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"Vatileaks": Ex-Kammerdiener drohen vier Jahre Haft

27.09.2012 | 18:56 |   (DiePresse.com)

Am Samstag beginnt im Vatikan der Prozess gegen einen ehemaligen Kammerdiener des Papstes. Er soll vertrauliche Dokumente entwendet haben, von denen einige in die Medien gelangten.

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In der "Vatileaks"-Affäre drohen dem früheren Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, bis zu vier Jahre Haft. Dies teilte der Staatsanwalt beim vatikanischen Berufungsgericht, Giovanni Giacobbe, am Donnerstag mit. Am Samstag beginnt vor dem Vatikan-Gericht der Prozess gegen Gabriele, dem schwerer Diebstahl vorgeworfen wird. Angehörigen zufolge ist der Angeklagte Vertrauten zufolge "sehr bedrückt".

Es handelt sich um einen der spektakulärsten Prozesse in der ganzen Geschichte des Vatikans. Bisher war noch nie ein enger Mitarbeiter des Papstes mit derart gravierenden Vorwürfen konfrontiert worden. Vom Tatbestand her weicht der Prozess nicht von anderen Verfahren am vatikanischen Gericht ab, das sich hauptsächlich mit Taschendieben auf dem Petersplatz beschäftigen muss.

Papst könnte sich Begnadigung einsetzen

Gabriele drohen sechs Monate bis drei Jahre Haft wegen schweren Diebstahls, berichtete Staatsanwalt Giacobbe. Sollte das Gericht erschwerende Umstände berücksichtigen, könnte die Strafe auf vier Jahre Haft steigen. Gabrieles Geständnis genüge allein aber nicht für eine Verurteilung. Giacobbe betonte, dass Papst Benedikt XVI. das Gerichtsverfahren nicht beeinflussen könne. Er könne sich jedoch für die Begnadigung Gabrieles einsetzen, sollte dieser verurteilt werden. Mit Gabriele muss sich ein zweiter Angestellter, Claudio Scopelliti, verantworten, der als Informatiker für das Staatssekretariat des Vatikans gearbeitet hat. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen.

Der Prozess wird von einem dreiköpfigen Richtersenat geführt. Neben dem Präsidenten des vatikanischen Gerichts, Giuseppe Dalla Torre, werden die Richter Paolo Papanti Pelletier und Venerando Marano Platz nehmen. Die Anklage vertritt der vatikanische Staatsanwalt Nicola Picardi, der die Ermittlungen geführt hat. Der Bericht der Kardinalskommission, die die Ermittlungen um die veruntreuten Dokumente des Papstes führte, wird nicht zu den Prozessakten zählen, berichtete Giacobbe.

Namen der Zeugen noch geheim

Laut Giacobbe könnte der Prozess mehrere Wochen dauern. Es müssten nämlich mehrere Zeugen einvernommen werden, deren Namen nicht bekanntgegeben wurden. Gerüchten zufolge könnte der Prozess während der am 6. Oktober geplanten Bischofssynode in Rom enden. Wenn nicht, wird er während der Zeit der Synode ausgesetzt und später weitergeführt.

Gabriele war im Mai festgenommen worden und verbrachte 53 Tage in Untersuchungshaft. Danach wurde er unter Hausarrest gestellt. Ihm wird vorgeworfen, vertrauliche Dokumente vom päpstlichen Schreibtisch entwendet zu haben, von denen einige brisante in die Medien gelangten. Darunter waren Unterlagen zu einem angeblichen Mordkomplott gegen den Papst und zu umstrittenen Geschäften der Vatikan-Bank IOR. Im Zuge der Ermittlungen wurden bei Gabriele nicht nur Dokumente sichergestellt. Auch ein auf Benedikt ausgestellter Scheck über 100.000 Euro, sowie weitere an den Papst gerichtete Geschenke wurden in der Wohnung des Kammerdieners gefunden.

Angeklagter "psychisch sehr bedrückt"

Familienangehörige und Freunde sorgen sich unterdessen um den psychischen Zustand Gabrieles. "Paolo ist psychisch sehr bedrückt. Unmittelbar vor dem Prozess begreift er immer mehr, dass seine Tat seine ganze Familie belastet. Sie zahlt einen hohen Preis für Gabrieles Handeln", zitierte die italienische Nachrichtenagentur ANSA einige mit dem Ex-Kammerdiener vertraute Personen. Gabriele sorge sich vor allem um seine drei Kinder. Angesichts des Medienrummels hoffe die Familie auf einen schnellen Prozess und eine Begnadigung durch den Papst, berichtete ein Freund Gabrieles.

(APA)

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8 Kommentare
Gast: smilodon
29.09.2012 15:05
0 0

Ah, da wird ja wieder fest zensuriert!


Gast: Eggnogg
28.09.2012 14:02
3 0

"Giacobbe betonte, dass Papst Benedikt XVI. das Gerichtsverfahren nicht beeinflussen könne. "

Das ist ja ein richtiger Komiker. Wenn jemand mit einem Federstrich das Verfahren niederschlagen oder ueberhaupt gleich das ganze Gericht aufloesen kann, wuerde ich das schon "Einflussmoeglichkeit" nennen.

Gast: Stato della Città del Vaticano
28.09.2012 07:42
0 0

Richtigstellung:

"Es handelt sich um einen der spektakulärsten Prozesse in der ganzen Geschichte des Vatikans"

"Er könne sich jedoch für die Begnadigung Gabrieles einsetzen"

1. Gab es in der Geschichte des Vatikans (seit 1929) spektakulärere Prozesse.

2. Kann der Papst als Letztinstanz jedes Urteil im Vatikanstaat aufheben oder die Begnadigung aussprechen.

Gast: Stato della Città del Vaticano
28.09.2012 07:42
0 0

Richtigstellung:

"Es handelt sich um einen der spektakulärsten Prozesse in der ganzen Geschichte des Vatikans"

"Er könne sich jedoch für die Begnadigung Gabrieles einsetzen"

1. Gab es in der Geschichte des Vatikans (seit 1929) spektakulärere Prozesse.

2. Kann der Papst als Letztinstanz jedes Urteil im Vatikanstaat aufheben oder die Begnadigung aussprechen.

In welcher Kammer diente er denn, der Kammerdiener?

In der strengen?

Gast: Gast AO
27.09.2012 22:40
5 0

@ Ex-Kammerdiener drohen vier Jahre Haft



Und was ist mit den Hintermännern?



Re: @ Ex-Kammerdiener drohen vier Jahre Haft

Jetzt hören Sie doch auf mit Ihren Anspielungen, nur weil es sich um die Kirche handelt! Kammerdiener, Hintermänner. Ich bitte Sie!

Antworten Antworten Gast: Harald K., 1040 Wien
29.09.2012 09:50
2 0

Re: Re: @ Ex-Kammerdiener drohen vier Jahre Haft

Hintermänner? Im vatikanischen Intrigantenstadl? Ich bitte Sie ;o)