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"Nicht mein Ziel, Islam zu predigen"

29.07.2012 | 18:33 |  IRIS BONAVIDA (Die Presse)

100 Jahre Islamgesetz: Drei jugendliche Muslime sprechen über Weinfeste mit Kopftuch und Dirndl, den Zwang, sich ständig rechtfertigen zu müssen, und das Meiden von Diskotheken.

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Die Presse: Gerade werden 100 Jahre Islam in Österreich gefeiert. Wenn Sie an Ihre Alltagserfahrungen denken: Wie sehr ist die Religion in Österreich integriert – wird man anders behandelt als Menschen, die einer anderen Religion angehören?

Marawan Mansour: Also ich habe keine großartigen Diskriminierungserfahrungen gemacht. Insofern fühle ich mich ganz wohl hier, und auch als Österreicher.

Tuba Namaldi: Wohlfühlen – das tue ich mich in meinem eigenen Land natürlich auch. Aber ich habe schon negative Erfahrungen gemacht, als Schülerin und auch als Studentin. Es ist ein Aha-Erlebnis für manche, wenn sie eine Frau mit Kopftuch auf der Uni sehen. Ich mache auch ein Praktikum in einer Schule und unterrichte. Dort sind die Reaktionen der Eltern ganz unterschiedlich.

 

Was sagen die Eltern dann?

Namaldi: Sie hören, dass es eine Deutschlehrerin mit Kopftuch gibt, und denken sich: Ich möchte sie kennenlernen – und kommen in die Schule. Ich sage ihnen dann, dass ich als Deutschlehrerin hier bin. Es ist nicht mein Ziel, den Kindern den Islam zu predigen. Wenn die Eltern dann merken, dass ich der Sprache mächtig bin, sind die meisten zufrieden.

 

Wie ist es bei Vorstellungsgesprächen für Jobs oder Praktika? Gab es da schon einmal Reaktionen auf die Religionszugehörigkeit?

Nermina Mumic: Reaktionen gab es dann, wenn ich bei einem Abteilungsleiter gesessen bin und er in seinen Unterlagen gesehen hat, dass ich keine Österreicherin bin. Da wurde schon einmal gesagt: Sie können aber schon sehr gut Deutsch. Da ist man teilweise sehr vorurteilsbehaftet.

Mansour: Ich habe auch hier noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Aber man weiß auch nicht, ob man bereits von vornherein nicht abgelehnt wird.

 

Thema Fortgehen: Hatten Sie das Gefühl, dass Ihre Eltern strenger waren als bei Nichtmuslimen?

Namaldi: Es ist wichtig, dass man Fortgehen definiert. Ist es das, was man im Fernsehen sieht und mit Alkohol verbunden ist? Dann ist es so, dass ich persönlich nicht daran teilnehmen will. Aber wenn Fortgehen bedeutet, dass man mit Freunden am Abend einen Film anschaut oder sich in ein Café setzt – da hab ich bei meinen Eltern noch nie Probleme erlebt.

Mumic: Ja, jeder setzt sich den Rahmen selbst, in dem er sich wohlfühlt. Und für mich ist eine Diskothek kein solcher Ort. Stattdessen verbringe ich lieber einen gemütlichen Abend mit Freunden.

Mansour: Also ich gehe meistens ins Kino oder ins Theater. Meine Eltern wissen auch, dass ich ein entspannterer Typ bin. Ich gehe auch nicht tanzen oder ziehe von einem Lokal ins nächste.

 

Und da fragt auch niemand, warum Sie keinen Alkohol trinken?

Mansour: Das kommt schon gelegentlich vor, was für mich sehr unangenehm ist. Die Leute sagen dann „Trink doch was!“, und das ist nicht okay. Ich sehe nicht ein, warum ich mich für etwas rechtfertigen muss, wofür ich stehe. Früher war ich auch öfter mit Leuten unterwegs, die auch etwas getrunken haben. Heute wäre das aber nicht mehr meins.

Namaldi: Ich war einmal in Traiskirchen bei einem Weinfest. Auch da hat mich keiner der Besucher darauf angesprochen, dass ich keinen Alkohol trinke. Weil es war klar, sie haben das akzeptiert und gesehen, dass es das ist, woran ich glaube.

 

Und bei so einem Fest wird man gar nicht angesprochen – auch nicht auf das Kopftuch?

Namaldi: Sicher, die Leute schauen dann verwundert. Ich habe auch schon ein Dirndl angezogen, das ich mir extra nähen habe lassen. Wenn mich jemand darauf anspricht, gehe ich offen auf die Fragen ein. Und wenn mich jemand fragt: „Ach, Sie sind auch hier?“, antworte ich: „Ja, ich würde das auch gern miterleben.“ Genauso würde ich es wichtig finden, dass diese Menschen auch an muslimischen Festen teilnehmen.

 

Ist man da eher in homogenen Gruppen unterwegs? Das ist ja auch ein typisches Vorurteil.

Mumic: Nein, ich habe einen sehr gemischten Freundeskreis. Wenn mich jemand neu kennenlernt, gibt es schon manche Fragen – das ist aber auch die Möglichkeit, mich zu erklären. Aber ich mag mich auch nicht ständig wiederholen.

 

Trotz allem ist der Islam eine Religion, die mit konservativen Wertvorstellungen verbunden ist, etwa bei der Stellung der Frau. Stichwort Zwangsheirat.

Mumic: Zwangsheirat ist kein islamisches Problem, sondern ein kulturelles. Da ist ein Missverständnis in der Gesellschaft. Der Islam hat den Frauen ihre Rechte gegeben, und jemand nimmt der Frau kulturell bedingt diese Rechte.

 

Sie glauben also nicht, dass Frauen im Islam weniger Rechte haben?

Namaldi: Genau. Ich würde nicht sagen, dass sie schlechter gestellt sind, mit Blick auf den Koran, und auch im Alltag: Es gibt muslimische Frauen, die arbeiten, studieren. Ich muss immer wieder lachen, wenn ich in Vorlesungen auf Frauenrechte angesprochen werde. Da denke ich: Ich sitze in der Uni, ich studiere. Wie offensichtlich muss es noch sein, dass man als muslimische Frau genauso mitdenken kann und muss?

Wird man als Mann genauso häufig darauf angesprochen?

Mansour: Du hast quasi einen Zwang, dich ständig zu rechtfertigen. Das Bild in den Köpfen der Menschen, dass der Islam eine konservative Religion ist und Frauen weniger Rechte haben, ist ein verkürztes.

Nervt es, dass man sich dauernd rechtfertigen muss?

Namaldi: Vor ein paar Jahren schon noch. Mittlerweile denke ich aber, dass es wichtig ist, auf Fragen, die respektvoll gestellt werden, zu antworten. Es gibt aber auch Personen, die fragen: Was, du fastest? Kriegst du keinen Hunger und stirbst dann? Auf solche Fragen reagiere ich nicht.

 

Kann man allgemein sagen, dass sich beide Seiten langsam öffnen?

Mansour: Teilweise gehen die Leute tatsächlich offener aufeinander zu. Ich glaube aber schon, dass noch viele Spannungen da sind. Dennoch leben die Leute viel stärker zusammen. Die jungen Leute mit Migrationshintergrund, die hier aufgewachsen sind, sind auch Teil der Gesellschaft. Man sollte sich nicht für eine Kultur entscheiden müssen.

 

Wenn Sie an Ihre Eltern denken, können Sie Unterschiede zwischen den Weltansichten beobachten?

Mansour: Bei meinem Vater merke ich schon, dass es immer wieder zu Reibungen kommt, weil wir unterschiedliche kulturelle Ansichten haben. Aber das ist schon okay. Denn wenn du 23 Jahre in Ägypten verbringst und dann plötzlich in einer komplett anderen Welt bist, musst du dich selbst erstmal finden. Und wenn man zwischen zwei Kulturen aufwächst, hat man ein ganz anderes Gespür dafür, dass es nicht nur eine Leitkultur gibt.

 

Nermina Mumic: Die 20-Jährige lebt in St. Pölten und ist in jungen Jahren zusammen mit ihren Eltern von Bosnien nach Österreich gezogen. Nun studiert sie technische Mathematik in Wien. Kulturelle Probleme sollten nicht mit religiösen Werten vermischt werden, findet sie.

Marawan Mansour: Die Mutter des 23-jährigen Jusstudenten ist Österreicherin, sein Vater kommt aus Ägypten. Dass er zwischen zwei Kulturen aufgewachsen ist, ist für ihn mit Vorteilen verbunden: Er hat so ein Gespür dafür entwickelt, dass es nicht nur eine Leitkultur gibt.

Tuba Namaldi: Die Niederösterreicherin mit türkischen Wurzeln ist 21Jahre alt und studiert an der Pädagogischen Hochschule Deutsch und Biologie. Später will sie unterrichten, bei ihrem Praktikum fällt sie schon einmal als Deutschlehrerin mit Kopftuch auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2012)

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88 Kommentare
 
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Gast: Wow
28.08.2012 23:54
0 0

Fakt ist

...das Islamgesetz erlaubte niemandem, mit Kopftuch zu gehen. Diese Schleimereien vor radikalen Islamisten wie Namaldi sind beschämend.

Gast: Hans P. Soizburga
31.07.2012 15:24
1 7

Fakt ist...

...dass es in Österreich in ein paar Jahrzehnten mehr Muslime als Christen geben wird.

Man sollte endlich mit der Hetze und dem Hass aufhören und aufeinander zu gehen. Beide Seiten!

Gast: ali baba
31.07.2012 15:09
11 1

Eine Deutschlehrerin mit Kopftuch

Da wirds ja nicht mehr lange dauern bis in dieser Klasse und Schule Islamische Sitten und Regeln gelten.
Da werden die männlichen Familienangehörigen schon dafür sorgen.

Gast: alex111
31.07.2012 12:24
10 1

Man könnte doch auch mal testen ob eine Österreichische Lehrerin

in einem Islamischen Land mit Minirock Arabisch unterrichten darf.

Antworten Gast: konig
17.08.2012 15:49
0 0

Re: Man könnte doch auch mal testen ob eine Österreichische Lehrerin

wieso nicht.sollen sie arabisch konnen

Re: Man könnte doch auch mal testen ob eine Österreichische Lehrerin

Dort gilt: Unser Land - unsere Regeln.
Hier gilt: Unser Land - eure Regeln.

Gast: Hans P. Soizburga
31.07.2012 10:59
1 7

super!

Drei sehr gut integrierte, gebildete, aufgeschlossene österreichische Muslime. Respekt!

Gast: Bernd B.T.
31.07.2012 09:18
1 6

Sehr gut!

Muslim. Österreicher. Akademiker! Punkt

Antworten Gast: freiheit von religion
31.07.2012 10:36
2 2

Msl. ReligionskritikerIn. AkademikerIn. ÖsterreicherIn. Rufezeichen- gefällt mir besser.


Gast: Qualtinger W
30.07.2012 21:14
17 1

Bild

So eine Deutschlehrerin hätte ich nicht gewollt, ob sie es hören wollen, oder nicht!

Gast: aspasia
30.07.2012 20:20
12 1

dass diese Menschen auch an muslimischen Festen teilnehmen

Wo bitte gibt es muslimische Feste, an denen ich als Nicht-Muslimin teilnehmen kann?

Nur damit es kein Missverständnis gibt: ein Weinfest ist kein christliches Fest. Bei öffentlichen Festen wird man üblicherweise nicht nach seiner Konfession gefragt.

Was ist also ein muslimisches Fest für alle?

Antworten Gast: aspasia
02.08.2012 18:13
0 0

Re: dass diese Menschen auch an muslimischen Festen teilnehmen

Eine brauchbare Antwort auf meine Frage wäre hilfreicher als ein nichtssagendes rotes Stricherl!

Gast: Gruftmaus
30.07.2012 19:53
12 1

Das Schöne

...an solch ellenlangen, ob ihrer unsinnigen Aussagen strotzenden Artikeln ist, daß der Mittelfinger nicht einschläft.

(Nat. nur, weil das Mausrad emsig bedient werden muß-was sonst?)

Gast: DECT
30.07.2012 19:19
11 1

Reconquista

Es ist höchste Zeit in Europa.

Ok, aber

Kopftuch in der Schule ist ja OK, aber als mich im Spital eine Ärztin mit Kopftuch behandeln wollte, hatte ich sofort abgelehnt - wurde auch akzeptiert. Schließlich leben diese Menschen ja in ganz anderen Hygienischen Verhältnissen.....

Antworten Gast: schabe
09.08.2012 09:12
0 2

Re: Ok, aber

Was ist hygiene für sie ?
Mit einem Tier in gemeinsamen Haushalt zu Leben!

Gast: undwiederich
30.07.2012 17:12
5 3

tolles interview

test
test

tolles interview

mehr davon

test ende

Gast: Daniel B
30.07.2012 16:59
4 19

immer das gleiche

Wenn diese Dame ein Kopftuch im Unterricht tragen möchte, dann ist das ihr gutes Recht. Es ist ja nicht verboten.

Sind Muslime arbeitslos, passt es euch nicht. Gehen sie aber studieren, bilden sich, engagieren sich sozial, passt es euch auch nicht.

Fakt ist, in Österreich herrscht Religionsfreiheit und auch wenn diese in muslimischen Ländern eingeschränkt ist, mindert das jene in Österreich nicht!

Re: immer das gleiche

warum? warum sollte unser Verständnis von frauenrechten unterminiert werden?

3 18

...

kinder sollten religiös neutral erzogen werden ! wenn eine frau ein kopftuch tragen will soll sie das machen, es ist ihre freie entscheidung! genaueo wie sich jeder frei entscheiden kann ob und wie er seine haare trägt !

gegen deutschlehrerinnen mit kopftuch wird geschimpft aber die kinder werden von klein auf mit der christlichen religion "brain washed". das ist meiner meinung nach um einiges bedenklicher !

der christlichen Religion.......

.......verdankst Du immerhin, dass du hier frei schreiben kannst ohne Dich fürchten zu müssen - im Islam ohne Aufklärung geht das leider noch immer nicht - und das ist der kleine aber feine Unterschied !

Re: der christlichen Religion.......

Danke für ihre Aufklärung.

Ich dachte nähmlich bisher immer, dass ich das der Aufklärung und der Französischen Revolution verdanke.

Galileo Galilei konnte seine Meinung ja auch ganz frei äußern. /Ironie off

Antworten Antworten Antworten Gast: turz1
30.07.2012 22:27
2 0

Re: Re: der christlichen Religion.......

-wer nämlich mit h schreibt, ist ...

Antworten Gast: pol Beobachterin
30.07.2012 17:45
12 0

Re: ...

Genau darum geht es. Es ist vielfach KEINE freie Entscheidung.

Zudem steht es für mich vor allem in arab Länder als Zeichen der Unterdrückung von Frauen. Ich empfinde es vor allem als Frau provokant.
So provokant wie Männer im arab Raum meinen Minirock empfinden.

In diesem Fall will ich keinenfalls tolerant sein, weil es hier ein falsches Signal den Mädchen gegenüber wäre.

Antworten Gast: montagsfrau
30.07.2012 17:15
11 0

Re: ...

Eine Lehrerin mit Koptuch zeigt deutlich, dass sie nicht "brain washed" ist, oder? Bestimmt ist sie ein Garant dafür, dass die Kinder religiös neutral erzogen werden ...

Ihre Gedankengänge scheinen mir schon etwas verworren!

Antworten Gast: erstaunlich..
30.07.2012 14:59
11 0

und

bei Muslimen ist es üblich, dass die Kinder religiös neutral erzogen werden und mit 18 Jahren selbst über ihre Religionszugehörigkeit entscheiden dürfen?
Ihre Aussagen erstaunen mich, denn gerade bei den Katholiken gibt es sehr viele Taufscheinchristen, die schon längst nicht mehr religiös und praktizierende Glaubensanhänger sind.

 
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