 unterschiedliche Konfessionen.

Gast: bergziege
24.07.2012 18:31
2 1

Gut so

Der Widerstand muss weitergehen. Es wird für alles mögliche Geld ausgegeben. Eine katholische Kirche erhalten kann die Erzdiözese nicht. Warum darf die Neulerchenfelderkirche nicht weiterhin der Fels in der Brandung sein? Es gibt außer den polnischen Katholiken auch noch Deutsch sprechende. Wurde auch hinterfragt woher das Geld zur Renovierung des Gotteshauses von den Vertretern der serbisch-orthodoxen Vertreter kommen wird? Gut, das geht die Katholiken nichts an. Mir kommt diese Schenkung gar nicht ehrlich vor. Wie wäre es, wenn sich der alte verkrustete katholische Klerus ein wenig öffnete und den progressiven Gedanken, wofür es genug Vertreter gibt, zuwendete? Es würden sich wahrscheinlich schlagartig wieder mehr Gläubige einfinden. Außerdem gehört der Kirchenbeitrag abgeschafft und stattdessen vom Staat ein Kulturbeitrag eingeführt, den alle bezahlen müssen und die anerkannten Religionen ihren Anteil davon bekämen. Unsere christlichen Feiertage genießen auch alle, ohne dass sie ihnen zustünden.