Wien/Win. Es ist ein weiterer Schritt in einem Kampf, der mit allen Mitteln ausgetragen wird. Pfarrmoderator Tadeusz Cichon ließ am Wochenende mit dem Vorschlag, die umstrittene Kirche Neulerchenfeld in Ottakring mit der serbisch-orthodoxen Kirche zu teilen, aufhorchen. Wobei: „Der Vorschlag ist an sich nichts Neues. Wir haben von Anfang an vorgeschlagen, die Kirche gemeinsam zu nutzen“, sagt Cichon zur „Presse“.
Der Pfarrmoderator (Cichon darf sich aus kirchenrechtlichen Gründen nicht Pfarrer nennen) kämpft seit gut eineinhalb Jahren gegen die Entscheidung der Erzdiözese Wien, die Kirche aus Kostengründen (der Erhalt sei zu teuer) den Serbisch-Orthodoxen zu schenken. Und das, weil die Kirche Neulerchenfeld eine gut funktionierende Gemeinde polnischsprachiger Katholiken hat: Cichon spricht von zirka 1000 Gläubigen.
Eine Kirche, zwei Religionen
Die Kosten sind auch der Grund, warum die Erzdiözese eine gemeinsame Nutzung ablehnt. „Neulerchenfeld soll ja ganz in das Eigentum der serbisch-orthodoxen Kirche übergehen“, sagt Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien. Eine gemeinsame Nutzung sei aufgrund der Liturgie nicht möglich. So benötigt eine serbisch-orthodoxe Kirche etwa eine Ikonostase, eine mit heiligen Bildern geschmückte Wand zwischen Kirchenschiff und Altar. Die gibt es zwar auch temporär zum Aufstellen, aber: „die Serbisch-Orthodoxen haben rund 100.000 Gläubige in Wien und nur drei Kirchen. Die brauchen kein Nutzungsrecht, sondern ein eigenes Pfarrzentrum“, sagt Prüller.
Kirchenrechtlich ist die gemeinsame Verwendung einer Kirche jedenfalls möglich. So werden in der Pfarre Gartenstadt im 21.Bezirk Gottesdienste für die 3000 Anhänger der syrisch-orthodoxen Kirche abgehalten.
Cichon und seine Gläubigen werden trotzdem auf den Entscheid der Apostolischen Signatur, des Obersten Gerichtshofs des Vatikans, warten müssen. Dort hat Cichon – nachdem vorherige Einsprüche abgeschmettert worden waren – einen Rekurs eingelegt. Wann Rom antworten wird, wisse aber niemand. „Dafür“, sagt Prüller, „gibt es keine Fristen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)
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