Papst Benedikt XVI. hat zum Auftakt seiner Libanon-Reise ein Ende der Waffenlieferungen an das benachbarte Bürgerkriegsland Syrien gefordert. "Ohne dies lässt sich der Krieg nicht beenden. Statt Waffen braucht das Land Kreativität und Ideen für den Frieden", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Freitag zum Beginn seiner dreitägigen Reise in die Krisenregion. Damit unterstrich der Papst seine Friedensbotschaft. Erstes Ziel seines Besuchs ist der Wallfahrtsort Harissa, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Beirut.
Die meisten Waffen der militanten Gegner von Präsident Bashar al-Assad stammen aus Beständen der syrischen Armee. Vereinzelt erhielten die Oppositionskräfte auch Schusswaffen und Panzerfäuste aus dem Ausland, finanziert von Exilsyrern und Sympathisanten in den arabischen Golfstaaten. Das syrische Regime bezieht seine Rüstungsgüter vor allem aus Russland.
Der Papst sagte bei seiner Ankunft in Beirut, er sehe sich als "Pilger des Friedens" für alle Länder im Nahen Osten. "Ich komme symbolisch als Pilger des Friedens für alle Länder in Nahost und als Freund all ihrer Bewohner, wo immer sie herkommen und was immer sie glauben." Bereits im Vorfeld hatte der Papst die bedrängten Christen in den überwiegend muslimischen Ländern des Nahen Ostens zum Bleiben aufgerufen. Denn ihr Bemühen um Dialog und Versöhnung sei wichtig für den Frieden.Bei der Begrüßungszeremonie waren auch Libanons Ministerpräsident Najib Mikati, Parlamentspräsident Nabih Berri sowie der maronitische Patriarch Bechara Boutros Rai und Diplomaten anwesend. Der Papst will sich bei seinem Besuch mit Vertretern der sunnitischen und schiitischen sowie der christlichen Gemeinden im Libanon treffen.
Bürgerkrieg und gewaltsame Proteste
Überschattet wird der Besuch nicht nur von dem Bürgerkrieg im benachbarten Syrien. In Libyen, Ägypten und anderen muslimisch geprägten Ländern brachen gewaltsame Proteste aus, als Reaktion auf ein Video aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft.
Außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen für Beirut seien nicht getroffen worden, hatte der Vatikan noch am Dienstag betont. Bei jedem päpstlichen Besuch trifft das Gastland jedoch eine Reihe striktester Vorkehrungen, um den Papst zu schützen. "Alle Sicherheitskräfte sind im Einsatz, um einen sicheren Besuch des Papstes zu garantieren", sagte Innenminister Marwan Charbel.
Kirchenoberhaupt, kein Politiker
Bemüht um den Dialog mit dem Islam, kommt Benedikt im Präsidentenpalast in Baabda mit führenden Köpfen der Muslime im Libanon zusammen. Auch ein Gespräch mit Präsident Michel Sleimane (Suleiman), einem maronitischen Christen, steht auf der Tagesordnung. Sleimane hatte den Papst am Flughafen in Empfang genommen. Eine Sonntagsmesse in Beirut ist dann der Höhepunkt der 24. Auslandsreise des Papstes.
Benedikt komme als Kirchenoberhaupt, nicht als Politiker, hatte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi bekräftigt. Offizieller Anlass ist das Schlussdokument der Nahost-Bischofssynode von vor zwei Jahren. Benedikt unterschreibt und übergibt das Papier, das Wege aus der schwierigen Lage zahlreicher Christen in der Region sucht. Da dies der Kernpunkt seiner Reise ist, richtet sich sein Besuch nicht nur an die libanesischen Gläubigen, sondern an alle in der Region.
Besuch richtet sich an alle Gläubigen in Nahost
Die Bischofssynode erarbeitet in den Papier dutzende Vorschläge zur Stärkung der katholischen Kirche im Nahen Osten. Die Bischöfe empfahlen, weltweit auf die dramatische Lage von christlichen Gemeinschaften des Nahen Ostens hinzuweisen, die "bis hin zum Martyrium" reiche. Nationale und internationale Institutionen seien aufgerufen, diese missliche Situation der Christen zu beenden.
Unter den insgesamt 44 Vorschlägen der Synode sind einige dem Dialog mit den anderen Religionen gewidmet, manche aber auch ganz praktischer Natur. So sollten wegziehende Gläubige ihre Häuser nicht an Fremde veräußern, sondern Projekte ins Leben rufen, die es wieder mehr Christen erlaubten, dort zu bleiben und ein würdiges Leben zu führen.
Etwa für die Golfstaaten regte die Synode an, eine Kommission einzusetzen, die sich mit den Problemen der Christen in überwiegend muslimischen Ländern befasst. Der Vatikan soll damit erfahren, wie er seelsorgerisch besser helfen kann, wenn Christen in Bedrängnis sind.
(APA/AFP)





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