Hasstiraden im "Portal Gottes": Spur nach Österreich

15.11.2012 | 19:48 |  Von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Die pseudokatholische Internet-Hetzseite „Kreuz.net“ könnte zum Problem für die Kirche werden: Laut Privatermittlern sind ihre Macher Priester. Sie agieren sehr geschickt und mit großem Aufwand.

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[Berlin] Alle mochten Dirk Bach. Oder besser: fast alle. Groß war die Trauer in Deutschland, als der bunte Vogel, kauzige Komiker und Schauspieler Anfang Oktober mit nur 51 Jahren an Herzversagen starb. Nur eine „katholische Nachrichtenseite“ im Internet namens „Kreuz.net“ frohlockte in großen Lettern: „Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle – dieser Gestörte, sexuell Kranke, Sittenverderber und Propagandist der Unzucht.“
Es war dieses von posthumer Verleumdung triefende Hasspamphlet, das ein sich langsam füllendes Fass zum Überlaufen brachte. Bereits 2004 hatten bis heute Unbekannte das Portal ins Netz gestellt. Anfangs galt es als seriöse Plattform ultrakonservativer kirchlicher Kreise. Doch mit der Zeit wurde der Ton immer rauer, aggressiver, menschenverachtender.

Gegen die „Protestunten“

Spätestens seit 2009 regiert offene Hetze im Namen Gottes: gegen Juden, Moslems, Schwule, „Protestunten“, aber auch gegen die „verrottete altliberale Amtskirche“. Vertreter rechtsextremer Splitterparteien kommen ebenso zu Wort wie Holocaust-Leugner; Reden von Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad stehen neben Texten von Joseph Goebbels und Heinrich Himmler. Es gab Anzeigen wegen Volksverhetzung, Ermittlungen von Staatsanwälten und Verfassungsschutz – ohne Erfolg. Die Macher wurden bis heute nicht enttarnt. Sie agieren sehr geschickt und mit großem Aufwand. Ihre Server stehen in den USA, Rumänien, Russland, bis zu dreimal täglich wird der Standort gewechselt. In letzter Zeit, heißt es, sei die Seite auf den Bahamas registriert worden. Somit kann nicht nach deutschem oder österreichischem Recht gegen die Inhalte vorgegangen werden.

Kirche ging auf Distanz

Die Bischofskonferenzen in Deutschland und Österreich distanzierten sich mehrmals mit deutlichen Worten von dem laufend aktualisierten Machwerk. Sie beteuerten, dass kein Kirchenmitarbeiter etwas damit zu tun habe. Als aber die Empörung über die Seite nach dem Tode Bachs hochkochte, stellte der „Spiegel“ diese Zusicherung in Zweifel: Auf der Plattform erscheinen nämlich nicht nur anonyme Artikel der vermutlich drei- bis vierköpfigen Redaktion, sondern auch namentlich gezeichnete Gastbeiträge. Der „Spiegel“ zählte zwei Dutzend Autoren mit kirchlichem Hintergrund: einen Prälat, einen Pfarrer, einen Religionslehrer. In deren Beiträgen fehlt der menschenverachtende Tonfall, aber ihre Autoren lassen sie ohne Berührungsängste neben die anonymen Hetzartikel stellen.

Die Macher von Kreuz.net fühlen sich sicher. Sie höhnen über den „Satan“, der vergeblich versuche, ihrem „Portal Gottes“ Einhalt zu gebieten. Doch nun zieht sich die Schlinge um sie enger. Ein Berliner Verlag und der katholische Theologe David Berger gründeten in Reaktion auf den Bach-Artikel die Initiative „Stoppt Kreuz.net“. Geboten wird, in bewährter „Aktenzeichen XY“-Manier, eine Belohnung von mittlerweile 23.000 Euro für Hinweise auf Standort und Hintermänner der Homepage.
600 Hinweise gingen bisher ein, 60 davon erwiesen sich als hilfreich. Die Berliner Staatsanwaltschaft erhielt eine Liste mit fünf Namen – nach Überzeugung der privaten Fahnder sind sie die Verantwortlichen für die Hass-Seite. Die Namen sollen vorerst nicht veröffentlicht werden, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Schönborn-Feind aus Wien?

Aber die Initiatoren nennen Details. Und diese bergen Brisanz für die katholische Kirche: Vier der fünf Macher sollen nämlich Diözesanpriester sein. Nach der geografischen Aufteilung liege das Zentrum der Aktivitäten hierzulande: „Die heiße Spur führt nach Österreich“, sagt Berger. Es gehe bei den fünf Personen um drei Österreicher, einen Deutschen und einen Schweizer. Einer sei Priester der Diözese Wien, wie Berger im Berliner „Tagesspiegel“ verrät. Er habe eine Rechnung mit Kardinal Christoph Schönborn offen – was erklären würde, dass auch dieser immer wieder auf dem Portal verunglimpft wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2012)

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113 Kommentare
 
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Die haben wohl noch nichts vom Presse-Forum gehört!

Hohohohoho!

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Re: Die haben wohl noch nichts vom Presse-Forum gehört!

Jetzt erst gesehen. Beste Meldung seit langem! :D

4 10

Nun mag eine solche Website im Ganzen Differenzierung nicht verdienen, aber allein um sich davon zu unterscheiden und nicht alle/s in einen Topf zu werfen,

sollte ein um Objektivität bemühter Journalist doch etwas differenzierter umgehen und nicht nur nachschreiben, was andernorts bereits zuvor zu lesen war. Dies auch dann, wenn die oder manche Macher der kritisierten Website diesem Anspruch nicht nachkommen. Bei der Kritik sollte zudem unterschieden werden, ob man sie aus christlicher Sicht oder im Vergleich zu anderen Medien tut.

Allgemein kann man aufgrund der zahlreichen Artikel festhalten, dass es eine Website ist, die ihre besonderen Probleme mit Homosexualität hat, ob da nun ein oder mehrere Macher persönlich damit ein Problem haben sei dahingestellt, aber ein solcher "Ton" ist weder christlich noch weltlich angebracht!

Nun bleibt es jedem unbenommen für oder gegen ein bestimmtes Verhalten einzutreten und in der Kirche wird gleichgeschlechtliches Verhalten auch nicht gebilligt, aber davon zu unterscheiden ist der christliche Auftrag der Fürsorge und Begleitung gerade dieser Randgruppen ( u.a., wie Geschiedenen etc.). Häme ist daher wahrlich nicht angesagt, auch dann nicht, wenn kirchlicherseits solches Verhalten verboten!

Einzelne zu verurteilen oder lächerlich zu machen, sollte für Christen zudem völlig tabu sein, auch dann, wenn kirchliche Mitarbeiter sich "entblößen", selbst dann muss Kritik sachlich sein und nicht verletzend!

Christlich konservativ zu sein, bedeutet nicht, dass eigene

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christlich konservativ zu sein

bedeutet ja nicht, dass eigenes Verhalten und Sprache sich in der Kritik an Anderen bzw. an allg. politischen und gesellschaftlichen Zuständen, darüber hinwegsetzen und Mindesterfordernisse menschlichen und besonders christlichen Umgangs außer Acht lassen kann.

Dies gilt auch für sonstige abwertende Äußerungen über andere Medienmacher, Politiker oder sonstige gesellschaftliche Gruppen, wie sie auf jener Website zu finden sind. D.h. Christen (bes. auch konservative) sind auch dann, wenn die anderen selbst nicht immer frei sind von Häme und Verunglimpfung und einseitiger Darstellung, diesen christlichen Basiswerten im Umgang mit den Mitmenschen verpflichtet und haben ihre Kritik nicht nur anders zu formulieren, sondern in dieser Kritik muss ein fürsorgliches, konstruktives Momentum erkennbar sein.


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Unsachlich

Schade, dass ein renommiertes Presseorgan nicht sachlich bleiben kann. Der Titel des reklamierten kreuz.net-Artikels klingt nur dem nach Frohlocken, der genau das heraushören will oder böswillig unterstellt. Tatsächlich ist er eine schlichte Feststellung.
Auch gibt es kein deutsches oder österreichisches Recht, denn Recht ist unteilbar. Kurt Gaulhofer gehört wohl zu den Menschen, die in nationalen Kategorien denken. Und womöglich zu den vielen, die demokratische Willkür sowie die unsägliche Vorschriftenmacherei mit Recht verwechseln.
Und was sagt uns das alles wieder: Die Kritiker der Elche - sind selber welche. (Fritz Weigle alias F. W. Bernstein)

Rechts - Links

Alles was mit Religion zu tun hat, ist Gift für die Menschen - völlig abartige Ansichten, wie auf Kreuz.net dargestellt - aber auch andere - aber mir ist lieber man kann die Ansichten der "Menschenfeinde" lesen als dass diese im Verborgenen agieren - gilt auch für alle anderen politisch Radikalen - von ganz Rechts bis ganz Links.

Re: Rechts - Links

Was die Religion betrifft, haben Sie Recht. Aber die Haltung zur HS kann man als "Menschenfreund" nur freudig unterstützen.
Leider waren oder sind noch immer gerade die katholischen religiösen Machthaber äußerst inkonsequent. Sie betrachten die HS offiziell als Sünde oder gar als Krankheit, hielten aber die Tore zur Kirche für diese Gruppe sperrangelweit offen. Das Ergebnis war absehbar erschütternd...

Mich würde interessieren

was die Vertreter von Kreuz.net gegen P.ädophile aus den eigenen Reihen sagen.

Das war doch offenbar eh schon bekannt:

Zitat (5.Okt.2012) "Einen schweren Mangel hat das Angebot von Bruno Gmünder jedoch: Derzeit spricht der Verlag von 'deutschen Hintermännern'. Wir hoffen jedoch aus gegebenen Anlass, dass der Verlag das Kopfgeldversprechen auch auf die 'österreichischen Hintermänner' ausdehnt. Dann könnte der Aufruf möglicherweise zu den 'ganz großen Hintermännern' führen und nicht nur bei einer Splittergruppe in Nordrhein-Westfalen enden."
http://gayoesterreich.at/bayern-deutschland/bayern-deutschland-news/koeln-duesseldorf/3780-bruno-gmuender-setzt-kopfgeld-auf-hintermaenner-von-kreuz-net-aus.html

5 17

Vergesst Jesus Christus

und seid einfach nur nette Mitläufer.

jesus!

sie sollten vielleicht mal die evangelien lesen. ein bezug zu diesen schandseiten ist wohl nicht herzustellen.

Re: jesus!

Das ist richtig. Allerdings ist genauso evident, dass die Ratzinger'sche Amtskirche zu diesen "Schandseiten" deutlich mehr Bezug hat als zu den christlichen Evangelien.

das auch. versteh sowieso nicht, wie man diesem verein angehören kann..


Verglimpft ihn doch mehr,

unsern Herrn Kardinal Erzbischof!

Re: Verglimpft ihn doch mehr,

Rotstrichler sind also fürs Verunglimpfen,
schämt Euch!

Re: Re: Verglimpft ihn doch mehr,

Diese RotstrichlerInnen sind schamlos.

jetzt hab ich da ein wenig gestöbert bei Kreuz.net


ist mir unbegreiflich was da abgelassen wird!so einen faschistischen,menschenverachtenden sch.dreck hab ich ja noch nie gelesen(außer natürlich in den 40er Jahren)!mir ist schon bewusst, dass diese radikalen nicht die Ideologie der Kat.kirche widerspiegeln, aber in einem gedämpften Maße denken sie ja doch ähnlich- das bringt mich noch ein Stück weiter weg von der Kirche-obwohl es jetzt schon Meilen waren!

37 31

Re: jetzt hab ich da ein wenig gestöbert bei Kreuz.net

Sie haben kreuz.net besucht?! Oh oh, das war nicht klug von Ihnen - nun ist Ihre IP auch gespeichert. Gratulation dazu. LOL!

Re: Re: jetzt hab ich da ein wenig gestöbert bei Kreuz.net

Und Sie haben drauf verlinkt. Auch keine Meisterleistung punkto Anonymität...

na und? es ist nicht illegal, die seite aufzurufen.

und ob die ip jetzt gespeichert ist oder nicht - wurscht. nachdem in sämtlichen österr. medien die url erwähnt wurde, ist der anstieg der neu-ip´s logisch und kann von dauerusern einfach unterschieden werden.

Re: na und? es ist nicht illegal, die seite aufzurufen.

Eben nicht! In Österreich haben Sie im Normalfall keine statische IP - daher ist der Unterschied schwer festzustellen.

die vorratsdatenspeicherung ist ihnen ein begriff?

ist in dem fall zwar egal, aber die ip zurordnung bleibt in jedem fall 6 monate gespeichert.

Re: die vorratsdatenspeicherung ist ihnen ein begriff?

Richtig! Mein Kommentar bezog sich lediglich darauf, dass man "Neuankömmlinge" nicht von "Stammusern" per IP unterscheiden kann, wie es obiger Poster meint.

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Re: Re: jetzt hab ich da ein wenig gestöbert bei Kreuz.net

tja, das sind die netzfallen, und andere tricksen halt zu auffällig mit den bewertungen. weiter unten gibts noch zu tun.

47 25

Über andere Glaubensgemeinschaften sehen die politisch Korrekten großzügigst hingweg.


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Re: Über andere Glaubensgemeinschaften sehen die politisch Korrekten großzügigst hingweg.

Zusammenhang? Ach, da ist also gar keiner?

 
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