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Vatikan: War es etwa Benedikts Haushälterin?

23.07.2012 | 18:25 |  Paul Kreiner (Die Presse)

Neben dem einstigen Butler des Papstes sollen drei weitere Vertraute in die Affäre um gestohlene päpstliche Dokumente verwickelt sein.

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Rom. Nach sechzig Tagen Untersuchungshaft ist Paolo Gabriele wieder daheim bei seiner Frau und den drei Kindern. Gefangen bleibt der gefeuerte Butler des Papstes trotzdem: Er, der früher so Redselige, darf mit niemandem reden. Die Mauern des Vatikans, hinter denen zu leben für ihn bisher ein Privileg war, darf Gabriele nicht verlassen. Und in den nächsten Wochen wird ein päpstlicher Untersuchungsrichter entscheiden, ob er ein Strafverfahren gegen den 46-jährigen Italiener eröffnet: Vom Schreibtisch Benedikts XVI. soll Gabriele eine Unmenge vertraulicher Dokumente gestohlen und sie Journalisten zugespielt haben. Höchststrafe bei Verurteilung: sechs Jahre Gefängnis.

Der Fall beschäftigt Italiens Medien seit Jahresbeginn. Die Schreiben, die aus dem Vatikan drangen – und die in Buchform demnächst auch auf Deutsch erscheinen sollen –, zeigen Missstände und Missgunst, Misswirtschaft und Misstrauen innerhalb der Kurie auf. Sie galten als Hinweise auf eine Palastrevolution – gerichtet vor allem gegen Benedikts „zweiten Mann“, den umstrittenen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, sowie gegen Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein.

 

„Überraschungen“ angekündigt

Nur gilt bei allen Beobachtern als unwahrscheinlich, dass der offenbar etwas unbedarfte Gabriele die einzige Quelle dieser Dokumente gewesen sein soll. Zeitgleich mit den juristischen Ermittlungen, in denen der Ex-Butler der einzige Beschuldigte geblieben ist, hat auch die vom Papst eingesetzte Kardinalskommission ihre Untersuchung abgeschlossen. Beim Verhör zahlreicher Würdenträger der Kurie hat sie Gabrieles Hintermänner wohl gefunden. „Überraschungen“ waren angekündigt – aber den Bericht der Kardinäle kennt vorerst nur der Papst. Ob er ihn veröffentlicht, steht in den Sternen. Denn eines hat Benedikt XVI. selbst seinen heikelsten Mitarbeitern immer erspart: den Gesichtsverlust.

Dementsprechend wies Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag auch „entschlossen und vollumfänglich“ einen deutschen Pressebericht zurück, der ausgerechnet zwei der allerengsten Vertrauen Benedikts zu den Verrätern zählt. Ein „Abgrund von Neid und persönlicher Eifersucht“, so heißt es in der Zeitung „Die Welt“, habe Joseph Ratzingers einstige Haushälterin sowie seinen früheren, langjährigen Privatsekretär dazu gebracht, „bei, vor oder hinter Gabriele“ zu stehen.

Die eine, 14 Jahre in Dienst und Wohngemeinschaft mit Kardinal Ratzinger, habe es nicht verwunden, dass der heutige Papst „anderen womöglich mehr vertraut als ihr“, der andere, heute Kurienbischof und früher 19 Jahre Privatsekretär Ratzingers, halte seinen Nachfolger – Georg Gänswein – für unfähig und sei nicht mehr in der Lage, den eigenen, „geradezu irrationalen Neid im Zaum zu halten“. Dritter im Bunde soll – neben diesen beiden Deutschen – ein italienischer Kardinal sein, der früher für Johannes PaulII. Reden schrieb. Als er altershalber 2011 seinen Rücktritt einreichte, soll Benedikt das Gesuch „umstandslos angenommen“ haben.

 

Papsttreuer Enthüllungsreporter

So schreibt es „Die Welt“. Der Autor, Rom-Korrespondent Paul Badde, kennt sich im vatikanischen Unterholz aus. Privat gibt er das „Vatikan-Magazin“ heraus, eine papsttreue, anti-linke, theologisch konservative Illustrierte, mit der er sich im Kirchenstaat Freunde gemacht und Türen geöffnet hat. Einer wie Badde würde niemals namentlich bekannte Menschen aus Benedikts engstem Kreis anschwärzen, wenn er nicht etwas Konkretes in der Hand hätte.

Kurioserweise ist die Motivation bei Badde die gleiche wie bei den drei Hauptverdächtigen und bei Paolo Gabriele. Alle, so sagen sie, wollten dem Papst nur helfen.

Auf einen Blick

Der 46-jährige päpstliche Butler Paolo Gabriele habe im Alleingang vom Schreibtisch Benedikts XVI. vertrauliche Dokumente entwendet und sie italienischen Medien zugespielt. Das ist die Version, von der man bisher ausgegangen ist. Nach einem Bericht der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ sollen allerdings mehrere weitere Personen in die Affäre involviert sein: die einstige Haushälterin Joseph Ratzingers sowie sein früherer langjähriger Privatsekretär. Das angebliche Motiv: Neid. Auch der ehemalige Redenschreiber von Johannes Paul II., ein Kardinal, soll involviert sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)

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13 Kommentare

worüber Die Presse nicht berichtet


„Der pensionierte Erzbischof von Ljubljana, Alojz Uran, muss auf Geheiß des Vatikan seine slowenische Heimat verlassen.“

„Der Vatikan habe die drakonische Maßnahme zunächst geheim halten wollen, "aber die Leute haben ein Recht darauf, dass sie über die Ausreise Urans aus Slowenien informiert werden"“

...

http://derstandard.at/1342947486401/Laibacher-Ex-Erzbischof-wird-des-Landes-verwiesen 24. Juli 2012, 13:27


Anmerkung: Die Presse ist im Besitz der römisch-katholischen Kirche



Antworten Gast: auch das wird hier todgeschwiegen, sollte es aber nicht
25.07.2012 00:29
0 0

Re: worüber Die Presse nicht berichtet


Kloster mauert weiterhin im Fall Mehrerau

24. Juli 2012, 18:04

Altabt vor Zeugenaussage plötzlich erkrankt, beschuldigter Pater bleibt unauffindbar

http://derstandard.at/1342947533800/Kloster-mauert-weiterhin-im-Fall-Mehrerau


Gast: Pastor
24.07.2012 19:01
1 0

versuchen Sie es einmal


mit Inhalten.

Gott hat es nicht verhindert, ...

... also gehe ich davon aus, dass er es gewollt hat. Seine Gründe sind, so wie bei jedem x-beliebigen anderen Gott auch, wie gewohnt unergründlich. Und schon gar nicht der Mensch soll Gottes Tun hinterfragen. Amen.

Gast: mitdenken
24.07.2012 12:45
11 1

Sollte nicht mehr der Inhalt der Dokumente

diskutiert werden als der Weg, den sie in die Öffentlichkeit fanden?

Antworten Gast: smilodon
25.07.2012 01:55
0 0

Re: Sollte nicht mehr der Inhalt der Dokumente

Regen Sie das direkt bei der PRESSE an, oder bei anderen Medien. Wenn die etwas Relevantes an Inhalten finden, kann man auch darüber diskutieren. Allerdings: Wenn es in den Dokumenten/Briefen etwas gäbe, das nicht einfach nur irgend eine Banalität ist oder wenigstens nur etwas halbwegs Sensationelles, hätte man das schon längst ausführlichst berichtet und diskutiert.

Es war der gaertner..............


Re: Es war der gaertner..............

der Herr möge ihm vergeben...

17 4

@ „eines hat Benedikt XVI. selbst seinen heikelsten Mitarbeitern immer erspart: den Gesichtsverlust“






wie man bei den Missbrauchsfällen gesehen hat…






Antworten Gast: ..., und wie immer glaube ich Alles, ...
24.07.2012 04:55
9 1

Re: @ „eines hat Benedikt XVI. selbst seinen heikelsten Mitarbeitern immer erspart: den Gesichtsverlust“

vor allem wenn es ein "Rom-Korrespondent" einer papsttreuen, "anti-linken" (Anm.: was bedeutet dieser Begriff denn eigentlich?) Illustrierten in der "Welt" bereits vor knapp zwei Wochen geschrieben hat, Opus-Dei Kardinäle ermitteln, und einen jesuitennahen Kurienbischof C. wie auch eine opus-dei-ferne Haushälterin des Verrats bezichtigen. Da scheint mir etwas oberfaul zu sein, im Staate Benedicts.

Antworten Antworten Gast: Honi soit qui mal y pense
24.07.2012 07:31
11 4

in der "Welt" bereits vor knapp zwei Wochen


Haben Sie´s noch nicht mitbekommen? Da es nix positives von der Kirche zu berichten gibt, gibt´s in dieser Zeitung immer weniger über das was sich da abspielt.

Zufälliger Weise gehört Die Presse der Kirche …


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@ „…Rom-Korrespondent Paul Badde [Herausgeber einer papsttreuen, anti-linken, theologisch konservativen Illustrierte], kennt sich im vatikanischen Unterholz aus. […] Kurioserweise ist die Motivation bei Badde die gleiche wie bei den drei Hauptverdächtigen und bei Paolo Gabriele. Alle, so sagen sie, wollten dem Papst nur helfen.“






eine nette Gesellschaft…






13 2

@ „Nach einem Bericht der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ sollen allerdings mehrere weitere Personen in die Affäre involviert sein: die einstige Haushälterin Joseph Ratzingers sowie sein früherer langjähriger Privatsekretär. […] Auch der ehemalige Redenschreiber von Johannes Paul II., ein Kardinal, soll involviert sein.“






ja wer denn noch aller…?