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Papst-Kammerdiener hortete über tausend Dokumente

04.10.2012 | 12:06 |   (DiePresse.com)

Der nun angeklagte ehemalige Kammerdiener des Papstes soll bereits vor sechs Jahren damit begonnen haben, Schriftstücke zu sammeln.

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Der wegen Diebstahls vor Gericht stehende ehemalige päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele mehr als tausend Dokumente des Kirchenoberhauptes gehortet. In der Wohnung des Butlers wurden auch einige streng geheime Unterlagen entdeckt, die der Papst selbst zur Vernichtung gekennzeichnet hatte. Das berichtete Stefano De Santis, einer der vier Gendarmen, die am Tag der Festnahme Gabrieles im Mai die Wohnung des Kammerdieners durchsucht hatten.

Die Kopien und Originale hätten 82 Kisten gefüllt, sagten Beamte der Vatikan-Polizei am Mittwoch im Verfahren um die sogenannte "Vatileaks"-Affäre aus. Die Gendarmen gehen davon aus, dass Gabriele schon kurz nach Aufnahme seiner Tätigkeit als päpstlicher Kammerdiener 2006 begonnen habe, Dossiers aus der Wohnung des Papstes zu entwenden, schrieb die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Donnerstag. Vor Gericht hatte Paolo Gabriele behauptet, dass er 2010 mit der Entwendung der vertraulicher Dokumente begonnen hatte.

Dokumente zu "absoluter Intimsphäre"

Gabrieles Archiv sei beeindruckend, berichteten die Gendarmen. Aus den Dokumenten geht hervor, dass sich der Butler für Geheimdienste, Freimaurerlogen, Esoterik, sowie für die Skandale rund um die Vatikanbank IOR und um Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi interessierte. Nachtsüber surfte er im Internet und druckte sich alle möglichen Texte über Buddhismus, Yoga und Christentum aus.

Kodierte Schreiben, wie sie innerhalb der vatikanischen Diplomatie ausgetauscht werden, wurden demnach ebenfalls gefunden. Dutzende Dokumente hätten "die absolute Intimsphäre und das Familienleben des Heiligen Vaters" betroffen, sagte ein Polizist. Neben den Dokumenten beschlagnahmte die Polizei auch Festplatten, Speicherkarten, Laptops und ein iPad. Diese würden noch immer untersucht.

Urteil am Samstag

Gabriele wird in dem Prozess schwerer Diebstahl vorgeworfen. Er soll über Monate hinweg vertrauliche Dokumente kopiert und dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi zugespielt zu haben. Die Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung, die jeweiligen Erwiderungen darauf und ein Schlusswort des Angeklagten sind für Samstag vorgesehen. Noch am Samstag sollen sich die drei Richter zurückziehen und später das Urteil verkünden.

Dem Ex-Kammerdiener drohen bis zu vier Jahre Haft. Allerdings rechnen Beobachter damit, er könne begnadigt werden. Gabriele gibt zwar zu, vertrauliche Dokumente gestohlen zu haben, hält sich aber nicht für schuldig. Nach eigener Darstellung glaubte er, der Papst werde im Vatikan manipuliert, da er nicht gut über Vorgänge in der Kirche informiert gewesen sei. Bereits während der Ermittlungen hatte der verheiratete Vater dreier Kinder gesagt, er habe "das Böse und Korruption" im Vatikan bekämpfen wollen.

(APA)

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2 Kommentare
Gast: Papst hat die Vatikanmaschinerie offensichtlich nicht im Griff
04.10.2012 20:00
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Ausgestattet mit diesem brisanten Unterlagenfundus wären die Memoiren des päpstlichen Kammerdieners ein die letzten Schäfchen ziemlich desillusionierender Mega-Bestseller geworden!!

>Neben den Dokumenten beschlagnahmte die Polizei auch Festplatten, Speicherkarten, Laptops und ein iPad. Diese würden noch immer untersucht.<

>Noch am Samstag sollen sich die drei Richter zurückziehen und später das Urteil verkünden.<

Sollte dieser Widerspruch keine Zeitungsente sein, so scheint es im Vatikan ähnlich wie bei Dissidentenprozessen in der ehemaligen UdSSR zuzugehen: das konfiszierte Material ist zwar noch lange nicht hinsichtlich Be- oder Entlastung ausgewertet, doch schon wird eilig bei einem Schauprozeß das "von oben" gewünschte (Maximal-)Urteil gefällt, um alle anderen mißliebigen Unzufriedenen zeitgerecht vor aufflammenden Massenprotesten rasch einzuschüchtern, um ihnen die Courage abzukaufen, um das unzufriedene Volk zur Raison zu bringen - damit statusquo- und damit machtsystemerhaltend alles so bleibt wie es schon immer war: ein diktatorisches bis totalitäres System auf Kosten der vielen zum Nutzen einer kleinen, privilegienverwöhnten Nomenklatura. Sollte das im obigen Artikel vermittelte Bild richtig sein, dann ist zwischen dem Vatikan- und dem Sowjetsystem nicht viel Unterschied!!

Ein moderner Rechtsstaat würde deswegen völlig anders funktionieren!

Menschenkenntnis scheint der Papst keine zu haben, denn mit seinem Kammerdiener hat er sich eine ziemliches Früchtchen ins Nest gesetzt. Zu befürchten ist deshalb, daß Ratzinger wegen dieser seiner miesen Mitarbeiter-Einschätzungsqualität u.a. auch bei den Kardinals- und Bischofsernennungen versagt...

Gast: Vatileaks
04.10.2012 15:09
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Somit wird evident: Der bibliophile Altphilologe Ratzinger wurde zum Papst gemacht, damit die Mäuse im Vatikan tagtäglich ungestört Kirtag feiern können! Denn Manager ist der offensichtlich überhaupt keiner!

Der Papst und insbesondere sein Sekretär Gänswein müssen inmitten eines chaotischen Wirrwarrs an Dokumenten und Schriftstücken herumgefuhrwerkt haben weil ihnen seit 2006 (!) das Abhandenkommen von über 1000 Dokumenten (rd. 170 Dokumente pro Jahr = an fast jedem Arbeitstag verschwanden 1-2 Dokumente!!), einem Scheck über die Kleinigkeit von 100.000 Euro, eines größeren "Goldbatzen" (??wer schenkt denn sowas??) sowie eines kostbaren alten Buches - und eventuell weiterer teurer Geschenke an den Papst - gar nicht aufgefallen sind!!! Bürokratiespezialisten scheinen im Vatikan wahrlich nicht am Werken zu sein, denn auch die Kanzlei bzw. das Archiv wurden wegen etwaiger Lücken in den Aktenzahlen und wegen dem Verschwinden diversester Schriftstücke in all der langen Zeit nicht stutzig? Ebenso scheint das Verschwinden teurer Geschenke an den Papst (verwunderlich, was dieser warum? wofür? weswegen? geschenkt bekommt!?) niemanden tangiert zu haben (oder ist "Schwund" dort inzwischen zur Usance geworden?).

Mit seiner Tagesarbeit scheint das "Paulchen" der "Päpstlichen Familie" auch nicht ausgelastet gewesen zu sein, wenn er während der Arbeitszeit genüßlich photokopieren und zu Hause ein 82 Kisten umfassendes Privatarchiv explosiven Inhaltes (fast 14 Kisten jährlich = über 1 Kiste monatlich!!) anlegen konnte!? Wo blieb die Dienstaufsicht? Nur mit deren Vermarktung scheint es gehappert zu haben? Floß Geld? Freimaurer-Links?

Und Wunderwuzzi Gänswein ist so lange nichts aufgefallen?