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Papst Benedikt: "Sagt Nein zur Rache"

15.09.2012 | 18:08 |  von MARTIN GEHLEN (BEIRUT) (Die Presse)

Papst Benedikt XVI. hielt mitten im aufgewühlten Nahen Osten ein flammendes Plädoyer für Toleranz und Religionsfreiheit.

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Mit einem eindringlichen Plädoyer für Religionsfreiheit und Toleranz hat Benedikt XVI. am zweiten Tag seines Libanon-Besuches einen Kontrapunkt zu Gewalt und wachsenden religiösen Spannungen im Nahen Osten gesetzt. Nur im Frieden könne „das gute Einvernehmen zwischen den Kulturen und den Religionen, die gegenseitige Wertschätzung und die Achtung vor den Rechten jeder Seite wachsen“, sagte der Papst in seiner Rede vor der politischen und religiösen Führung des Zedernstaates.

Eine plurale Gesellschaft gebe es nicht ohne gegenseitigen Respekt, „nicht ohne den Wunsch, den anderen zu kennen, und den ständigen Dialog“. Die größte Herausforderung aber sei, „Nein zur Rache zu sagen, eigene Fehler einzugestehen, Entschuldigungen anderer anzunehmen und schließlich zu vergeben“.

Konfetti und Jubelrufe begleiteten den Papst, als er am Samstag mit dem Papamobil von der Nuntiatur im Bergdorf Harissa durch die Straßen von Beirut zum Präsidentenpalast in Baabda fuhr. Tausende Menschen, darunter viele Kinder, hatten seit den frühen Morgenstunden an den Straßenrändern ausgeharrt, um einen Blick auf das katholische Oberhaupt zu erhaschen. „Sein Besuch ist ein Segen für den Libanon“, sagte eine junge Mutter, die mit ihren beiden kleinen Söhnen gekommen war. „Er macht uns bewusst, wie wichtig Frieden für das Zusammenleben ist.“ Im Präsidentenpalast traf Benedikt XVI. mit dem christlichen Staatschef Michel Suleiman zusammen, dem sunnitischen Premier Nagib Mikati, dem schiitischen Parlamentssprecher Nabih Berri sowie zahlreichen Repräsentanten der muslimischen Gemeinschaften, darunter auch der Hisbollah.

Gewalt geächtet. Religionsfreiheit sei ein Grundrecht, von dem andere Rechte abhingen, strich der Papst in seiner Rede heraus. „Sich zu seiner Religion zu bekennen und sie frei zu leben, ohne sein Leben und seine Freiheit in Gefahr zu bringen, muss jedem möglich sein.“ Im Libanon lebten Christentum und Islam seit Jahrhunderten zusammen. Es sei nicht selten, dass beide Religionen in der gleichen Familie nebeneinander existierten. „Wenn das in einer Familie möglich ist, warum sollte das nicht auch in der gesamten Gesellschaft möglich sein?“, fragte Benedikt.

Im Blick auf den Aufruhr in der arabischen Welt fügte der Pontifex hinzu, gelebter Glaube führe stets zur Liebe, echter Glaube könne nicht zum Tod führen. Verbale und körperliche Gewalt müssten geächtet werden, sie seien immer ein Angriff auf die Würde des Menschen. „Wenn wir den Frieden wollen, müssen wir das Leben verteidigen.“ Dies gelte nicht nur für Krieg und Terroraktionen, sondern für jeden Angriff auf das Leben eines Menschen, erklärte Benedikt XVI. Der Libanon sei in dieser Situation mehr denn je dazu aufgerufen, Vorbild für den Nahen Osten zu sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2012)

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9 Kommentare
Gast: Die Marie
16.09.2012 21:04
1 2

Der Papst hat Mut - im Gegensatz zu seinen kleinkarierten Dauerkritikern, die sich hinter dem PC großartig vorkommen.

Schade, dass einige hier nur verkrampft über diesen Papst herfallen können.
Anstatt auf seine aktuelle Libanon Reise einzugehen, können einige hier nur dumme, hasserfüllte Angriffe aus der Mottenkiste anbieten.

Gast: ein Zweifelnder
16.09.2012 10:48
16 2

ich höre die Worte nur mir fehlt der Glaube


wenn dieser Papst von Grundrechten spricht, der Vatikan aber bis heute nicht die Menschenrechte anerkennt


Antworten Gast: Su Nuraxi
16.09.2012 20:27
1 4

Re: Grundkurs in Völkerrecht:

Jeder Staat akzeptiert beim Eintritt in die UNO als Vollmitglied mit diesem Eintritt automatisch die UN-Völkerrechtskonvention. Eine extra Unterschrift unter die Konvention ist dabei nicht vorgesehen. Der Vatikan (für I-Tipferlreiter: Der Heilige Stuhl) ist bei der UNO kein Vollmitglied, sondern gilt nur als "nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt", genauso wie z.B. das Rote Kreuz, und hat als solches einen "permanenten Beobachterstatus" bei der UNO. Weil aber jetzt die formelle Anerkennung der UN-Menschenrechtskonvention mit der Aufnahme als Vollmitglied in die UNO verbunden ist, fehlt auch diese "automatische" Anerkennung, und eine extra Unterschrift ist, wie gesagt, nicht vorgesehen. Sie könnten sich jetzt also auch darüber beklagen, dass das nichtstaatliche Völkerrechtssubjekt Rotes Kreuz "bis heute nicht die Menschenrechte anerkennt."

Antworten Antworten Gast: _gast_
16.09.2012 23:34
2 1

Was soll das Geschwafl? Der Vatikan erkennt die Menschenrechte nicht an und hält sich nicht daran. Außer wenn´s um die Religionsfreiheit geht. :o(


Gast: eso-policier
15.09.2012 22:10
1 5

Reform der Kirche

Die Kirche muss dringend reformiert werden. Siehe dazu
www.esopolice.wordpress.com

Gast: Eine Religion ist sowieso unnötig wie ein Kropf, JEDER soll an das glauben WAS ER/SIE SIEHT und sogar dabei sollte man die Fata Morgana nicht ausser Acht lassen!
15.09.2012 19:38
35 14

Papst Benedikt: "Sagt Nein zur Rache"???....

...ist eh klar, ihn betriffts ja nicht unmittelbar! Diese Welt braucht keine Päpste die immer nur BESCHÖNIGEN und BESÄNFTIGEN und immer ALLES GRAUSLICHE mit den "Willen Gottes" erklären.....Wir brauchen einen Papst, der realistisch und noch helle in der Birne ist!
be.es: wenn man an die Fata Morgana glaubt, dann ist es schon genug, mehr "Heilige" braucht man nicht!

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Re: Papst Benedikt: "Sagt Nein zur Rache"???....

Besänftigen -das ist doch in dieser Situation da s einzig Richtige. Hätte er noch Öl ins Feuer gießen sollen?

Antworten Gast: gringoss
15.09.2012 23:15
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Re: Papst Benedikt: "Sagt Nein zur Rache"???....

man kann über die katholische kirche und das papsttum viel schlechtes berichten.

dieser auftritt allerdings verdient anerkennung!

Antworten Antworten Gast: Gast.on
16.09.2012 18:22
6 0

Re: Re: Papst Benedikt: "Sagt Nein zur Rache"???....


- Wo war so ein Auftritt, als die Missbräuche öffentlich wurden?

- Wo ist so ein Auftritt gegenüber den Fundamentalisten (Piusbrüder, Opus Dei, Legio…) in der Kirche selbst?