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Küng: Zwei Drittel der Missbrauchsfälle abgearbeitet

05.09.2012 | 10:06 |   (DiePresse.com)

Der St. Pöltner Diözesanbischof äußert sich nicht über bisher ausgezahlte summen an Missbrauchsopfer. Ein Ende sei abzusehen.

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Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng, der auch Vorsitzender der kirchlichen Stiftung Opferschutz ist, will sich zur Höhe der bisher ausgezahlten Entschädigungssumme an Missbrauchsopfer noch nicht äußern. "Ich möchte lieber abwarten, bis alle Fälle abgeschlossen sind", sagte er im Interview mit der Austria Presse Agentur. Mehr als zwei Drittel - 800 bis 900 von 1090 - seien aber bereits abgearbeitet.

Ein Ende sei abzusehen, es sei aber dennoch erfreulich, dass die Arbeit der von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzten Opferschutzanwaltschaft für weitere drei Jahre verlängert worden ist, so Küng. Der Bischof betonte außerdem, dass sich die Kommission bemühe, sehr rasch zu reagieren sobald eine Mitteilung vonseiten der Opferschutzanwaltschaft komme.

"Man muss Unterscheidungen machen"

Auch zu Priestern unter Missbrauchsverdacht, die laut Kritikern angeblich nach wie vor im Dienst stehen sollen, äußerte sich Küng. Er betonte, dass er und seine Amtskollegen der Sache intensiv nachgegehen würden und es ihm ein Anliegen sei, entsprechend getroffene Konsequenzen schnell umzusetzen.

Es sei aber auch wichtig, Fälle zu prüfen, festzustellen wie lange sie zurückliegen und auszumachen, ob der Betroffene bereit ist, alle Maßnahmen zu akzeptieren - auch eine Therapie. "Da muss man Unterscheidungen machen", sagte Küng und betonte weiter: "Aufgrund der sehr schmerzhaften Erfahrungen der letzten Jahre ist das Problembewusstsein viel stärker geworden. Es wird alles getan, dass so etwas nicht wieder vorkommt."

Priesterseminare werden zusammengelegt

Das in der Vergangenheit von der Kinderporno- und Sexaffäre schwer gebeutelte Priesterseminar der Diözese St. Pölten wird ab diesem Herbst jedenfalls mit Wien und Eisenstadt zusammengelegt - neuer Standort wird Wien. Als Grund für die Zusammenlegung gab Bischof Küng den Rückgang von Priesteramtsanwärtern an. Der Schritt sei bereits länger im Raum gestanden: "Die Größe der Gruppe spielt eine Rolle in der Ausbildung. Eine größere Gemeinschaft prägt, man kann sich untereinander stützen." Um die fünf Seminaristen wird St. Pölten nach Wien schicken, wo es gesamt 25 bis 30 sein werden.

In Bezug auf die Pfarrer-Initiative sagte Bischof Küng, dass "ohne Zweifel" die Erneuerung und Belebung des Glaubens in einer säkularisierten Welt der "wesentliche Punkt" sei und es Nöte der Priester gäbe, die er "gut nachvollziehen" könne. Dennoch habe er sich - gemeinsam mit den Mitgliedern der Bischofskonferenz - klar dafür ausgesprochen, dass sich die Unterstützer der Pfarrer-Initiative eindeutig zu den Bestimmungen der Weltkirche bekennen müssen.  Geschieht das nicht, stünden personelle Maßnahmen im Raum. Mit Priestern innerhalb der Diözese St. Pölten hätte er diesbezüglich Gespräche geführt, betonte der Bischof. Er glaubt, es herrsche ein "gutes Gesprächsklima".

"Bedauere Rücktritt"

Den Rücktritt eines Vorarlberger Pfarrers am Sonntag "bedauert" Küng, der selbst aus Vorarlberg stammt, sehr. Er kenne den Betroffenen persönlich, auch dessen Nöte. Dass der Geistliche das fehlende Vertrauen in die Mitarbeiter der Kirche angesprochen hatte, sei in dem Zusammenhang sehr wichtig, da man ohne Vertrauen nicht leben könne. Es sei ihm daher ein sehr großes Anliegen, die Kommunikation der Priester untereinander zu fördern und Stärke im Miteinander zu finden, betonte Küng.

 

(APA)

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