18.05.2013 15:13 Merkliste 0

„Jesus sagte zu ihnen: ,Mein Weib...‘“

19.09.2012 | 18:18 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Auf einem Fragment eines Papyrus aus dem zweiten Jahrhundert findet sich die Wertschätzung des Erlösers für Maria Magdalena so offen, dass der Text „Das Evangelium von Jesu Weib“ genannt wird.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wenn es um die Frage geht, ob Jesus eine Frau und Sex hatte, dann braucht es keinen Dan Brown („Da Vinci Code“), die Geschichte selbst ist spannend genug, die jüngste beginnt 2010. Da erhielt Karen King – sie hält derzeit den ältesten theologischen Lehrstuhl der USA, den Hollis Chair of Divinity in Harvard – ein E-Mail von einem privaten Sammler, der sie bat, etwas aus dem Koptischen zu übersetzen, darauf ist King spezialisiert, sie hat viel über frühere koptische Literatur publiziert, vor allem über apokryphe Evangelien. So eines bekam sie auch bald nach dem Mail zu sehen bzw. ein Fragment davon – acht mal vier Zentimeter –, das beidseitig beschriftet ist bzw. war, auf einer Seite ist der Text fast völlig verblichen. Auf der anderen sind acht Zeilen zumindest partiell erhalten.

(c) AP

vergrößern

„Ein Beweis für eine mögliche Ehe“

Über den Besitzer weiß man nichts, er will anonym bleiben, immerhin lässt sich zurückverfolgen, dass der Papyrus 1982 im Besitz eines Ägyptologen der Freien Universität Berlin war, er hieß Fecht, und er erzählte einem Kollegen etwas, der notierte: „Professor Fecht glaubt, dass der kleine Papyrus das einzige Beispiel für einen Text ist, in dem Jesus die direkte Rede in Bezug auf eine Ehefrau benutzt. Fecht meint, dass dies ein Beweis für eine mögliche Ehe sein könnte.“ Denn die vierte Zeile lautet: „Jesus sprach zu ihnen: ,Mein Weib...‘“ So steht es da in sahidischem Koptisch, das einst in Südägypten gesprochen wurde, die Handschrift ist ungelenk, deutet aber von der Linienführung auf das vierte Jahrhundert. Und die Erzählweise deutet – im Vergleich mit anderen Apokryphen – auf das zweite Jahrhundert, offenbar wurde der Text damals aus dem Griechischen übersetzt und später kopiert.

Allem Anschein nach ist er echt, darauf deutet das Verbleichen, darauf deutet auch, dass der Text so lange nicht publik wurde. Wer ihn verfasst hat, ist unbekannt, King nennt ihn nach dem Inhalt: „Das Evangelium von Jesu Weib“. Und sie interpretiert mit Vorsicht: „Das ist der einzige erhaltene antike Text, in dem Jesus ausdrücklich im Zusammenhang mit einer Frau porträtiert wird. Er bietet keinen Beweis dafür, dass der historische Jesus verheiratet war“ – der Text stammt schließlich aus dem zweiten Jahrhundert –, „aber er zeigt, dass es innerhalb der Christen früh zu Auseinandersetzungen über Sexualität, Ehe und Jüngerschaft gekommen ist.“

Im Korpus der offiziellen Evangelien ist von all dem erstaunlich wenig die Rede. Allerdings taucht an zentralen Stellen immer wieder die Frau auf, um die sich später der Streit kristallisierte, Maria Magdalena, sie war bei der Kreuzigung und beim Begräbnis dabei, sie sah als Erste den Auferstandenen, sie war auch bis ins vierte Jahrhundert hoch geachtet, erst dann brachte Papst Gregor sie als Prostituierte in Verruf. Nur einer war von Beginn gegen sie, Petrus. „Maria soll uns verlassen, denn Frauen sind des Lebens nicht würdig“, fordert er im Thomas-Evangelium. Die direkte Antwort könnte in der dritten Zeile des jetzigen Fundes stehen: „Maria ist dessen würdig“, sprach der Herr, in der fünften Zeile wird er noch deutlicher: „Sie wird fähig sein, meine Jüngerin zu sein.“ (Die sechste Zeile ist vielleicht eine Zurechtweisung des Petrus: „Lasst böse Menschen sich aufblähen.“)

 

Maria Magdalena auf den Mund geküsst

Bei Petrus mag es schlicht um Konkurrenz und Eifersucht gehen, aber bei Maria Magdalena geht es natürlich auch um Sex, sie ist es, die Jesus „Mein Weib“ nennt. Das ist nicht ganz neu, auch zwei andere Apokryphen formulieren offen: Im „Evangelium der Maria“ heißt es, dass der Erlöser Maria Magdalena mehr liebte als „andere Frauen“ und auch mehr „als uns“ (die männlichen Jünger), und im „Evangelium des Philip“ küsste der Erlöser Maria Magdalena „viele Male auf den Mund“. Aber um Philip scharten sich Christen, die es mit der Ehe und der Sexualität hielten, offenbar taten das auch die Verfasser des nun publizierten Papyrus (Harvard Theological Review, 106, S.1).

Das taten nicht alle, die Gegenfraktion war stark, das begann im ersten Jahrhundert – bei Lukas (20, 35) und Markus (12, 25) werden sie zur Erlösung Auserwählten „weder freien noch sich freien lassen“ – und steigerte sich bis zu Clemens von Alexandria (etwa 150–215), der von Christen berichtete, die die Ehe für ein Werk des Teufels hielten und „stolz sagen, dass sie den Herrn nachahmen, der weder verheiratet war noch Besitz hatte“. So weit ging Clemens selbst nicht, aber er brachte früh die christliche Sexualmoral auf einen Stand, der lange hielt: Sexualität habe allein der Reproduktion zu dienen und gefühlsfrei praktiziert zu werden: „Wir sind Kinder des Willens, nicht des Verlangens.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

97 Kommentare
 
12 3
Gast: oki
21.09.2012 17:07
0 5

Und ich dachte immer er war schwul?


Gast: Maximilian Huber
21.09.2012 11:10
2 0

Wo liegt das Problem ?

Es kommt auf die Aussagen der Frohen Botschaft an und nicht darauf, ob Jesus verheiratet war.
Bisher ist alles - wie so viel in der Forschung des "wahren" Jesus - nur SPEKULATION.
Wenn es sich zweifelsfrei herausstellen sollte, dass Jesus verheiratet war, macht ihn das nur noch menschlicher, liebenswerter.

und: wieso soll jemand ein besserer Mensch sein, weil er Sex nicht hat ...

... oder gar Anderen verbietet?
... oder Sex ritualisiert und an Trauscheine und Bedingungen knuepft?

genau: wieso Problem? wieso Sensation?

ausser den RitualisiererInnen unter den Katholen kann das doch niemand ernsthaft irritieren?

1. ist ein damaliges "mein Weib" wohl eher als Anspruch denn auf Grundlage einer Heiratsurkunde zu verstehen

2. gehts wen was an ???

3. vor welchem Standesbeamten / Priester (Pharisaeer?) haette denn Jesus eine eventuelle Ehe schliessen sollen? (nach roemischem Recht? :)

4. haben die VerfechterInnen des 8.Gebots ("du sollst nicht luegen") so viel gelogen, dass Suche nach Wahrheit in diesem Umfeld ohnehin nichts bringt

(sogar das Sonntagsgebot entstand erst mit wachsendem Antisemitismus: Jesus und Tausende nach ihm hatten den Sabbat (!) als Ruhetag, wie ihre Zeitgenossen; als die Waldenser darauf aufmerksam machten, wurden sie verfolgt und noch heute wird das totgeschwiegen) ...

es gibt beweise

dafür, dass vieles, was heute als "christlich" gilt, wie zb Weihnachten, aus anderen Kulturen/Naturreligionen übernommen wurde.. nur so zur Info. kann man googeln ;)

außerdem, Frage an alle, wieso wäre es denn so schlimm gewesen wenn Jesus eine Frau gehabt haben sollte? er, der Nächsten- und Menschenliebe predigte, soll das nicht selbst auch "privat" gelebt haben? wieso nicht? wieso sollte er zölibatär gelebt haben, welchen Sinn hätte das für ihn gehabt? steht das irgendwo in der Bibel?

und noch eins: dass über die Geschichte und Zeit hinweg die Inhalte der Bibel verfälscht und angepasst wurden, is ja wohl jedem klar, besonders im Mittelalter... nirgendwo steht in der Bibel dass man sich durch Geld-Zahlungen von Sünden freikaufen kann, wurde aber so gemacht im Mittelalter.. also meines Erachtens ist der Inhalt der Bibel mit "Vorsicht" zu genießen.. und wieso sollte Jesus, der Menschenfreund, die Befriedigung eines menschlichen Grundbedürfnisses (Sex) verbieten wollen?

"kann man googeln"

Ähm... kann man vielleicht. Aber wer etwas behauptet, muss es auch belegen.

Bringschlud und so.

Ich behaupte ja auch nicht, dass am Mars grüne Männchen herumtanzen und dann gilt das so lange, bis mir jemand das Gegenteill beweist.

Re: es gibt beweise

Grundsätzlicz wurden Lügen im christlichen Glauben angesetzt um daraus Profit zu machen wie zB im Mittelalter wo dus richtig gsagt hast, und deshalb so erfolgreichbweil die Menschen nicht lesen konnten. Mit Vorsicht zu genießen sollte man wohl alles im Leben, es ist ja auch eine Sache wie man sich selbst etwas aus der Bibel interpretiert und da gabs auch die krassesten Fälle wo Menschen irgendwas erfunden haben,...
aber nichts desto trotz halte ich die Bibel jetzt nicht für ein Buch so auf die Art "oh man pass auf" - also gefährlich find ich sie nicht.
Und zum Thema SEX. Kannst du mir sagen wo in der Bibel steht dass du ja keinen Sex vor der Ehe haben sollst, steht dort iwo ein MUSS? Nein, es steht dort ein SOLL. Und deshalb steht in der Bibel auch dass wir Menschen frei sind alles zu tun, aber nicht alles gut für die Beziehung zw Dir und Gott ist. und jeder hat das recht selbst zu entscheiden, was er macht.
Der Papst hat zbsp die Kondome als suende erklärt,was nicht in der Bibel steht

War Jesus von Nazareth verheiratet?

Während meines Studiums in den "theologischen Kursen" der Erzdiözeses Wien 1999-2001 stellte ich meinem Professor für katholische Dogmatik Weismayr, ordentlicher Professor an der römisch-katholischen Fakultät der Universität diese Frage. Seine Antwort war, daß die "Kirche" diese Frage nicht beantwortet habe. Es bestehe diesbzüglich kein verbindlicher Glaubenssatz.

Gast: Kibietz
20.09.2012 14:32
0 2

Hääääääääääh? War doch eh alles im Darwintschi Coat zu sehen!!!

Und sowas soll neu sein.

Gast: ddv
20.09.2012 12:58
6 1

Was wäre so abwegig daran, wenn Jesus, falls es ihn gab, eine Frau gehabt hätte?


Gast: Eggnogg
20.09.2012 12:42
1 2

"fordert er im Thomas-Evangelium. Die direkte Antwort könnte in der dritten Zeile des jetzigen Fundes stehen""

Mit anderen Worten, das ist vermutlich innergnostisches Symbolgebrabbel, das mit dem Christentum nichts weiter zu tun hat.

Gast: Meiner Seel', nicht schon wieder dieser Quatsch!
20.09.2012 11:54
5 7

Es sind ja wahrhaft großartige Wissenschaftler,

die die überwältigende historische Evidenz der Evangelien, der richtigen nämlich, nota bene, übersehen, deren hohes Alter und deren hervorragende archäologische Bezeugung ignorieren, sich aber mit Gewalt an ein obskures Papyrusfragment klammern...

Und das "Thomasevangelium", dieser alte Schmarrn, darf in dieser Suada natürlich auch nicht fehlen!
Jeder, der des Lesens mächtig ist, wird feststellen können, daß dieses - sehr späte - Geschreibsel in einem unüberbrückbaren Widerspruch zu den kanonischen Evangelien - immerhin von Augenzeugen geschrieben, nicht ganz unwichtig, oder? - steht. Was Petrus laut "Thomasevangelium" gesagt haben soll, ist vollkommen idiotisch.

Aber angesichts des völligen religiösen Analphabetismus kann man den Leuten heute alles mögliche andrehen.
Das nennt sich übrigens "Aufklärung".

Re: Es sind ja wahrhaft großartige Wissenschaftler,

Es gibt keinen einzigen Zeitgenossen Jesu, der über ihn berichtet hat. Alle Berichte stammen aus 2. Hand, die frühesten Jahrzehnte nach seinem Tod.

Nachdem das Christentum Staatsreligion wurde, wurden Schulen geschlossen, Bibliotheken zerstört, was binnen Jahrzehnten dazu führte, dass die Masse der Menschen Analphabeten wurden, nachdem zur Zeit der Römer mehr als 60% der Menschen Lesen und Schreiben konnten.
Die einzigen, die Lese- und Schreibkundig waren, waren die Pfaffen, die das natürlich zu ihrem Vorteil nutzen.

Siehe "Schatten über Europa" von Rolf Bergmeier.

Antworten Antworten Gast: Meiner Seel', nicht schon wieder dieser Quatsch!
20.09.2012 14:02
5 3

Re: Re: Es sind ja wahrhaft großartige Wissenschaftler,

Unsinn!
Die Evangelien sind von Zeitgenossen Jesu verfaßt worden. Das weiß man heute wieder sehr genau.
Auch nicht-christliche Quellen schreiben sehr zeitnahe.

Was Sie und dieser wichtige Herr Bergmeierüber das "Christentum" als "Staatsreligion" schreiben, ist die Druckerschwärze nicht wer: Welche Schulen sollen denn "geschlossen" worden sein??? Welche Bibliotheken zerstört??? Die Kirche selbst hat sich während des Chaos der Völkerwanderung als einziger Kulturfaktor erwiesen.

Bis heute übrigens. Wenn es auch seit dem Konzil etwas bröckelt.

Quellen bitte

"Das weiß man heute wieder sehr genau."

Wer weiß das und warum?

Ach ja, noch was: http://en.wikipedia.org/wiki/Hypatia

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Meiner Seel', nicht schon wieder dieser Quatsch!
20.09.2012 15:27
1 4

Re: Quellen bitte

Am Erscheinungsort der "Presse" gibt es eine Universität, an der ein Professor namens Karl Jaros lehrt. Dessen bahnbrechendes Buch "Das Neue Testament und seine Autoren" (UTB, 2008) widerlegt alle Spätdatierungen der neutestamentlichen Schriften in Grund und Boden.

Das ist aber nur einer von vielen (siehe sonst: C. S. Lewis, Hans-Joachim Schulz, Klaus Berger, J. A. T. Robinson u. s. w.).

Der beste Zeuge ist immer die lückenlose Tradition von den Anfängen an: So hat es NIE irgendeinen Anhaltspunkt für eine Ehefrau Jesu gegeben. Ein absurder Gedanke. Der Zölibat hat ja seine Begründung ausschließlich in der Ehelosigkeit Jesu. Sonst wäre er ja sinnlos.

Wer - wie einige im Forum - überhaupt die Historizität Jesu bezweifeln, stellt sich außerhalb jeder Diskussionswürdigkeit.

Im letzten Abschnitt der Artikels

wird Bezug genommen auf die Frühgeschichte
der Theologie und dann wriksamen Moral.

In den 90ern gab es einen Bestseller, der diese
Geschichte der Sexualmoral recht gut aufzeigte
und damit offenlegte. Anscheinend immer noch
so relevant das Buch wie bei dessen Erscheinen:

Uta Ranke Heinemann: Eunuchen für das
Himmelreich.
(Gibt es bei Amazon recht preiswert.)
Mittlerweile wird viel dieser Sexualmoral
von der Kirche abgestritten, etwa die
Leibfeindschaft, die früher mal unendlich
heilig war.
Eine andere Unart dieser Theologen kommt
dabei ebenfalls zu Tage: deren üblen Lauen
und Manieren, die intellektuelle Unredlichkeit,
der Ausfälle und Auslassungen.

Antworten Gast: Eggnogg
20.09.2012 18:33
0 0

Re: Im letzten Abschnitt der Artikels

Ranke-Heinemann erlebt man am Besten live.

Gast: geh anders
20.09.2012 11:18
0 2

!

obwohl mir die christen ganz schön auf den nerv gehen können. am pc. jeder hat das recht NICHTCHRISTLICH zu sein und sich den schwafel, wenn er es so sieht, vom leib zu halten.

Gast: geh anders
20.09.2012 11:09
0 3

so ein müll ihre pax romana

samt erhabenheit. und solche prinzessin kate fotos, eine frechheit für den leser! verderben sie leute, die gott nicht nötig haben. wer wäre das überhaupt?

Gast: geh anders
20.09.2012 11:07
1 1

!

sagen sie gleich, die pfarrer der kath. kirche sind ihnen "ein problem"

Re: !

bin volljährig+kinderlos...kein problem!

Gast: geh anders
20.09.2012 11:07
1 2

!

wieder mal die wissenschaft, die einen blendet

Gast: geh anders
20.09.2012 11:06
0 5

!

mein weib! weibi sagen viele zu frauen, die nicht ihre sind. frau geh anders- frau huber, meine liebe frau sollenau

Wurde nicht unsere ganze Bibel

irgendwie "zusammengestoppelt"??

Re: Wurde nicht unsere ganze Bibel

Korrekt!

Die Religionen spielten damals quasi die Rolle von politischen Parteien
und die jeweiligen kirchlichen Machthaber haben natürlich auch ihr religiöses Parteiprogramm in ihrem Sinne zusammengestoppelt,

wie z.B. später auch Lenin,Stalin und Mao im Kommunismus.

Nicht zufällig wurden deshalb
die Thesen von Mao

als "Mao-Bibel" bezeichnet.

Bestimmte Evangelien,die nicht der amtlichen Lehrmeinung entsprachen,wurden eben verbrannt und sind zufällig nur mehr in Relikten erhalten.

Das arianische Christentum,mit einer anderen Interpretation von der Persönlichkeit Jesu, wurde in diesem Zusammenhang auch total vernichtet.

 
12 3