Dialogforum Islam: Studium für Imame kommt 2015

Eine islamisch-theologische Ausbildung startet an der Uni Wien. Zusätzlich wird eine Ombudsstelle zur Meldung „radikalisierter Jugendlicher" eingerichtet.

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(c) Fabry

Wien/EKO. „Ich bestätige, dass die Universität Wien bereit ist, an der Qualifizierung des islamischen geistlichen Nachwuchses mitzuwirken." Diese Worte von Heinz Faßmann, Vizerektor der Universität Wien, markieren die erste konkrete Maßnahme, die aus dem Dialogforum Islam hervorgegangen ist. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) hatte diese Plattform im Jänner eingerichtet, um das Zusammenleben mit den Muslimen zu verbessern.

Konkret geht es bei diesem Schritt um die Ausbildung der Imame für die heimischen Moscheen - ab 2015 sollen sie an der Universität Wien im Rahmen eines islamisch-theologischen Bachelorstudiums ausgebildet werden. Die Vorarbeiten dazu starten bereits Anfang 2013 - eine eigens gegründete Plattform unter Leitung des islamischen Religionspädagogen Ednan Aslan wird das Curriculum vorbereiten. 2014 sollen schließlich die finanziellen Ressourcen geklärt und die Professuren ausgeschrieben werden.

„Zwei bis drei Professuren für den Kernbereich sollen es werden", sagt Faßmann im Gespräch mit der „Presse", gesucht sind dabei Persönlichkeiten mit Charisma und der nötigen fachlichen Qualifikation. 2015 soll der Studiengang, gleichzeitig mit den Feierlichkeiten zu 650 Jahre Uni Wien, starten.

Dass es eine eigene islamisch-theologische Ausbildung geben wird, galt schon seit Längerem als sicher. Nicht zuletzt war das auch eines der Hauptvorhaben zum Start des Dialogforums. Mit dem Bekenntnis der Uni Wien ist nun tatsächlich ein baldiger Start absehbar, wenn es auch noch einige Hürden zu überwinden gilt. Die Finanzierung ist dabei der größte Brocken - hier wird die Universität noch mit dem Wissenschaftsministerium verhandeln.

Qualifizierte Lehrer fehlen

Der zweite Punkt ist, inwieweit die Absolventen auf dem Arbeitsmarkt überhaupt gefragt sind. Denn die Moscheenvereine sind nicht daran gebunden, ihre Imame mit Absolventen des Studiengangs zu besetzen. Hier soll ein eigener Beirat, bei dem auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) mitarbeitet, Maßnahmen überlegen, um die Anbindung an die spätere berufliche Praxis sicherzustellen. Denkbar sind etwa verpflichtende Praktika in einzelnen Moscheen, um hier eine Verbindung zu schaffen. Und schließlich könnte es schwierig werden, überhaupt qualifizierte Lehrkräfte zu bekommen. Denn noch ist die islamische Theologie im deutschsprachigen Raum nicht besonders fest verankert, der potenzielle Nachwuchs befindet sich erst in Ausbildung.

Meldung von Radikalen

Neben dem geplanten Studiengang hat das Dialogforum auch noch weitere Initiativen gesetzt, die bald starten sollen. So sollen etwa sämtliche islamischen Schulbücher überarbeitet werden, sämtliche neuen Bücher müssen vom Ministerium genehmigt werden. Weiters soll eine Ombudsstelle für radikalisierte Jugendliche eingerichtet werden, an die sich deren Angehörige wenden können - aber auch Opfer von Islamfeindlichkeit. Ein weiterer Plan ist ein Handbuch für Bürgermeister zum Thema Moscheenbau - darin sollen die wichtigsten Punkte hinsichtlich Anrainerbeteiligung, Bauordnung, Flächenwidmung und Architektur gesammelt werden. Beide Pläne sollen laut Staatssekretär Kurz noch in dieser Legislaturperiode, die im Herbst 2013 endet, umgesetzt werden.

Nicht zuletzt hat das Dialogforum angeregt, das 100 Jahre alte Islamgesetz zu novellieren - Bereiche wie Imame-Ausbildung, Seelsorge, Friedhöfe und Speisevorschriften, die nicht auf Gesetzesebene geregelt sind, sollen eingearbeitet werden. Zuständig ist das Kultusministerium von Claudia Schmied - das Staatssekretariat will sich aktiv einbringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 4. Dezember 2012)

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