Wien/G.b. Kardinal Christoph Schönborn ist am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen Hirtenbriefes, den die österreichische Bischofskonferenz anlässlich des „Jahrs des Glaubens“ verfasst hat, auch ausführlich auf den Konflikt mit der Pfarrer-Initiative eingegangen: Er wies auf eine „Pattsituation“ in der katholischen Kirche hin, in der sich nur mehr Beschuldigungen gegenseitig aufschaukelten.
Um daraus herauszufinden, müsse man einmal einen Schritt zurücktreten („step back“) und sich dann die Probleme ansehen. „Nur so kann man gemeinsam aus Sackgassen herausfinden“, meinte Schönborn in Richtung Initiative. Der Kardinal sieht „das Jahr des Glaubens“, das kommende Woche beginnt, als eine große Chance dafür, sich mit der Reformbewegung zu einigen.
Schönborn räumte ein, dass es eine Reihe von Problemen gebe. „Wir wollen nicht verschweigen, was vielfach gesagt wird: dass es eine weit verbreitete Unzufriedenheit mit der Situation der Kirche und besonders mit der Kirchenleitung, also mit uns Bischöfen und mit Rom, gibt“, so der Kardinal.
Schönborn, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, ging auch auf Vorwürfe ein, die Kirche sei nicht reformbereit und nicht dialogwillig: Man sei weiter im Dialog mit Vertretern der Initiative. „Wir sind im Gespräch, wir haben funktionierende Gremien.“ Als Beispiel nannte Schönborn, dass heute, Donnerstag, der Priesterrat der Erzdiözese zusammentrifft und diesem auch Mitglieder der Pfarrer-Initiative wie deren Sprecher Helmut Schüller angehören würden.
Schönborn betonte weiter, dass man die gemeinsame Sorge um die Zukunft der Kirche teile, es aber noch große Unterschiede bei den Lösungsansätzen gebe. In einem Punkt zeigte sich der Kardinal erneut unnachgiebig. „Ein Aufruf zum Ungehorsam kann so nicht stehen bleiben.“
Konzil als Richtschnur
In dem Hirtenbrief wird erneut der Abschaffung des Zölibates und der Priesterweihe für Frauen eine Absage erteilt. Besonders wichtig ist für Schönborn der Bezug auf das Zweite Vatikanische Konzil. „Das war ein epochales Ereignis: Wir schauen auf das Konzil, was sagt es zu Laien, was zur Ehe.“ Die Gefahr einer Kirchenspaltung sehen die Bischöfe aber nicht. Andererseits glaubt der Kardinal auch nicht, dass jemals alle kircheninternen Konflikte gelöst werden können. „Eine problemfreie Kirche werden wir nie haben – Gott sei Dank, wir sind noch nicht im Paradies.“
Schönborn sprach auch einige große Probleme in der Kirche an: Es gebe große Sorgen wegen des fehlenden Priesternachwuchses. „Andererseits gibt es Orte, wo geistliche Berufe blühen. Warum?“ Als dramatisch sieht er auch den Aspekt des Gläubigenschwundes an. Die Antwort darauf sei, dass die Kirche missionarischer werden müsse. Wichtig sei auch die Stärkung der Eucharistiefeier.
Wenig Freude über das Hirtenwort der Bischöfe herrscht bei der Pfarrer-Initiative. „Es ist erstaunlich, dass Reformerwartungen und Glaube gegeneinander ausgespielt werden“, kritisierte deren Sprecher Helmut Schüller gegenüber der APA. „Geht es nach dem Hirtenwort, kommt eine Erneuerung der römisch-katholischen Kirche nur aus dem Glauben. Das möchte ich zurückweisen“, meint Schüller.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2012)
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