23.05.2013 03:09 Merkliste 0

Vatileaks: Ex-Kammerdiener des Papstes muss vor Gericht

13.08.2012 | 17:23 |   (DiePresse.com)

In der Wohnung des ehemaligen Kammerdieners des Papstes wurden vertrauliche Dokumente beschlagnahmt. Einem Programmierer des vatikanischen Staatssekretariats wird Beihilfe zum Diebstahl vorgeworfen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

In der Enthüllungsaffäre "Vatileaks" muss sich der beschuldigte Kammerdiener von Papst Benedikt XVI., Paolo Gabriele, wegen schweren Diebstahls vor Gericht verantworten. In seiner Wohnung wurden vertrauliche Dokumente beschlagnahmt. Außerdem werde Anklage gegen einen weiteren Beschuldigten erhoben, teilte der vatikanische Ermittlungsrichter Piero Bonnet am Montag mit.

Dabei handelt es sich um einen Mitarbeiter des vatikanischen Staatssekretariats, Claudio Sciarpelletti. Bisher war noch kein zweiter Name eines Verdächtigen im Zusammenhang mit der so genannten Vatileaks-Affäre bekanntgegeben worden. Sciarpelletti arbeitete als Programmierer im Staatssekretariat. Ihm wird Beihilfe zum Diebstahl vorgeworfen. Er werde aber weniger belastet als Gabriele, sagte der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi. Sciarpelletti könne nicht direkt als "Komplize" betrachtet werden. Seine Aussagen seien in mehreren Aspekten unklar.

Dokumente beschlagnahmt

Bei Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele wurden nicht nur vertrauliche Dokumente des Papstes beschlagnahmt. In seiner Wohnung wurden auch ein Scheck in Höhe von 100.000 Euro, der für den Papst ausgestellt worden war, sowie ein Goldnugget und eine Ausgabe der "Äneis" aus dem Jahr 1581 gefunden. Dabei handelt es sich um Geschenke für den Papst.

Gabriele hat bestritten, vom Scheck des Heiligen Vaters in Höhe von 100.000 Euro Bescheid gewusst zu haben. Der Scheck sei versehentlich unter anderen Dokumenten des Papstes untergekommen. Gabriele habe niemals daran gedacht, den Scheck zu kassieren, berichtete sein Rechtsanwalt Carlo Fusco nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Laut den Dokumenten der vatikanischen Ermittler habe Gabriele mit seiner Unordentlichkeit erklärt, dass sich Geschenke des Papstes in seiner Wohnung befanden. Öfters sei er vom Heiligen Vater beauftragt worden, seine Geschenke in ein Lager zu bringen. Außerdem hab er vom Privatsekretär des Papstes, Georg Gänswein, Bücher bekommen, die dem Heiligen Vater geschenkt wurden.

Kein Vorteil aus Interview

Der am 23. Mai verhaftete Gabriele gab zu, dass er den italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi in dessen Wohnung getroffen habe. Dieser veröffentlichte angebliche Geheimdokumente aus dem Vatikan in seinem Buch mit dem Titel "Sua Santita" (Seine Heiligkeit). Dazu gehören Briefe und Faxe sowie Gesprächsvorlagen für den Papst. Gabriele erklärte, dass er von Nuzzi anonym für eine TV-Reportage interviewt worden sei, die im Frühjahr von dem TV-Sender La 7 gesendet wurde.

Der Kammerdiener versicherte, dass er kein Geld, oder andere Vorteile für die Weitergabe der Dokumente erhalten habe. "Ich war der Ansicht, dass der Heilige Vater nicht korrekt über einige Angelegenheiten informiert war", berichtete Gabriele den Ermittlern. Er habe die vertraulichen Dokumente auch seinem Beichtvater übergeben, der sie verbrannt habe.

Bis zu sechs Jahre Haft

Gabriele sei außerdem einem psychiatrischen Gutachten unterzogen worden. Gabriele saß nach seiner Festnahme zunächst 53 Tage lang in Haft, bevor er im Juli unter Hausarrest gestellt wurde. Seit 2006 hatte er für den Papst gearbeitet und war einer der wenigen Vertrauten des Oberhaupts der katholischen Kirche, die auch Zugang zu dessen Privaträumen hatten. Im Fall einer Verurteilung drohen Gabriele bis zu sechs Jahre Haft.

Die vatikanischen Ermittler haben nicht ausgeschlossen, dass die Untersuchung zu möglichen Komplizen des Kammerdieners von Benedikt XVI., Paolo Gabriele, weitergeführt werden könnten.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

11 Kommentare
Gast: Einsamkeit der Macht
14.08.2012 22:19
1 0

Interessant, was der Papst alles geschenkt bekommt

Von wem? wofür? wozu?
Und niemanden ist aufgefallen, daß die sonderbar teuren Geschenke plötzlich - schon seit wie lange? - verschwunden waren ...

Interessant, was alles locker abgezweigt werden kann.
Würde erklären, warum ein Griß um Vatikanposten insbesondere beim Papst besteht.

Das demonstrativ gottesfürchtige Paulchen outet sich damit als heuchlerischer gemeiner Dieb. Und Schleimer.

Und der bibliophile, klavierspielende Altphilologe als Papst hat in all den Jahren nichts bemerkt?

Benedikt und Gänswein müssen einen tollen Durcheinander, ein gräßliches Chaos in ihrer Papierlwirtschaft gestiftet haben, da ihnen derartig lange nichts Verschwundenes abgegangen ist. Dort regiert offensichtlich ein Chaotenclub, dem verwunderlich lange Zeit das Abhandenkommen vieler Schriftstücke und diverser Geschenke gar nicht auffiel!

100.000 Euro verschwinden - und niemandem der Kapazunder fällt das auf!

Wozu also noch spenden, wo doch so manches, wie viel?, verschludert, verlegt, abgezweigt wird?
Und niemanden fällt etwas auf.
Die Herren im Vatikan verfügen demnach über viel zu viel Geld.
Und ihr Finazchaos muß himmelschreiend sein?

Die Vatikanherren leben genüßlich in ihrer Traumwelt. Die Realität interessiert sie nicht.

Wäre das herzallerliebste, frömmelnde Paulchen nicht durch eine Unachtsamkeit aufgeflogen, alles wäre geblieben wie bisher.

Man blickt wirklich in Abgründe.
Und das ist erst der allererste Blick durch den Türspalt.

Frischer Wind wäre ein Segen!



Gast: Verstehens-williger
13.08.2012 20:32
8 0

eine Frage

wenn Gabriele erst durch das Enthüllungsbuch von Nuzzi („Sua Santita“) inspiriert wurde Machenschaften aufzudecken, wer hat dann die Dokumente für das Buch geliefert?

Antworten Gast: Su Nuraxi
13.08.2012 22:12
0 0

Re: eine Frage

Gemeint ist nicht "Sua Santità" sondern "Vatikan AG".

Gast: Karl Karl
13.08.2012 20:11
8 0

Hmmmm....

...sich an Kindern vergreifen bringt dich ins Exil, etwas Geld und bedrucktes Papier stehlen bringt dich vor Gericht.

Hmmm....die dunkle Seite der Macht ist sehr verwirrend, junger Skywalker....hmmmm.

Gast: hmmm
13.08.2012 19:53
4 0

der Buttler war´s also

und der Gärtner ist sauber? ;o)

17 0

@ „Bewegt durch ein Enthüllungsbuch über Skandale in der Vatikanbank habe er „Verfall überall in der Kirche gesehen“






da braucht´s nicht extra ein Enthüllungsbuch – den sieht man auch so überall…






Antworten Gast: Hansi Hüpfer
14.08.2012 10:37
0 2

Re: @ „Bewegt durch ein Enthüllungsbuch über Skandale in der Vatikanbank habe er „Verfall überall in der Kirche gesehen“

Ich kann niergends Skandale sehen, die vom Vatikan verursacht wurden. Eine Glaubensgemeinschaft, die weltweit mit 20 000 000+ Menschen jährlich wächst, sollte Probleme haben; hat sie aber nicht. Die total marginalisierten österr. Linken, nach jahrelanger atheistischer Gehirnwsche militant antiklerikal, die in den Medien vorkommen, sollten mit Bedauern und Verständnis zurückgeführt werden. Und wenn sie nicht wollen dann eben nicht.

Antworten Antworten Gast: kein Piusbruder
15.08.2012 10:08
1 0

?!

bist du es Bruder Pius?

15 0

@ „Ungeschoren bleibt indes Gabrieles Beichtvater, der einzige Kleriker, dessen Verwicklung in VatiLeaks zugegeben wird“






man hat eh schon ein Bauernopfer…






17 0

@ „Mit weiteren Erkenntnissen ist auch zu rechnen, da der Papst drei Alt-Kardinäle mit Ermittlungen beauftragte. Ihr Bericht steht, der Vatikan verschweigt die Ergebnisse aber „aus Respekt vor der ordentlichen Justiz“.“






Glasnost á la Vatikan…