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50 Jahre Konzil: Die (un)heilige Schlacht

05.10.2012 | 18:25 |  ANNE-CATHERINE SIMON (Die Presse)

Mehr „Einheit“ mit der Welt und anderen Konfessionen wollte das Konzil. Dafür stritten dessen „Väter“ erbittert miteinander. Über ein epochales Ereignis und seine unschönen Schatten.

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Als der Papst an diesem 11. Oktober vor zweieinhalbtausend Männern im Petersdom und vor Millionen Fernsehzuschauern das Konzil eröffnet, glauben noch viele, es werde in ein paar Wochen beendet sein. Noch einmal verkündet der mitreißende Johannes XXIII. dessen Hauptaufgabe, das „Aggiornamento“: das Übersetzen der christlichen Botschaft in die heutige Zeit. Es geht darum, die bestehende Lehre „mit wirksameren Methoden zu bewahren und zu erklären“, die Botschaft „im Licht der modernen Forschungen und der Sprache des heutigen Denkens“ zu formulieren. Und die „Einheit“ soll gefördert werden, mit den übrigen christlichen Konfessionen und den Menschen, die (noch) außerhalb der Kirche sind.

 

Die Pressure-Group vom Rhein

Wie weit die Konzilsväter selbst von der Einheit entfernt sind, zeigt sich schon in den ersten Tagen. Aufzeichnungen, Briefe und Erzählungen der Beteiligten erlauben es, die Entstehungsgeschichte zu rekonstruieren. Sie erzählt vom Konzil als ideologischem Schlachtfeld, auf dem überraschend ein paar progressive Bischöfe und Theologen von Anfang an die Richtung vorgeben und bald die Mehrheit hinter sich bringen.

Aufgrund ihrer fast nur französischen, deutschsprachigen, belgischen und holländischen Herkunft wird diese Gruppe „Rheinische Allianz“ genannt. Sie ist leidenschaftlich entschlossen, die Kirche zu verändern, gut organisiert und hat die Massenmedien auf ihrer Seite. Sie arbeitet mit geschickter Taktik, aber auch, wie die Gegner in der Kurie, mit Winkelzügen und Intrigen.

Einige ihrer Protagonisten sind noch heute weit außerhalb der Kirche berühmt. Neben dem verstorbenen Wiener Erzbischof, Kardinal König, gehören dazu etwa der deutsche Theologe Hans Küng und einer seiner ehemaligen Studienkollegen, den ein Konzilsvater nach einem Treffen den „Oberlehrer“ nennt: Joseph Ratzinger.

 

„Blitzkrieg“ am dritten Tag

Schon am 13. Oktober kommt es zur Rebellion gegen die Kurie. Diese hat die Kandidatenlisten für die Kommissionen erstellt, über die nun abgestimmt werden soll. Doch der Bischof von Lille fordert – auf Latein, wie in der Vollversammlung vorgeschrieben – die Prüfung etwaiger anderer Kandidaten. Ein entscheidender „Blitzkrieg“, denn nach der vertagten Abstimmung mit neuen Kandidaten haben die progressiven Kräfte die Oberhand in den Kommissionen.

Wenige Tage später treffen sich deutsche und französische Bischöfe und Theologen. Nun gilt es, taktisch gegen die „Schemata“, die Entwürfe für die Konzilstexte, vorzugehen: 2000 Seiten, drei Jahre Vorbereitungsarbeit der Kurie. Das Urteil der „Alliierten“ ist vernichtend: Sie bieten nichts Neues, verurteilen zu viel, berücksichtigen nicht die drängenden Fragen der Menschen, Anregungen aus aller Welt. Am Ende überlebt das Liturgie-Schema, alle übrigen werden neu verfasst. Noch einmal ein paar Monate später, und aus der „Rheinischen“ ist eine Weltallianz geworden. Die konservativen Kräfte sind desorganisiert, ohne Führung.

 

Diese Bischöfe mit Damen an der Bar

Sie lamentieren über „diese Bischöfe und Kardinäle in langen Hosen“, die ständig rauchen und mit Damen an die Hotelbar gehen würden. Am 3. Juni 1963, acht Monate nach Konzilsbeginn, stirbt Johannes XXIII. Der kühl wirkende, zögerliche Intellektuelle PaulVI. ist zwar nicht volkstümlich und enthusiastisch wie sein Vorgänger, aber er führt das Konzil entschlossen fort. Die Spaltung vertieft, der Ton verschärft sich. Wenn Erzbischof Lefebvre spricht, ein Anführer der konservativen Minderheit und später Gründer der Piusbrüder, lachen manche oder gehen. Im Kampf um die Formulierung der Konzilsdekrete greifen Einzelne zu extremen Mitteln, wie dem Verschwindenlassen von Änderungsanträgen. Selbst der Papst wird Gegenstand eines Täuschungsmanövers, als es um das Recht der Bischöfe geht, mit dem Papst die Kirche zu leiten. Schwammige Formulierungen sollen nach dem Konzil benützt werden können, den Papstprimat zu beschneiden, heißt es. Paul VI. wird gewarnt und weint, wird erzählt.

 

Vorbei „das wilde Geschrei“

Im Morgenwind des 8. Dezembers 1965 verkündet er auf der Treppe des Petersdoms den Abschluss des Konzils. So hart das Ringen war, alle Dokumente werden von den zweieinhalbtausend Teilnehmern mit erdrückender Mehrheit verabschiedet. Vorbei die größte Kirchenversammlung der Geschichte. Vorbei „das wilde Geschrei von Leuten, die im Streite liegen, das unverständliche Lärmen, der Schall ununterbrochenen Getöses“, wie Ratzinger einen Zeitgenossen des Konzils von Nizäa zitierend über die Kirchenversammlung schreiben sollte. Jahrzehnte später.

Zahlen
1962 begann das 2. Vatikanische Konzil, es dauerte unerwartet lang: drei Jahre. 2 Päpste leiteten es: Johannes XXIII. (1881–1963) und nach ihm Paul VI. (1897–1978). 3044 nahmen teil, davon 2498 Konzilsväter. 16 Dokumente wurden verabschiedet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)

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29 Kommentare
 
12

Dieser Bericht ignoriert die Hauptperson im christlichen Glauben:

Der Heilige Geist, nicht zu verwechseln mit dem "Geist des Konzils"!

Gast: Nonnen als radikale (da undogmatische) Feministinnen?
06.10.2012 21:17
7 1

Konzil ermöglicht Neuevangelisation: Selbstbewußte, eloquente, rebellische US-Nonnen provozieren erfolgreich die Vatikan-Machos:

Der Papst befiehlt Neuevangelisation. Die rebellischen US-Nonnen praktizieren diese schon lange auf ihre Weise. Sehr zum Mißfallen des Vatikans. Schönborn kann deshalb Gott auf den Knien danken, daß Schüller & Co. keine US-Nonnen sind! Diese hatten geistinspiriert, mutig und konsequent die Konzilsdokumente (allzu wörtlich) ernstgenommen. Jetzt hat der Vatikan das Debakel. Zur Inspiration für einen „fensteröffnenden“ Neuaufbruch der Kirche:

http://www.youtube.com/watch?v=GmNwsxCgUbE&feature=related Professionelle Nonnen mit PhDs von US-Eliteunis lehren den herrschaftsverwöhnten Vatikanmännern das Fürchten http://www.youtube.com/watch?v=qrsBSdpMtXY&feature=relmfu https://lcwr.org/ http://en.wikipedia.org/wiki/Leadership_Conference_of_Women_Religious http://www.youtube.com/watch?v=pdqhIhW1Bls&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=GaNqyWaqzos&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=ygydy1eDgxk&feature=related Sister Maureen Fiedler: „Women are emerging as Leaders in the world of religion“ http://www.youtube.com/watch?v=iNRU9172XX8 http://en.wikipedia.org/wiki/Maureen_Fiedler

http://www.youtube.com/watch?v=2SRPr0Gf5dA&feature=related Protestsong http://www.youtube.com/watch?v=_OzLhTV6pkQ&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=e7U3hptDHtM&feature=related Aggiornamento

http://www.youtube.com/watch?v=ALx-eolC1FI&feature=related Resümee von James Martin S.J.

http://www.stmatthias.net/connect/node/1574 „Zeichen der Zeit“ neu interpretiert

Gast: Luther
06.10.2012 21:08
6 0

Konzil und Kirchenrecht?

Die Texte des Vatikanums II sind interessant.
Aber wie viel wurde darin im CIC umgesetzt?

(CIC Codex Iuris Canonici, "das göttliche Recht für die Kirche")


Gast: Hoffnungsentwöhnt
06.10.2012 13:51
10 1

Das damalige Konzil, erschreckt von seinem eigenen Mut, blieb leider auf halbem Weg stehen,

ehe es in der Folge von den reorganisierten restaurativen Kräften, die fortan fast alle Machtpositionen okkupierten, sowie einem entseelenden Modernismuswahn inhaltlich niedergemezzelt wurde. Ein nachfolgendes Konzil zur erfahrungsbasierten Systemkorrektur (expost-Adjustierung) blieb leider aus. Zwischen den trockenen Papieren der realitätsentwöhnten Theoretiker aus dem theologischen Elfenbeinturm (darunter Ratzinger und Küng) und der im Alltag gelebten Praxis klafft bis heute wie ein alle eigentlich notwendigen feinabstimmenden Systemkorrekturen verschlingendes "schwarzes Loch" ein großer Spalt. Mittlerweile wurden alle innovativen Kräfte entsorgt bzw. schachmattgesetzt. Die Kirche wird nun totverwaltet von einfallslosen Aschebewahrern, deren Herzen nicht oder nur sehr zielgruppenspezifisch beschränkt inspirierend brennen. In der westlichen Gesellschaft ist daher die Kirche unattraktiv geworden, denn ihr entradikalisiertes, schöngefärbtes, weichgespültes, einheitsübersetztes Wort Gottes schmeckt nurmehr schal, wie warmes Bier. Es prickelt und erfrischt nicht mehr. Sinnentleert und totverwaltet nähert sich der Leib Christi paralysiert dem Wachkoma. "Challenge" (Herausforderung) gibt es keine mehr. Überall nurmehr systemkonformer Einheitsbrei, was geisttötend wirkt.

Als schädlich erwiesen haben sich überdies die unendliche Langeweile verbreitenden, mumienstaubtrocken formulierten Konzilsdokumente, durch die sich selbst (nur wenige) Theologen mit Widerwillen durchkämpfen...

wozu

schön langsam wird dieser verein ein minderheitenproramm.
selber schuld, dieser verkorkste haufen.

Gast: joseph
06.10.2012 09:53
2 16

wozu

wozu ein konzil ?

in den letzten 50 jahren hat sich in der katholischen kirche viel ereignet aber auch schon gar nichts verbessert.

Antworten Gast: so viele kluge menschen hier
06.10.2012 10:41
18 3

in den letzten 50 jahren hat sich in der katholischen kirche viel ereignet aber auch schon gar nichts verbessert.

Das stimmt so nicht.

Anfangs gab es sehr wohl einen Aufbruch - doch dann hat "das Imperium zurückgeschlagen".

Re: in den letzten 50 jahren hat sich in der katholischen kirche viel ereignet aber auch schon gar nichts verbessert.

ergo hat sich nichts, aber auch gar nichts verbessert, der vorposter hatte also recht.

im aktuellen spiegel ist übrigens ein guter artikel über ratzinger zu dieser zeit und wie er langsam zu dem unerträglich erzkonservativen langweiler wurde der er heute ist.

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WArum muss ich mir solche Diskussionen, deren Grundlage nichts weiter als ein imaginärer Obergeist mit Engeln und Teufeln ist, auf der Titelseite der Presse vorsetzen lassen.

Antwort: Es ist das Herbstloch!

Antworten Gast: Su Nuraxi
06.10.2012 14:34
2 0

Re: WArum muss ich mir solche Diskussionen, deren Grundlage nichts weiter als ein imaginärer Obergeist mit Engeln und Teufeln ist, auf der Titelseite der Presse vorsetzen lassen.

Sie müssen nicht. Sie lesen das freiwillig.

Re: WArum muss ich mir solche Diskussionen, deren Grundlage nichts weiter als ein imaginärer Obergeist mit Engeln und Teufeln ist, auf der Titelseite der Presse vorsetzen lassen.

Machen Sie Ihre eigene Zeitung! Dann können Sie diktatorisch bestimmen, was (ausschließlich) geschrieben werden darf. Toleranz ist ein Fremdwort für Sie - scheint es.

2 24

Das 2. Vatikanum diente dazu,

die Volksfrömmigkeit in Sekundenschnelle zu vernichten und den katholischen Glauben in Europa auszuschlöschen.

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Volksfrömmigkeit

Leider gibt es diese Volksfrömmigkeit immer noch. Nur dass die nichts mit gelebtem Christentum zu tun hat, sondern mit Tradition und Aberglauben.

Gerade diese Volksfrömmigkeit führt sehr oft dazu dass sich denkende Menschen vom Christentum (oder was sie dafür halten) abwenden.

0 0

Gerade diese Volksfrömmigkeit führt sehr oft dazu dass sich denkende Menschen vom Christentum (oder was sie dafür halten) abwenden.

Was schließen wir daraus? Es gibt viel zu wenig Volksfrömmigkeit!

Re: Das 2. Vatikanum diente dazu,

Eher Leute wie Sie haben das zu verantworten. Wer so rück gewandt denkt hat eben keine Chance die Herzen der Menschen zu gewinnen.

Jesus ist es gewöhnt


mit "Verrätern" zu leben.

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Aussenstehend

Ich bin zwar nicht so bewandert in katholischen/kirchlichen Entscheidunge (ich bin einfacher Christ), aber mein Eindruck ist doch, dass die Kirche sich, zumindest gegenüber einer anderen Religionen, einer gewissen Beliebigkeit geöffnet hat.

In unserer aufgeklärten Gesellschaft schadet ihr das.

Antworten Gast: TvA
08.10.2012 19:30
0 3

Re: Aussenstehend

Sie haben Recht! Zur Gemeinschaft gehört die Definition der Regeln, z.B. durch Gott, Moses die RKK oder durch einen Souverän.
Beliebigkeit hilft dabei nicht, der Zustand der protestantischen Kirchen beweist dies im Galopp. Die Beliebigkeit hat in einer falsch verstandenen Aufklärung ihren Ursprung, die den Menschen zum Maß aller Dinge macht. "Erkenntnis ist ein Empfangen, das von den Dingen sein Gesetz erhält und kein Bestimmen, das den Dingen sein Gesetz gibt" (Edith Stein).
Darüber hinaus sind Gesellschaften ohne Gerechtigkeit (als bloß große Räuberbanden) zum Untergang verurteilt, Gerechtigkeit gibt es aber dort nicht, wo der Mensch das Maß aller Dinge ist.

Re: Aussenstehend

Das ist völliger Unsinn.

Die einzige Beliebigkeit war, anzuerkennen dass Menschen die ein gutes Leben führen und keine Katholiken sind, auch gute Menschen sind.

Wenn Ihnen das schon zu viel ist, sollten Sie sich einmal mit den Gedanken anfreunden zur Auslegung des Islams der Taliban zu konvertieren.

Re: Re: Aussenstehend

Ich mache gerne das, was sie offensichtlich nicht begriffen haben: Ihnen die andere Wange hinhalten.

Re: Re: Re: Aussenstehend

Das ist allerdings nicht das, wofür die alte Kirche steht.

Gast: Nudels
05.10.2012 21:28
19 8

Die wahre Religion!!!

http://www.venganza.org/

1 5

Re: Die wahre Religion!!!

Es muss auch für die Kasperln was geben - in diesem Sinne suuuuperluuustig! Musikantenstadl für Atheisten.

Gast: pro multis
05.10.2012 20:10
35 4

Die Kirche muß sich an der Vergangenheit orientieren!

Aber nicht am Mittelalter der Piusbrüder, sondern an den Anfängen der Zeit Jesu!

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@ „Einige ihrer Protagonisten sind noch heute weit außerhalb der Kirche berühmt. Neben dem verstorbenen Wiener Erzbischof, Kardinal König, gehören dazu etwa der deutsche Theologe Hans Küng und einer seiner ehemaligen Studienkollegen, den ein Konzilsvater nach einem Treffen den „Oberlehrer“ nennt: Joseph Ratzinger.“






Kardinal König ist tot, Hans Küng wurde ausgeschaltet und Joseph Ratzinger entwickelte sich vom Paulus zum Saulus…






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@ „Wenn Erzbischof Lefebvre spricht, ein Anführer der konservativen Minderheit und später Gründer der Piusbrüder, lachen manche oder gehen.“






auch heute gehen die Menschen, wenn die Pius-Brüder ihre irren Ansichten zum Besten geben – außer im Vatikan, da stehen für sie heute die Türen sperrangelweit offen…






 
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