Retourkutsche: IKG zeigt Beschneidungsgegner an

03.12.2012 | 14:23 |   (DiePresse.com)

Die jüdische Gemeinde sieht in der Anzeige gegen einen Rabbiner eine Herabwürdigung religiöser Lehren. Es mangle an Respekt vor Andersdenkenden.

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Der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs (IKG) hat den Verein "Initiative gegen Kirchenprivilegien" angezeigt. Grund für diesen Schritt war wiederum eine Anzeige der Initiative gegen den Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister und einen muslimischen Arzt - beide führen religiöse Beschneidungen durch. Für die IKG ist diese Anzeige eine Herabwürdigung religiöser Lehren, Verhetzung und Verleumdung. Sie hat bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht.

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Die IKG sieht die Gesetzeskonformität der traditionellen Beschneidung juristisch eindeutig und insbesonders durch das verfassungsmäßige Recht auf Religionsfreiheit und das Israelitengesetz abgesichert, schreibt der Präsident der IKG, Oskar Deutsch, in einer Aussendung.

Deutsch beruft sich auch auf die Zusicherung von Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP). Karl sieht bei der religiösen Beschneidung "keinen Handlungsbedarf". In Österreich sei die Beschneidung kein strafrechtlicher Tatbestand, so Karl bei einer Stellungnahme am Höhepunkt der Beschneidungsdiskussion im Juli.

Deutsch kritisiert in seiner Aussendung auch generell die Diskussion um religiöse Beschneidung. "Die immer wieder künstlich entfachte Beschneidungsdiskussion lässt es, wie auch in dem jüngst unternommenen Angriff, an Respekt vor Andersdenkenden missen." Die Israelitische Religionsgesellschaft müsse daher entsprechende juristische Schritte ergreifen.

(Red.)

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74 Kommentare
 
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Mangelnder Respekt vor Andersdenkenden -

das ist die Bescheidung selber, lieber Schwan!

Säuglinge haben zwar keine religiösen Gefühle, aber sie gehören völlig vor den "religiösen Gefühlen" geschützt!


Wo Religion drauf steht

ist viel Perversion drinnen inkl. diverser Körperverstümmlungen


Re: Wo Religion drauf steht

Ja finde das hier auch sehr pervers was sie von sich geben geh weg pfui pfui wie dumm die Rechten doch sein können

Re: Re: Wo Religion drauf steht

Die Redaktion wird es mir sicher auch ein zweites Mal erlauben.

Damit Sie sich bitte ein Bild davon machen, wovon wir eigentlich reden, zeige ich Ihnen hier mal ein Video einer Beschneidung, IIRC aus Jerusalem (wenigstens aber Israel).

https://www.youtube.com/watch?v=g27jGUeVg4A

Bitte beachten Sie auch die Metzitzah B'peh etwa ab 3:40. Dieses Aussaugen eines Blutstropfens ist nach orthodoxer Vorstellung für die Gültigkeit der Beschneidung elementar. Und im übrigen hoch umstritten, da es zu wiederholten Todesfällen durch Infketionen gekommen ist.

Hierzu verweise ich Sie auch auf einen Artitel in der New York Times, den mir ein Diskussionsteilnehmer hier vor wenigen Tagen in einer privaten Mail geschickt hat.

http://www.nytimes.com/2012/12/19/nyregion/lawyer-says-ritual-circumcision-is-protected-activity.html?emc=tnt&tntemail1=y&_r=0

IKG Mitglied Dr. Jerome Segal: - „Als Jude sage ich, Beschneidung ist ein barbarischer Akt“. /1

Teil1
Utl: Empörung über „Gegenanzeige“ von IKG Präsident Deutsch

(Wien, 5.12.12, PUR) Auch Juden brechen nun ihr Schweigen und kritisieren Beschneidung an nicht einwilligungsfähigen Babys als barbarischen Akt. Wissenschaftshistoriker Jerome Segal, Assistenzprofessor an der Pariser Sorbonne, derzeit in Wien lehrend, übt nun massive Kritik an der Haltung der israelitischen Kultusgemeinde. „Ich bin empört über Oskar Deutschs Gegenanzeige“, sagt Segal. Ein Missbrauchs- sowie ein Beschneidungsopfer haben ja vergangene Woche einen Mohel (Beschneider) angezeigt, der angibt, über 1000 jüdische Buben beschnitten zu haben. „Es muss doch möglich sein, barbarische religiöse Rituale kritisieren zu dürfen.“ Segals drei Söhne sind nicht beschnitten, auch er selbst ist es nicht – obwohl er Mitglied der israelitischen Kultusgemeinde ist. „Ich halte Beschneidung an nicht einwilligungsfähigen Babys und Kindern für grausam. Es ist eine starke Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit. Österreich hat die Kinderrechtskonvention ratifiziert“, so Segal weiter. „Aus Art.19 gehe klar hervor, dass Kindern keine körperliche Gewalt zugefügt werden darf“.

Re: IKG Mitglied Dr. Jerome Segal: - „Als Jude sage ich, Beschneidung ist ein barbarischer Akt“. /1

Ich kann Jerome Segal hier nur zustimmen. Ich habe gestern über Graumanns Anzeigen geschrieben. (Zentralrat der Juden in Deutschland.) Mich erinnert das ganze an Internetabzockerei und Abmahnbetrug. Man schmeißt mit Klageschriften um sich und hofft, Leute damit einzuschüchtern.

Nun ist das schon Zivilrecht, das reicht der IKG offenbar nicht. Und es hat schon was. Mich hat Dieter Graumann angezeigt und ich bekam eine Vorladung vom Staatsschutz. Heiligs Blechle! Ich sah mich schon im Knast.

In D arbeiten Staatsanwaltschaften weisungsgebunden und da der ZDJ in D die Politik treibt, kann der auch bewirken, daß Staatsanwälte hier Anklage erheben. (Nämlich, meines Wissens, ich bin kein Jurist, auf Weisung des jeweiligen Justizministers.)

Nur: Entschieden wird das vor Gericht. Und ich habe heute schon an Herrn Graumann geschrieben, wie ein Richter darauf reagiert, wenn ein Zentralrat der Juden oder auch die IKG reine Meinungsverschiedenheiten strafrechtlich überhöht und den Richtern eine 90 Stunden Woche beschwert.

Die werden mürrisch in die Runde blicken und auf gut schwäbisch vor sich hin bruddeln: "Moinet se wirklich, daß m'r koi Gschäft hend?"

Offen gesagt: Langsam aber sicher wird die ganze Nummer peinlich.


IKG Mitglied Dr. Jerome Segal: - „Als Jude sage ich, Beschneidung ist ein barbarischer Akt“. /2

Teil2
„Todesstrafe wurde ebenfalls abgeschafft“
Piercing ist erst ab 14 und Tätowierung ab 16 erlaubt (mit Zustimmmung der Eltern). „Eine Operation wie die Zirkumzision, mit derart unwiderruflichen Folgen und möglichen negativen Konsequenzen auf das Sexualleben, sollte vom Gesetzgeber erst mit 16 oder 18 Jahren zugelassen werden“, sagt der Universitätsdozent. Segal ist bekennender Atheist und lehnt Religionsprivilegien ab, vor allem wenn im Namen der Religion Gewalt legitimiert wird. „In der Thora stehen auf Ehebruch und auf Homosexualität die Todesstrafe, das wird zum Glück schon lange nicht mehr angewendet“, so Segal. In Israel gibt es seit über einem Jahrzehnt Antibeschneidungsaktivisten, die sich für das „Brit Shalom“ Ritual einsetzen – das bedeutet, dass die Beschneidung nur noch symbolisch durchgeführt wird. Auch www.jewsagainstcircumcision.org, eine Gruppe liberaler amerikanischer Juden, ist gegen Beschneidung. "We are a group of educated and enlightened Jews who realize that the barbaric, primitive, torturous, and mutilating practice of circumcision has no place in modern Judaism." steht auf deren Homepage.

anzeige und gegenanzeige...

Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass sich linke Atheisten und rechte Antisemiten zu einer seltsamen Allianz gefunden haben...

Re: anzeige und gegenanzeige...

Und ich werde den Eindruck nicht los, daß Sie das ganze doch etwas unterkomplex sehen.


Zacken in die Ohren

und andere Religionen wollen faustgroße Löcher in die Ohren schneiden, Zähne spitz zufeilen etc. Nein echt, dieser Unfug darf hier nicht so stattfinden.

Und jetzt wieder die anderen...

Die IKG hat mit der Anzeige nämlich dem IGK (schon die Symmetrie bewundert) die strafbare Handlung der Herabwürdigung religiöser Lehren vorgeworfen, was - nach IKG-Logik - die strafbare Handlung der üblen Nachrede und Rufschädigung darstellt. Dagegen sollte ihrerseits die IGK Anzeige erstatten...

Re: Und jetzt wieder die anderen...

Aus ganz aktuellem Anlaß: Oskar Deutsch hat einen Mitstreiter gefunden. Dieter Graumann geht jetzt in Deutschland auch gegen Kritiker vor und legt mit Beleidigungsanzeigen los.

Das wird eine erbärmliche Schlammschlacht.

wie kommen wir eigentlich dazu, uns mit solchen

Dingen herumzuschlagen.Das hat weder mit unserer Kultur , noch unserer Religion und schon gar nichts mit unseren Gesetzen zu tun . Wer hier lebt, hat sich nach diesen Gesetzen zu richten.
Das kann doch nicht wahr sein, dass wir uns hier verbiegen, oder kann jemand Vergleichbares aus einem arabischen Land oder Isreal berichten. Wer
hält sich da schon an unser Rechtsempfinden ?

Israelitengesetz

Was ist das? Haben die Israeliten in Österreich eine gesonderte Rechhtssprechung?

Ansonsten verstehe ich nicht, wie Oskar Deutsch auf die Idee kommt, eine medizinisch nicht begründete Körperverletzung könnte unter Religionsfreiheit oder sonst irgend eine Freiheit fallen, der spinnt wohl, der Mann. (Und darf mich für diese Beleidigung gerne anzeigen.)

"Die IKG sieht die Gesetzeskonformität der traditionellen Beschneidung juristisch eindeutig und insbesonders durch das verfassungsmäßige Recht auf Religionsfreiheit und das Israelitengesetz abgesichert, schreibt der Präsident der IKG, Oskar Deutsch, in einer Aussendung."

Bitte Text! Denn so weit ich weiß, stimmt das nicht. Religionsfreiheit gibt es nur so lange damit nicht andere Gesetze berührt werden, und das ist ja wohl bei einer Körperverletzung eindeutig der Fall.

Auch Karl nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Selbstverständlich ist eine Körperverletzung ein strafrechtlicher Strafbestand, der nur dann erlaubt ist, wenn er mehr nützt als schadet.

Mag sein, dass die IKG das so sieht.

Aber wenn sie es so sehen, warum klagen sie dann auf Herabwürdigung religiöser Lehren und nicht auf Verletzung ihres Grundrechts? Hmm? Könnte es sein, dass sie genau wissen, dass sie mit dieser Rechtsansicht vor dem VfGH nicht durchkommen?

Re: "Die IKG sieht die Gesetzeskonformität der traditionellen Beschneidung juristisch eindeutig und insbesonders durch das verfassungsmäßige Recht auf Religionsfreiheit und das Israelitengesetz abgesichert, schreibt der Präsident der IKG, Oskar Deutsch, in einer Aussendung."

Es mag ja auch die religiöse Brille sein, die die Wahrnehmung erschwert.

Bis Mai diesen Jahres waren auch in Deutschland die Juden davon überzeugt, daß die Bris gesetzeskonform ist. Dabei ist dies schon seit der Weimarer Verfassung nicht der Fall.

Es gilt auch für jüdische Juristen die alte Weisheit: "Ein Blick ins Gesetzbuch verbessert die Rechtskenntnis."

Was tun gegen Beschneidung? Jetzt ganz einfach!

Wenn Sie nicht zustimmen, dass zum Zwecke der religiösen Vereinnahmung Kinder weiterhin beschnitten werden, weil sich Religionsgesellschaften dieses Privileg anmaßen, dann haben Sie jetzt die Möglichkeit auch der handlungsunwilligen Politik und Justiz ein Zeichen zu setzen:
Unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien:
www.kirchen-privilegien.at

Klage? NEIN! Es ist eine Anzeige!

Es gab keine Klage des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien gegen Shlomo Hofmeister, sondern eine Anzeige an den Staatsanwalt durch Sepp Rothwangl, der Mitinitiator des Volksbegehrens ist.
Eine Klage der IKG gegen das VBG geht daher daneben.
Sepp R.

Re: Klage? NEIN! Es ist eine Anzeige!

Ich kenne das österreichische Recht nicht.

In Deutschland ist die "Widerklage" eine Rechtsfigur im Zivilrecht, strafrechtlich geht das nicht.

Auch gibt es in Deutschland im Strafrecht die Privatklage. Bei Offizialdelikten klagt der Staatsanwalt. Wenn die Staatsanwaltschaft das nicht tut, z.B. bei mangelndem öffentlichen Interesse, kann der Geschädigte den Privatklageweg beschreiten, d.h. der Staatsanwalt ist für eine Strafverfolgung nicht zwingend erforderlich, und gerade bei Körperverletzungsdelikten ist der Privatklageweg wohl gar nicht so selten.

Das nur am Rande.

Klage? NEIN! Es ist eine Anzeige!


Toll. Jetzt müssen auch noch die Zeugen Jehovas ...

... die Blutspendeorganisationen klagen.

Re: Toll. Jetzt müssen auch noch die Zeugen Jehovas ...

Ich warte ja nur darauf, bis sich ein Satanist mal bei Menschenopfern auf sein Recht auf Religionsfreiheit beruft...

Bravo, Herr Hofmeister

Macht's euch nur unbeliebt.

Gegenklage

Die Retourkutsche des IKG gegen die Beschneidungsgegner war vorherzusehen. Anstatt froh zu sein, dass Beschneidungen straffrei sind (was sie nicht sein sollten), gehen sie nun zum Gegenangriff über. Die Staatsanwaltschaft wird auf massiven Druck sicher auch diesmal wieder im Sinne des IKG entscheiden. Wetten????
Beschneidung ist nicht nur nicht verboten; man darf nicht einmal mehr der Meinung sein, dass sie verboten gehört. Haben wir noch Meinungsfreiheit??????

Re: Gegenklage

Sie sind nicht wirklich straffrei, sondern werden ohne gesetzliche Grundlage nicht bestraft, obwohl sie natürlich bestraft werden müssten.

 
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