Heftiger Streit unter slowakischen Bischöfen

21.12.2012 | 18:39 |  Von unserem Korrespondenten CHRISTOPH THANEI (Die Presse)

Der im Sommer abgesetzte Erzbischof Bezák hat sein vom Vatikan auferlegtes Schweigen gebrochen. Seit Monaten wurde spekuliert, dass er gehen musste, weil er einen innerkirchlichen Finanzskandal aufgedeckt habe.

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Bratislava. Zwischen den slowakischen Bischöfen herrscht Streit. Sie bezichtigen einander der Lüge, der Intrige und des Amtsmissbrauchs bis hin zum Finanzbetrug. Noch vor einem halben Jahr präsentierte sich eine der einflussreichsten Landeskirchen Europas als verschworene Gemeinschaft. Doch diese Woche musste sogar die ansonsten eher zurückhaltende Bischofskonferenz eingestehen, dass der Haussegen schief hängt.

 

„Schmerzhafte Situation“

„Die katholische Kirche der Slowakei durchlebt eine schmerzhafte Situation. Die Herzen vieler sind aufgewühlt und von Verunsicherung erfüllt“, formulierte der Erzbischof von Bratislava und Vorsitzende der slowakischen Bischofskonferenz, Stanislav Zvolenský, im Namen aller Bischöfe – mit Ausnahme jenes Verstoßenen, der den ganzen Wirbel erst ausgelöst hatte: Der Anfang Juli aus heiterem Himmel abgesetzte Erzbischof von Trnava, Róbert Bezák, hatte sich ein knappes Jahr lang dem vom Vatikan erteilten Verbot, mit Medien in Kontakt zu treten, gefügt. Doch knapp vor Weihnachten konnte sich Bezák offenbar nicht mehr zurückhalten: Er gab gleich mehrere Interviews hintereinander.

Darin bestätigte er fast alles, worüber bisher nur spekuliert wurde: Er habe bis heute keine Begründung erfahren, warum er abgesetzt wurde. Und es sei richtig, dass er die inzwischen auch von Polizei und Staatsanwaltschaft ins Visier genommene dubiose Finanzgebarung der Erzdiözese Trnava unter seinem langjährigen Vorgänger Ján Sokol zu untersuchen begonnen habe: „Das konnte doch nicht in Ordnung sein, dass die Diözese so viele Konten hatte, auf denen Geld unklarer Herkunft hin- und hergeschoben wurde.“

Sokol war wegen seines autoritären Amtsverständnisses, seiner mutmaßlichen Stasi-Vergangenheit und seiner Sympathien für das faschistische Regime des Priesters und Präsidenten Jozef Tiso (1939–1945) Zielscheibe kritischer Medienberichte gewesen. Ausgerechnet die konservative Symbolfigur Sokol wurde 2009 (nach Erreichen der Altersgrenze) durch einen weltoffenen Theologen ersetzt. Während Sokol kaum ohne sein Bischofsornat vorstellbar war, trat Bezák immer wieder in Zivilkleidung an die Öffentlichkeit, debattierte mit Jugendlichen über Sexualität und gab sich als „Bischof mit menschlichem Antlitz“, wie ihn das tschechische Fernsehen CT jüngst porträtierte.

 

Machtwort aus dem Vatikan

Dementsprechend groß war der Aufruhr über seine Absetzung. Fast 12.000 Gläubige unterzeichneten eine Petition zu seinen Gunsten mit der Hauptforderung, endlich die Gründe für die Absetzung zu nennen. Protestkundgebungen reißen seit Monaten nicht ab. Sogar Papst Benedikt XVI. sah sich genötigt, in einem Brief an seine slowakischen Schäfchen klarzustellen, er selbst habe „nach reiflicher Überlegung und Gebeten“ die Entscheidung getroffen.

Damit widerlegte er (ohne allerdings seine Gründe zu erklären) die allgemeine Annahme einer Intrige der Bischöfe gegen Bezák. Nun fordern die slowakischen Bischöfe von Bezák eine Entschuldigung dafür, dass er trotz Aufforderung des Papstes nicht sofort das Feld räumte. Zudem habe er mit seinen medialen Auftritten erst recht wieder eine Strafe verdient.

Auf einen Blick

Der im Juli abgesetzte Erzbischof von Trnava, Róbert Bezák, hatte sich ein knappes Jahr lang dem vom Vatikan erteilten Verbot, mit Medien in Kontakt zu treten, gefügt. Nun gab er mehrere Interviews, in denen er unter anderem behauptete, er habe die dubiose Finanzgebarung der Erzdiözese unter seinem Vorgänger zu untersuchen begonnen, bevor er abgesetzt wurde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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13 Kommentare

es stellen sich keine Fragen zur schmerzhaften Situation der katholischen Kirche, sondern zu ihrem schmerzhaften Zustand



- Wird es zur Aufarbeitung der „mutmaßlichen“ Stasi-Vergangenheit Sokols oder des Finanzskandals kommen?

- Was verheimlicht diese Kirche noch alles?

- Warum haben nur konservative Falken in diesem System ihren Platz, während weltoffene Sympatieträger keine Chance haben?

- Was hätte Jesus aus Natzareth zu diesen Vorgängen gesagt?

- Was ist der Unterschied zwischen dem heutigen Katholizismus und dem Kommunismus vor seinem Fall?




2 0

Re: es stellen sich keine Fragen zur schmerzhaften Situation der katholischen Kirche, sondern zu ihrem schmerzhaften Zustand

Was verheimlicht diese Kirche noch alles?

na alles geh mal googele und gib mal papst und mafia ein ^^^

Re: es stellen sich keine Fragen zur schmerzhaften Situation der katholischen Kirche, sondern zu ihrem schmerzhaften Zustand

Situation --- Zustand ???? What do you think is the differenz ?

Re: Re: es stellen sich keine Fragen zur schmerzhaften Situation der katholischen Kirche, sondern zu ihrem schmerzhaften Zustand

Wenn eine Situation lange anhält, wird sie zum Zustand.

9 0

Geldwäsche

zb durch die Vatikanbank, ist mein Hauptgrund, warum ich dieser Amtskirche fern bleibe.

Also so viel Zutrauen sollte man zu seinem Oberhirten schon haben, zumal er dies nach reiflicher Überlegung tat

Nun kann ja nicht ausgeschlossen werden, dass auch ein Oberhirte nicht alle Informationen hatte, was aber angesichts der Tragweite dieser Entscheidung eher nicht anzunehmen ist.

Es muss schon dem, der ihn in dieses Amt gerufen hat überlassen bleiben, ihn nach Abschätzung aller Für und Wider auch wieder entlassen zu können, sollte es die Gesamtsituation erfordern.

Nur, weil ein Bischof Zivilkleidung trug, muss er deswegen kein guter Bischof sein, genauso wenig ist ein hohes Priesterkollar bereits ein Zeichen für Qualität.

Man erinnere sich zudem an den zum Bischof ernannten Wagner, der bereits vor seiner Bischofsweihe wieder abberufen wurde. Wenn auch selten, aber es kommt also vor und liegt bei dem, der die Gesamtverantwortung trägt zu beurteilen, was er für die Gesamtkirche als die bessere Lösung ansieht. Jedenfalls ist es in seiner Kompetenz, auch wenn manchen, ob links oder rechts, solche Entscheidungen nicht gefallen. Sie tragen ja auch nicht die Verantwortung und haben zumeist weniger Überblick über das Gesamte.

Im Übrigen, was Sender benachbarter Staaten berichten muss nicht objektiver sein, nur weil sie von außen hereinblicken, kann auch oberflächlicher sein.


Zutrauen zu diesen Fundamentalisten ???


Nix für ungut. Den unseligen „Leider-Nein-Weihbischof“ Wagner mit seinen (w)irren Postitionen wollte Rom den Leuten auf´s Aug drücken.

Nur dem Widerstand der Menschen ist es zu verdanken, dass nicht noch ein weiterer Fundi Bischof geworden ist!


10 0

Re: Also so viel Zutrauen sollte man zu seinem Oberhirten schon haben, zumal er dies nach reiflicher Überlegung tat

Es ist leider so, dass die Politik der Oberhirten nicht immer eine kluge war - es gibt dazu genügende Nachweise aus der Kirchengeschichte. Es ist auch so, dass nicht immer Männer zu Päpsten gewählt wurden, die für diese Aufgabe geeignet waren. Dabei muss man diesen Menschen nicht unbedingt böse Absichten unterstellen. Traurig ist es dennoch. Und der Heilige Geist kann das nicht immer korrigieren, was menschliche Engstirnigkeit bewirkt.

Ob die "Politik" der Päpste immer eine kluge war,

darum geht es gar nicht. Die römisch-katholische Kirche ist von ihrem Selbstverständnis her eine hierarchische Kirche, da sie sich auf Jesus Wort an Petrus beruft und die Verantwortung trotz Kollegialität der Bischöfe primär auf den Nachfolger Petrus legt, der aber kluger Weise auch einen Rat um sich versammelt, aber letzten Endes selbst eine Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen treffen muss. So wie jeder andere, der eine Organisation oder ein Unternehmen leitet. Keiner wird behaupten, dass er darin unfehlbar ist, nicht einmal der Papst tut dies und wird demnach, so wie wir alle auch den einen oder anderen Fehler begehen.

Die Vorstellung von einem Heiligen Geist der magisch etwas "korrigiert" ist eine dem Christentum fremde, man hat sich schon als Christ dem Heiligen Geist zu öffnen, auf dass dieser wirken kann und das tut man als normaler Christ im besten Fall in jeder Situation seines Lebens, um so mehr ein Papst. Man muss daher auch ihm nicht polemisch Gegenteiliges unterstellen, zumal er dies sogar zum Ausdruck bringt, dass er "im Gebet und nach reiflicher Überlegung" eine Entscheidung getroffen hat.

Auf jene Päpste in der Kirchengeschichte, die primär Territorialfürsten waren und tatsächlich Politik betrieben, ist es müßig überhaupt einzugehen, da sich das im Allgemeinen ohnehin ausschließt weltliches und geistliches Oberhaupt zugleich zu sein.

ja, strafen .....

wofür?

für eine vernünftige Christliche Haltung,
die gegen das Macht-mißbrauchs-System in Rom aufsteht ?

Nur Gott soll das bestrafen ....

und der Bezak soll sich eine neue bessere Kirche suchen ........


Bezàk galt als „Bischof mit menschlichem Antlitz“

für solche Persönlichkeiten gibt es in der Kirche des Joseph Ratzinger und seiner Piusbrüder keinen Platz mehr

12 1

Re: Bezàk galt als „Bischof mit menschlichem Antlitz“


Erinnert irgendwie an den „Kommunismus mit menschlichem Antlitz“. Und den haben die alten Führer aus dem Kremel mit Panzern niedergewalzt…


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