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Kardinal Martini tot: Bestseller des "liberalen" Lagers

31.08.2012 | 17:20 |   (DiePresse.com)

Der ehemalige Bischof von Mailand stand für einen weltoffenen Dialog. Der Jesuit galt als Brückenbauer zwischen Kirche und säkularer Gesellschaft.

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Bei der Wahl des Nachfolgers von Papst Johannes Paul II., aus der Joseph Ratzinger erfolgreich hervorging, war er der Hoffnungsträger des "liberalen" Lagers im Kardinalskollegium: Kardinal Carlo Maria Martini galt als herausragende Persönlichkeit der Kirche in Italien. Am Freitag ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.

Als Erzbischof von Mailand leitete er 22 Jahre lang bis 2002 die größte Diözese Europas. Wie kaum ein anderer forcierte der brillante und weltoffene Theologe den Dialog zwischen Kirche und säkularer Gesellschaft. Dabei bezog der Jesuit bei nahezu allen heißen Fragen Gegenposition zu den Konservativen, vom Thema der Dezentralisierung der Kirche über Sexualität bis zur Frage der Stärkung der Laien und der Frauen innerhalb der Hierarchie.

Martini wurde im Februar 1927 in Turin geboren. Mit 17 Jahren trat er den Jesuiten bei. Er studierte Philosophie an der Jesuitenuniversität in Gallarate bei Mailand und Theologie an der theologischen Fakultät in Chieri, wo er 1952 im Alter von 25 Jahren zum Priester geweiht wurde. Später promovierte er an der päpstlichen Gregoriana-Universität, deren Rektor er 1978 wurde. Ein Jahr später schickte ihn Papst Johannes Paul II. wegen seiner Vermittlerqualitäten als Erzbischof nach Mailand.

Johannes Paul II. persönlich weihte Martini am 6. Jänner 1980 im Petersdom zum Bischof. Drei Jahre später erhielt der Jesuit das Kardinalsbirett. In Mailand kümmerte er sich um die großen kirchenpolitischen Fragen ebenso wie um die Jugendarbeit oder die Ausländer-Pastorale. Bis 2002 leitete Martini Europas größte Diözese und eines der größten katholischen Amtsgebiete der Welt.

Der Professor für Fundamentaltheologie wurde in dem traditionsreichen Bistum rasch zu einem Bezugspunkt für Gläubige und Nichtglaubende. Tausende von jungen Menschen verfolgten seine regelmäßigen Gebete im Mailänder Dom, seine Bischofstexte erreichen Auflagen wie Bestseller. Bis 1993 war er Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen.

Der Bibelwissenschaftler verbrachte nach seiner Emeritierung längere Zeit in Jerusalem zum Studium der Heiligen Schrift. Auch von dort schaltet sich Martini immer wieder in die öffentliche Debatte ein. Dabei lösten seine differenzierten Stellungnahmen zu Euthanasie und Sterbehilfe, zu Apparatemedizin und Patientenverfügung immer wieder lebhafte Diskussionen in der italienischen Öffentlichkeit aus. Internationale Beachtung fanden seine Stellungnahmen zum Islam, in denen er als erster eine "gerechte Wechselseitigkeit" zwischen Christen und Muslimen einforderte.

Nachdem er an Parkinson erkrankt war, kehrte Martini von Jerusalem nach Italien zurück. Zuletzt lebte er in einem Jesuitenheim in Gallarate. In den letzten Wochen hatte sich sein Zustand wesentlich verschlechtert.

(APA)

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15 Kommentare
Gast: Im Namen der Rose
01.09.2012 09:21
6 1

nister waren die beim Konklave "Heiliger Geist" spielenden intriganten Strategen, die statt dem hochgebildeten, geistreichen, souveränen Martini den tumben Schauspieler Wojtyla und dann den duckmäuserisch-vorsichtigen Ratzinger zum Papst machten!

Statt voller haben sie jetzt leere Kirchen.
Die Hauptsache, es herrscht freudeabtötende Friedhofsruhe.

Unbeantwortet bleibt allerdings, ob die Papstmacher nicht doch nur machtgiergeleitete Atheisten im Kardinalspurpur waren?

Der nicht immer systemkonforme, gelegentlich widerständige, ja sogar manchmal radikale "Heilige Geist" hätte sicherlich lieber den geistreichen, provokant-unkonventionellen Martini zum Papst gewählt, hätte man ihn lassen.

Doch so ist es im Vatikan:
Man predigt spitzfindig-eloquent Wasser und Askese, schlürft aber doch lieber mit den Prinzessinnen (zB. Borghese, Thurn und Taxis) in prachtvollen Palästen uralten, goldstaubversetzten Champus aus wappenverzierten Kristallgläsern mit sehnsuchtsvollem Blick auf Rubensgemälde oder die Statuen griech. Jünglinge während man wohllüstig ausgiebig in den Finessen der Sexualmoral schwelgt. Pastorales Gespräch heißt das dann.

Martini hätte diese Kreise gestört.
Mit unangenehm scharfem Verstand.
Er hätte stattdessen lieber Bücher geschrieben.
Und über neue Zugänge zur Spiritualität in der modernen Gesellschaft meditiert.
Er hätte Zeit gehabt für die ohne klangvollen Namen, ihre Sorgen und Nöte.
Hätte zwanglose Gastfreundschaft gefeiert.
Milde statt Strenge.
Lachen statt Zwang.
Nein! Mit so einem an der Spitze hätten die Bon-vivants des Vatikans nichts anzufangen gewußt.
Außerdem war er fürs Papstamt nicht qualifiziert:
kein Pharisäer,
da fürs Heucheln unbegabt.
Ohne rote Armanischuhe.
Dafür mit Herz und Esprit.

Gast: Im Namen der Rose
01.09.2012 05:36
6 1

Sinister die beim Konklave "Heiliger Geist" spielenden intriganten Strategen, die statt dem hochgebildeten, geistreichen, souveränen Martini den tumben Schauspieler Woityla und dann den duckmäuserisch-vorsichtigen Ratzinger zum Papst machten!

Statt voller haben sie jetzt leere Kirchen.
Die Hauptsache, es herrscht freudeabtötende Friedhofsruhe.

Unbeantwortet bleibt allerdings, ob die Papstmacher nicht doch nur machtgiergeleitete Atheisten im Kardinalspurpur waren?

Der nicht immer systemkonforme, gelegentlich widerständige, ja sogar manchmal radikale "Heilige Geist" hätte sicherlich lieber den geistreichen, provokant-unkonventionellen Martini zum Papst gewählt, hätte man ihn lassen.

Doch so ist es im Vatikan:
Man predigt spitzfindig-eloquent Wasser und Askese, schlürft aber doch lieber mit den Prinzessinnen (zB. Borghese, Thurn und Taxis) in prachtvollen Palästen uralten, goldstaubversetzten Champus aus wappenverzierten Kristallgläsern mit sehnsuchtsvollem Blick auf Rubensgemälde oder die Statuen griech. Jünglinge während man wohllüstig ausgiebig in den Finessen der Sexualmoral schwelgt. Pastorales Gespräch heißt das dann.

Martini hätte diese Kreise gestört.
Mit unangenehm scharfem Verstand.
Er hätte stattdessen lieber Bücher geschrieben.
Und über neue Zugänge zur Spiritualität in der modernen Gesellschaft meditiert.
Er hätte Zeit gehabt für die ohne klangvollen Namen, ihre Sorgen und Nöte.
Hätte zwanglose Gastfreundschaft gefeiert.
Milde statt Strenge.
Lachen statt Zwang.
Nein! Mit so einem an der Spitze hätten die Bon-vivants des Vatikans nichts anzufangen gewußt.
Außerdem war er fürs Papstamt nicht qualifiziert:
kein Pharisäer,
da fürs Heucheln unbegabt.
Ohne rote Armanischuhe.
Dafür mit Herz und Esprit.

Gast: Christus war kein Fundamentalist
31.08.2012 23:22
13 1

Da werden "Communione e Liberazione", "Opus Dei", die Legionäre Christi und all die anderen fundamentalistischen Immobilienhändler kommendes Wochenende Freudenparties feiern!

Nicht nur die "Brüder von Taizé" und die "Kleinen Brüder und Schwestern" werden um ihn trauern.

Jetzt wird es zapperduster in der entvölkerten Kirche. Denn mit ihm ist einer der letzten umfassend gebildeten, intellektuellen Jesuiten von uns gegangen. Zurück bleiben die verstörten Jesuitendarsteller ...

Als Ratzinger-Nachfolger wird es dann nurmehr stockkonservativ-engstirnige Papstkandidaten zur Auswahl geben.

Finster und eiskalt wird es nun in der europäischen Kirche.

Gast: pro multis
31.08.2012 23:01
16 1

der Kirche fehlen Persönlichkeiten wie Martini


wäre Kardinal Martini Papst geworden, stünde es mit der Kirche heute anders


Antworten Gast: N.N.N.
31.08.2012 23:18
0 0

Re: der Kirche fehlen Persönlichkeiten wie Martini

Noch wirkt der Heilige Geist in seiner Kirche.

Antworten Antworten Gast: _gast_
01.09.2012 00:18
4 1

Re: Re: der Kirche fehlen Persönlichkeiten wie Martini

den heiligen Geist haben Ratzinger und seine Piusbrüder längst aus der Kirche vertrieben :o(

Gast: Su Nuraxi
31.08.2012 20:49
1 7

Hoffnungsträger der Liberalen bei der Papstwahl?

Wie kommt DIE PRESSE darauf? Da werden wohl nur irgendwelche Spekulationen von 2005 aufgewärmt. Martini hatte damals schon Parkinson. Nachdem gerade ein Papst an Parkinson gestorben war, wird wohl nicht einmal der liberalste Liberale auf die Idee gekommen sein, einen Kardinal mit Parkinson zum Papst zu wählen.

Gast: Wasserlaeufer
31.08.2012 20:43
0 6

Der Bruder Luzifer

Lucifer von lat. lux, lucis = Licht und ferre = tragen; also Lichtbringer
hoert auch gerne Loben.

Besonders Jesuiten gehoeren
zu seinen Lichtgestalten.

"My posting has a chance like a snowball in hell"

20 1

@ „Der ehemalige Bischof von Mailand stand für einen weltoffenen Dialog. Der Jesuit galt als Brückenbauer zwischen Kirche und säkularer Gesellschaft.“






Kardinal Martini war einer der letzten…






Antworten Gast: Lieschen Müllers
31.08.2012 23:20
1 0

Re: @ „Der ehemalige Bischof von Mailand stand für einen weltoffenen Dialog. Der Jesuit galt als Brückenbauer zwischen Kirche und säkularer Gesellschaft.“

Wie König so Martini, die beiden Brückenbauer in andere Lager.

20 0

@ Kardinal Martini war „der Hoffnungsträger des "liberalen" Lagers im Kardinalskollegium“






von denen es in der Kirche Joseph Ratzingers keine mehr gibt…






20 0

@ „Wie kaum ein anderer forcierte der brillante und weltoffene Theologe den Dialog zwischen Kirche und säkularer Gesellschaft.“






heute forciert die Kirche nur mehr der Dialog mit der kruden Gesellschaft der Pius-Brüder…






Gast: Genosse Graf Gudenus, Paris
31.08.2012 19:04
0 0

Jesuit - ein liberaler?

Erstaunlich

Antworten Gast: kein Piusbruder
01.09.2012 10:51
3 0

Re: Jesuit - ein liberaler?

in der Kirche ist heute jeder der nicht dem Opus Dei, der Legio Mariae oder den Piusbrüdern angehört, ein Liberaler

Antworten Gast: Wasserlaeufer
31.08.2012 20:46
0 0

Re: Jesuit - ein liberaler?

Ja, Sachen gibts,
die gibts nicht!