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Der Kammerdiener des Papstes legt ein Geständnis ab

02.10.2012 | 18:17 |  Von unserem Korrespondenten PAUL KREINER (VATIKANSTADT) (Die Presse)

Der ehemalige Butler von Papst Benedikt XVI., Paolo Gabriele, stellte sich am Dienstag im Prozess um den Diebstahl päpstlicher Dokumente anders als früher als reiner Einzeltäter dar.

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In dem spartanisch eingerichteten Gerichtssaal des Vatikanstaates in Rom hat der Strafprozess um die geklauten und später in Buchform veröffentlichten päpstlichen Dokumente am Dienstag seinen Höhepunkt erreicht.

Am zweiten Verhandlungstag sagten die beiden Hauptpersonen des Prozesses aus: der Beschuldigte Paolo Gabriele (46), Vater dreier Kinder, suspendierter, im Hausarrest befindlicher Kammerdiener Seiner Heiligkeit des Papstes, sowie – als Hauptzeuge – Georg Gänswein (56), Priester, Privatsekretär des Papstes und erfolgreicher Hobbydetektiv: Der Geistliche aus Baden-Württemberg hatte als Erster Verdacht gegen den italienischen Butler des bayerischen Kirchenoberhaupts geschöpft. Und während Gabriele dreimal ehrerbietig aufstand, als Gänswein den Gerichtssaal betrat und ihn wieder verließ, wurde er selbst von dem Monsignore nur eines einzigen, ernsten Blickes gewürdigt.

 

„Keine 20 diebischen Raben“

Der in der Sache vollauf geständige Gabriele blieb an diesem Tag auch sonst allein – oder er stellte es jedenfalls so dar. Anders als bei den Verhören zuvor und anders, als es der Autor des Skandalbuchs, Gianluigi Nuzzi, schreibt, bestritt Gabriele vor Gericht, dass es gleich „zwanzig diebische Raben“ gegeben habe. Vielmehr habe er „absolut keine Komplizen“ gehabt, sagt er jetzt. Die vertraulichen Dokumente Benedikts XVI. habe er „zunächst ohne bestimmte Absicht“ entwendet und fotokopiert – einfach nur, weil er von wirtschaftlich-personellen Missständen im Vatikan gehört habe, weil er sich „aus erster Hand darüber“ habe informieren wollen – und „weil die Situation weithin unerträglich geworden war, nicht nur für mich, auch für andere“.

 

Alte Seilschaften im Kirchenzentrum

Demnach habe er mit seinen Aktionen 2010/11 begonnen, als der Vizegouverneur der Vatikanstadt, Erzbischof Carlo Maria Viganò, den Papst über diverse teure, tendenziell betrügerische Machenschaften in der Verwaltung informiert habe und darüber, dass ihn „alte Seilschaften“ bei seinen Ermittlungen blockiert hätten. Der unbequeme Viganò wurde darauf an die Nuntiatur in Washington weggelobt. Seine Anklagen gelangten in die Presse, worauf der „VatiLeaks“ genannte Skandal seinen Anfang nahm.

Die Spekulationen, Gabriele sei aus dem persönlichen Umfeld Benedikts zu seinen Aktionen angestiftet worden, womöglich aus Eifersucht und Intrige, kursieren trotz aller Dementis weiter. Vor Gericht bestätigte Gabriele am Dienstag zwar, als Vertrauensperson Benedikts XVI., als „der Laie, der dem Papst am nächsten stand“, habe er viele „Kontakte, Gespräche und Hilfsersuchen“ gehabt; niemand aber habe ihn zu etwas angestiftet. Er konnte es sich offenbar leisten, den Kopierer im Büro der zwei päpstlichen Privatsekretäre auch tagsüber nach Belieben zu nutzen. Gänswein sagte, jahrelang habe Benedikts Butler zu keinerlei Verdacht Anlass gegeben. Er selbst, der sich den drei Richtern als „genaue, ja sehr genaue Person“ vorstellte, habe auch nie den Verlust von Originalpapieren bemerkt – obwohl solche bei der Durchsuchung von Gabrieles Wohnung durchaus gefunden worden waren.

 

Begnadigt der Papst?

Heute, Mittwoch, geht der Prozess weiter; schon am Samstag soll nach Schätzungen des vorsitzenden Richters, Giuseppe Dalla Torre, das Urteil verkündet werden. Bis zu vier Jahre Haft erwarten Gabriele. Im Vatikan aber rechnet man damit, dass der Heilige Vater seinen gefallenen Kammerdiener anschließend begnadigen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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7 Kommentare
Gast: ROTFRONT
03.10.2012 08:48
1 0

Typisch Italiener! Sofort umgefallen, bevor er noch aufgestanden ist!

Der MARTINZ ist da ein anderes Kaliber!
Der ist standhaft!
Wird mal ein Ehrensprecher auf dem Ulrichsberg.
Wenn er in 5 jahren wieder rauskommt.

Höhöhöhöhöhö!

Gast: SchlechteVorbilder1
02.10.2012 21:23
3 1

In der New York Times wurde berichtet

dass er - man kann es eigentlich nicht anders bezeichnen - im Gefängnis des Vatikans einer unmenschlichen Tortur anheimfiel. Böse Zungen würden es als leichte Folter bezeichen. Auch hier leider ein grosser Unterschied zwischen dem Anspruch der Kirchenleitung und wie sie in Praxis mit den Menschen umgeht. Was eigentlich sagt ein Papst, ein Kardinal, ein Bischof dazu ? Gestern abend in der Margaretenstrasse 78 in Wien: der päpstliche Nuntius mit Kennzeichen WD-1 fährt vor. Parkt auf dem Gehsteig. Ein dicker AUDI A8. Ja, das passt ins Bild einer Kirche die über die Caritas ausrichten lässt, dass ein Monatslohn von 1300 Euro zu viel des Guten ist. Es wird Zeit dass sich die Kirchenoberen endlich am Riemen reissen und so leben wie sie es dem Kirchenvolk in den sonntäglichen Messen verkünden!

Gast: Harald K., 1040 Wien
02.10.2012 20:37
1 0

eines muß man Paolo Gabriele lassen,

er hat aus edlen Motiven gehandelt!

Gast: gast11
02.10.2012 18:09
3 0

typisch leaks

viel wirbel um das ausplaudern der geheimnisse und kein wort über den inhalt.

das wesentliche wird verschwiegen und das volk erkennt die täuschung nicht...

verdienen wir den wirklich nichts besseres?


Gast: amen
02.10.2012 16:15
1 1

Interessant...

... im Vatikan gibt es ein Gericht und ein Gefängnis?

Antworten Gast: UKW
02.10.2012 20:31
1 1

Re: Interessant...

Ja, das jüngste Gericht ist im 10 Stockwerk. Im Erdgeschoss sind alle Leute gefangen in ihren Jobs.