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Papst könnte verurteilten Exdiener begnadigen

06.10.2012 | 17:52 |   (Die Presse)

Im VatiLeaks-Prozess wurde Paolo Gabriele am Samstag zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Hintermänner nannte er nicht. Dass er die Strafe tatsächlich absitzen muss, ist nicht sehr wahrscheinlich.

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Vatikanstadt. Er habe aus „tiefer Liebe zur Kirche und zum Papst“ gehandelt, sagte Paolo Gabriele, Ex-Kammerdiener von Benedikt XVI., in seinem Schlusswort als Angeklagter: „Ich fühle mich nicht als Dieb.“ Das Gericht im Vatikan sah das anders und verurteilte den 46-Jährigen Samstagmittag wegen Diebstahls zu 18 Monaten Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre gefordert, also das Doppelte, der Vorsitzende Richter wertete aber die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten und dessen Reue als strafmildernd.

Gabriele wurde vorgeworfen, vertrauliche Dokumente aus dem Besitz des Papstes kopiert und zumindest einem Journalisten zugespielt zu haben. Dies hatte der Angeklagte auch gar nicht bestritten, sondern vielmehr ein Geständnis abgelegt. Die Verteidigung wollte das Aneignen der Dokumente indes nicht als Diebstahl sehen und forderte Freispruch. Dennoch bezeichnete Gabrieles Anwältin Cristina Arru das Urteil als „ausgewogen“.

Dass der Verurteilte seine Haftstrafe tatsächlich absitzen muss – in einem italienischen Gefängnis, im Vatikan gibt es keine Haftanstalten –, ist nicht sehr wahrscheinlich: „Die Möglichkeit einer Begnadigung ist konkret“, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Vorerst dürfte Gabriele einmal in Hausarrest bleiben, hieß es am Samstag.

Gabriele ist im Mai festgenommen worden, nachdem ihn der Sekretär des Papstes überführt hatte. Der Prozess hat nur eine Woche gedauert und nach Meinung der wenigen zugelassenen Beobachter kaum Erhellendes über die Hintergründe des Falles zum Vorschein gebracht. Die Staatsanwaltschaft hat sich denn auch bemüht, Gabriele als Einzeltäter darzustellen. Auch er selbst gab immer an, allein gehandelt zu haben, ohne etwaige Hintermänner oder Auftraggeber. Es wird aber ermittelt, ob es neben einem Informatikexperten, dem wegen Beihilfe separat der Prozess gemacht wird, weitere Komplizen gegeben hat.

Da einige der durchgesickerten Dokumente Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in unvorteilhaftes Licht rückten, ist über eine vatikaninterne Intrige gegen den Leiter des wichtigsten Kurienamtes spekuliert worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)

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15 Kommentare

eigentlich

hat jener dieb nur das getan, was im interesse der meisten leute ist: er hat versucht diese ach so geheimen papiere öffentlich zu machen. ich habe noch nie verstanden, warum nicht mehr menschen aktiv mehr transparenz von diesem dubitablen kleinen staat fordern.

Re: eigentlich

Na dann veröffentlichen Sie doch gleich mal die Strategiepapiere ihrer Firma und schauen sie, was ihr Chef dazu sagt.

Re: Re: eigentlich

Seien Sie versichert, mit zweifelhaften Gesellschaften habe ich nicht viel am Hut. Aber wo Sie recht haben, da haben Sie recht, auch von diversen Firmen sollte transparenz gefordert werden. Ich denke jedoch, das die Kirche unter andere Prinzipien fällt als eine Firma.

Antworten Antworten Antworten Gast: nur neugierig
08.10.2012 22:21
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Re: Re: Re: eigentlich

Und was würden Sie dazu sagen, wenn jemand Ihren Schreibtisch abräumt und etwas davon veröffentlicht (Rechnungen , Briefe von der Mama oder der Ex, e-Mails, Kontoauszüge, Krankenkassen-Abrechnungen ...). Sie bleiben da sicher ganz unerschüttert, weil Sie ja keine zweifelhafte Gesellschaft sind und alle alles (damit meine ich ALLES) über Sie wissen dürfen?

Re: Re: Re: Re: eigentlich

Um ehrlich zu sein, finde ich Ihre Argumente doch etwas weit hergeholt. Ich denke mein Schreibtisch definiert andere Dimensionen als der Vatikanstaat oder gar die katholische Kirche. Ich werde diese Diskussion beenden, da ich vermeiden möchte, dass wir beide Argumente einbringen, die an dem jewils Anderen virbeischießen; wir kommen so zu keinem Konsens.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Anmerker
09.10.2012 00:00
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Re: Re: Re: Re: Re: eigentlich

Sie haben 2 Diskussionspartner, von denen ein jeder je ein Statement abgegeben hat. Welchen meinen Sie? Darabimo oder "nur neugierig"?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: nur neugierig
08.10.2012 23:58
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Re: Re: Re: Re: Re: Trotzdem

Diebstahl ist Diebstahl. Bruch des Briefgeheimnisses ist Bruch des Briefgeheimnisses. Und um Briefe an den Papst geht es in erster Linie. Das können Sie in dem Buch von Nuzzi, der eben diese gestohlenen Briefe veröffentlicht hat, nachlesen.

Gast: Harald K., 1040 Wien
07.10.2012 13:03
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mehr Glasnost in der Kirche


Die Skandale um die Vatikanbank, die Intrigen innerhalb der Kirche, die Vertuschungen…

Nicht dass er Dokumente veröffentlicht hat, sondern, dass es überhaupt solche Dokumente gibt ist die eigentliche Schande.

Vielleicht hat Paolo Gabriele einen Anstoß zu mehr Transparenz gegeben…


Antworten Gast: Gast.on
07.10.2012 20:54
8 1

Re: mehr Glasnost in der Kirche

ist aber gefährlich für absolutistische Systeme – das hat man bei schon der Sowjetunion gesehen…

wäre doch was

das wäre doch was, wenn der Mann der ständig mit brechender Stimme von der "Gnade" schwärmt, sich in eigenen Machtbereich an die eigenen Vorgaben halten würde.


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Der großherzige, vergebende Papst


Da bin ich aber sehr froh, wenn der unglaublich großherzige Papst seinem "Feind" vergibt.

Wäre eigentlich viel interessanter zu erfahren, was in den tausend Dokumenten eigentlich so alles gestanden hat.

Re: Der großherzige, vergebende Papst

Meinen Sie die tausen Dokumente, die in ihrer Phantasie vom Vatikan geheim gehalten werden- oder von welchen tausend Dokumenten sprechen Sie?

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Re: Der großherzige, vergebende Papst

Wäre eigentlich interessant zu wissen, warum Sie den Inhalt der tausend Dokumente, die es gar nicht gibt, wissen wollen. Obsessive Neugierde?