Gipfel in der Votivkirche: "Wollen keine Unruhe stiften"

28.12.2012 | 15:02 |   (DiePresse.com)

Nach der Räumung des Flüchtlingscamps vor der Votivkirche: Landau und Chalupka sind enttäuscht von der Regierung. Die Sprecher der Flüchtlinge drängen auf eine Lösung ihrer Situation. Das Innenministerium sieht alle Vereinbarungen des Runden Tischs erfüllt.

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Für die Erzdiözese Wien kommt eine Räumung der Wiener Votivkirche, in der sich weiterhin rund 40 Flüchtlinge aufhalten, derzeit nicht in Frage. Dies wurde am Freitag klar, als nach der Räumung des "Protestcamps" im Votivpark eine Art ökumenischer Gipfel in der Kirche stattfand. "Eine Räumung in der jetzigen Situation schließen wir aus", sagte der Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki. Die Caritas drängt ebenso wie die Diakonie die Politik zum Handeln, und die Flüchtlinge selbst artikulierten ihren Wunsch, mit den politischen Entscheidungsträgern in Dialog zu treten.

Schutzki sowie der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau und Diakonie-Chef Michael Chalupka ließen sich demonstrativ inmitten der Flüchtlinge nieder. Auch der Superintendent der evangelischen Kirche, Hansjörg Lein, fand sich ein. Die Kirchenvertreter erörterten mit den Flüchtlingen die Lage, die Camp-Räumung war dabei indes höchstens am Rande Thema.

''Presse" vor Ort: Gedrückte Stimmung in Votivkirche

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Das Zeltlager im Sigmund Freud Park vor der Kirche wurde am Freitag frühmorgens von der Polizei geräumt. Nach Angaben der Polizei gab es keinen Widerstand und keine Verletzten. Die Asylwerber in der Votivkirche waren von dieser Aktion nicht betroffen.

Flüchtlinge: "Wir brauchen eine Lösung"

Die Sprecher der Flüchtlinge drängten auf eine Lösung ihrer Situation. Man wolle keine Unruhe stiften, betonte einer. "Wir kommen, um Hilfe zu suchen. Wir brauchen eine Lösung." Der Caritas und den Johannitern sei man für die Betreuung dankbar. Man brauche aber die Möglichkeit, direkt mit den Zuständigen in der Politik zu sprechen. Die Flüchtlinge fordern unter anderem bessere Standards in der Unterbringung und wollen vor allem "für sich selbst sorgen", sprich, eine Arbeitserlaubnis.

Sechs der Votivkirchen-Flüchtlinge sind am Freitag zumindest vorübergehend ins Krankenhaus gebracht worden. Das bestätigte Caritas-Wien-Sprecher Klaus Schwertner. Grund seien Kreislaufprobleme gewesen, die Betreffenden seien kollabiert. Voraussichtlich werde eine ambulante Behandlung nötig sein bzw. die Notwendigkeit einer stationären Aufnahme sei noch nicht geklärt.

Die Presse (Winroither)

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Landau und Chalupka versicherten den Flüchtlingen, von denen mindestens 14 im Hungerstreik sein sollen, dass man laufend versuche, der Regierung den Ernst der Lage klar zu machen. Eine Lösung in kurzer Zeit sei allerdings schwierig, gab Landau zu bedenken.

Sowohl Landau als auch Chalupka zeigten sich enttäuscht, dass nach dem sogenannten "Runden Tisch" zur Causa, an dem auch Vertreter von Innenministerium und Bundeskanzleramt teilgenommen hatten, nichts weitergegangen sei. Der Wunsch, in weitere Gespräche über asylpolitische Fragen zu treten, sei ohne Konsequenzen verhallt. "Aus unserer Sicht ist klar, dass das inhaltliche Gespräch zu diesen Themen noch zu führen ist", hielt Landau fest.

Auch Chalupka verwies auf den Wunsch der Flüchtlinge, "mit den Zuständigen" zu reden. "Da fällt keinem ein Zacken aus der Krone", meinte er in Richtung Regierung. Diese "schaut zu, wie die Kirche ein Problem hat", die Verantwortlichen würden sich die Geschehnisse in der Votivkirche "erste Reihe fußfrei" geben.

Schutzki sprach von einer "verfahrenen" Situation. Eine Räumung - die nur auf Antrag der Kirche möglich wäre - stehe jedenfalls nicht im Raum. Die Kirche versuche, "Sprachrohr" zu sein. "Doch die nächsten Schritte liegen bei der Politik." Die Gemeinde der Pfarre zum Göttlichen Heiland "unterstützt ihren Herrn Pfarrer", betonte der Bischofsvikar zudem.

Von Seiten des Innenministeriums hieß es am Freitag nach der Räumung des Camps zur APA erneut, man habe alle Vereinbarungen, die im Rahmen des Runden Tisches vergangene Woche getroffen worden waren, erfüllt. Es sei offen, ob es der Caritas - mit der man den "Hauptkontakt" in der Sache halte - gelinge, dass "alle Beteiligten" die Beschlüsse einhalten. Von Seiten der Flüchtlinge war weder das Angebot des Innenministeriums, in ihre Grundversorgungsquartiere zurückzukehren, noch jenes der Caritas zur Übersiedlung in ein Notquartier angenommen worden.

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727 Kommentare
 
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Offensichtlich liegt Erpressung vor!

Das Recht, die Möglichkeit Asyl zu erhalten ist zu kostbar, um es von realitätsfernen Chaoten, die eine Destabilisierung unserer Gesellschaft wollen, für ihre Zwecke miißbrauchen zu lassen! Diese Regierung ist unwillens und unfähig sich auch diesbezüglich für österreichische Interessen einzusetzen. Abwählen!

Landau hat offenbar den Bezug zur Realität verloren und soll dem Beispiel seines ehemaligen Caritas-Kollegen Stefan Wallner folgend den Grünen beitreten


Mit objektiver Vermittlung haben Landaus Positionen nicht nur in der Asylfrage sondern auch in anderen Bereichen wie der Pflege(finanzierung) längst nichts mehr zu tun.

Die Regierung hat sich am Runden Tisch bereits den Forderungen und Anliegen der Asylwerber, die ihr Lager in der Votivkirche aufgeschlagen haben, gewidmet. Diesen Menschen wurden faire Zugeständnisse (Wiederaufnahme in die Bundesbetreuung etc.) gemacht, allerdings können Gesetze sicherlich nicht auf Zuruf der Straße bzw. einiger weniger Demonstranten ignoriert oder gar geändert werden. Das hat nichts mit menschlicher Kälte sondern schlicht und einfach mit Demokratie zu tun. Außerdem haben die Asylwerber und deren Rechtsvertreter selbst einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Verfahrensdauer.

Die Forderungen sind nicht erfüllbar.

Und das wissen die Aktivisten auch. Es geht hier um reinen Aktionismus.
Allein die Forderung, sozioökonomische Gründe anzuerkennen, ist ein Wahnsinn. Das bedeutet nämlich: Österreich müsste jeden der 4000 Millionen Erdenbürger, denen es schlechter geht als dem Durchschnittsösterreicher, in das Land aufnehmen. Wenn sich das herumspricht, stehen 2 % dieser Bürger vor unserer Grenze. Und das sind immerhin 80 Millionen…

Re: Die Forderungen sind nicht erfüllbar.

Und spricht sich das jetzt noch mehr herum, weil Sie das hier kommentieren? Sind es dann 3% die vor unserer Grenze stehen? Warum sollen von 4 Mrd nur 80 Millionen kommen? Hast du dir das gerade ausgedacht?

Menschlichkeit

Menschlichkeit ist etwas anderes. Das Land Östereich zeigt wieder einmal ganz deutlich für was es steht: Unmenschlichkeit, Fremdenhass, Rechtspopulismus,... Nichts ist den Österreichern zuwider um Flüchltlinge loszuwerden. Da verletzen sie sogar die Genfer Flüchtlibgskonvention. Am frühen Morgen greifen sie dann ein, die Polizei, dein Freund(=), dein Helfer!). Am Tag haben sie sich zuviel geschämt. Wenigstens was.

Re: Menschlichkeit

Sie machen Ihrem Pseudonym alle Ehre. Snoopy ist Ihnen sicher überlegen.......

Wo genau und inwiefern wurde die Genfer Konvention verletzt?

Österreich hat seit Jahrzehnten viele Tausende Konventionsflüchtlinge aufgenommen.
Asyl erhält, wer Asylgründe belegen kann. Dafür ist das Asylrecht vorgesehen. Für Politisch/religiös/ethnische Verfolgte und Kriegsflüchtlinge.

Wer aus wirtschaftlichen Gründen zuwandern will, soll um die RWR-Card ansuchen.
Sie werfen einem Land, in dem 1,6 Mio Menschen mit Migr.Hintergrund (bei einer Gesamtbev. von 8,4 Mio EW) leben, allen Ernstens "Fremdenfass" vor?

Re: Wo genau und inwiefern wurde die Genfer Konvention verletzt?

die österreicher sind en gros rassisten. jeder eingewanderte kann ihnen von schikanen aus reiner boshaftigkeit wegen hautfarbe oder sprachkenntnissen erzählen.

und selbst eingewanderte mutieren oft durch eine überidentifikation mit österreich zu rassisten und wählen neben der spö mehrheitlich die fpö (die fpö umwirbt beispielsweise die serben). pervers.

korr. letzte Zeile: "...FremdenHass vor"


300 000 arbeitslose in österreich

tausende österreicher die an der armutsgrenze leben - müssen und wir lassen uns von einer handvoll flüchtlingen, die wir gar nicht wollen an der nase herumführen.

so weit hat es das einst ruhige österreich gebracht!

Re: 300 000 arbeitslose in österreich

sie DÜRFEN nicht arbeiten.

Für Strache geht es nur um eines...

geht sich jetzt, nach dem Wahlkampfschub für ihn, tatsächlich die Absolute aus oder wird es doch eine Minderheitsregierung?

In jedem Fall munkelt man, dass sich Straches Schneider, der den Frack für die Angelobung nähen soll, für 2013 schon den neuesten BMW bestellt hat.

Re: Für Strache geht es nur um eines...

heute offenbar mehr bezahlte stronach-poster hier. sagen sie strache, dass er ihnen noch mehr bezahlte poster zur seite stellen muss.

Kaum zu glauben!!

Unglaublich was da passiert! UND: Ich distanziere mich hier bewusst von ALLEN Parteien, denn (noch) gilt die Meinungsfreiheit ohne Parteilastig zu sein!!!

Die ÖsterreicherInnen sind sicher eines der spendenfreudigsten und hilfsbereitesten Menschen überhaupt. Denn sonst würde eine Institution wie die CARITAS udgl. gar nicht existieren!! Die Kirche lebt noch immer zum Großteil von der „Kirchensteuer“, also auch von uns, dem Volk. Die ausführenden Organe werden von uns bezahlt.

Jedem hilfsbedürftigen Menschen, welcher sich WIRKLICH in Not befindet, sollte auch Hilfe gewährleistet - im Rahmen des Möglichen - sein. Nur DAS, was hier passiert, hat nichts mehr mit „NOT“ und „NÄCHSTENLIEBE“ zu tun!

Diesen „ Asylanten“ wurde mehrmals angeboten, in eine warme Unterkunft mit Verpflegung und Hygieneräumlichkeiten sowie Taschengeld (!) zurück zukehren. Somit haben diese „Asylanten“ mehr Zuwendung, als manch obdachloser "Österreichischer Staatsbürger".

Die Forderung, den Arbeitsmarkt für „Asylanten“ während dem Ansuchverfahrens zu öffnen, ist schlichtweg utopisch (hier näher einzugehen wäre ebenso utopisch ;-)) )

Es gibt in Österreich selber genug zu tun, daran sollte sich der geehrte Herr Landau konzentrieren! Herr Landau sollte sich in das „Geschehen“ der an Armut leidenden Menschen in Österreich integrieren und auch dort, mitten diesen Menschen (Familien) Platz nehmen, und nicht nur als pseudosozial in der Votivkirche zwischen den "Pseudoasylanten" das Sprachrohr sein.

Re: Kaum zu glauben!!

Es ist schlicht unredlich der Caritas vorzuwerfen, sie würden sich um an Armut leidende Menschen in Österreich nicht kümmern.

Wo bitte bleibt der Respekt?

Was haben Muslime in einer katholischen Kirche verloren?

Re: Wo bitte bleibt der Respekt?

die kirche ist offen für alle. schon mal gehört? auch als aus der kirche augetretener darf ich hinein und beispielsweise alle touristen.

Re: Re: Wo bitte bleibt der Respekt?

Es gibt aber einen Unterschied zwischen Besuch und Besetzung. Und der Hausherr, der Pfarrer der Votivkirche, wurde offenbar "ruhig gestellt", weil er mit der Instrumentalisierung seiner Kirche zu einem Protestlager nicht glücklich gewesen zu sein scheint...die Caritas dürfte die neue Führungrige der Kirche in Österreich sein. Und besonders viel Toleranz gegenüber Kritik und anderen Meinungen ist anscheinend auch nicht vorhanden....warum ist das Forum zum Landau-Artikel geschlossen und gleich ALLE Kommentare gelöscht worden?
Ich verstehe jeden, der aufgrund dieser Vorgänge austritt.

Re: Wo bitte bleibt der Respekt?

Dürfen denn da nur Katholiken rein? Stimmt es vielleicht auch, dass die Katholiken der Überzeugung sind, den wahren Glauben zu besitzen und als einzige in den Himmel zu kommen, wenn sie nur brav katholisch sind?
Merkst du was? Das wirft die Frage auf, wo denn da der Unterschied liegt, ob diese oder jene Konfession...
Da sind mir dann doch die Atheisten lieber, weil die Ehrlicheren! Und einem falschen Glaube können die auch nicht anhängen.
Nicht mal aus Versehen!
Und noch etwas zum Schluss: Der wahre Glaube ist der Glaube an die Menschlichkeit und den ehrlichen Weg dorthin.

Re: Wo bitte bleibt der Respekt?

besetzung umgekehrt geht ganz sicher nicht gut aus......

Für die Erzdiözese Wien kommt eine Räumung der Wiener Votivkirche, in der sich weiterhin rund 40 Flüchtlinge aufhalten, derzeit nicht in Frage.

wann wird endlich rom und der nuntius in österreichs linkskirche eingreifen?

oder stellen wir fest, dass teile des klerus der erzdiözese wien das konkordat in frage stellen?

Re: Für die Erzdiözese Wien kommt eine Räumung der Wiener Votivkirche, in der sich weiterhin rund 40 Flüchtlinge aufhalten, derzeit nicht in Frage.

Von den "40 Flüchtlingen" sind 20
Österreicher.
Die Politik sollte rasch und entschlossen agieren.

Re: Für die Erzdiözese Wien kommt eine Räumung der Wiener Votivkirche, in der sich weiterhin rund 40 Flüchtlinge aufhalten, derzeit nicht in Frage.

Der Schönborn ist ziemlich weltfremd, genau wie der Landau.

Re: Für die Erzdiözese Wien kommt eine Räumung der Wiener Votivkirche, in der sich weiterhin rund 40 Flüchtlinge aufhalten, derzeit nicht in Frage.

diese thematik obliegt nicht den papst, sondern intus osterreich. umso schade mehr, sich von einem kirchensteuerbezahltem pfarrer denn HERRN eigenmächtig zu walten und schalten zu lassen. Sofortiger Zurücktritt. Die Kirche ist NICHT sein eigen. Sondern des dem Kirchensteuerzahler!

Re: Re: Für die Erzdiözese Wien kommt eine Räumung der Wiener Votivkirche, in der sich weiterhin rund 40 Flüchtlinge aufhalten, derzeit nicht in Frage.

schwachsinn sondergleichen. glauben sie wirklich dass ihnen alles in österreich gehört, was durch steuern gefördert wird?

Wer weiß wo die beiden sind?

Sandra Frauenberger (SPÖ):
Als Stadträtin habe ich ein großes Ressort übernommen: Neben dem Frauenbereich und der Integration fallen auch das Personal der Stadt Wien, .............in meine Verantwortung.

Sebastian Kurz (ÖVP):
Die Gründung eines eigenen Staatssekretariats war ein wichtiger und notwendiger Schritt für die Integrationspolitik. Aufgabe ist es, die Chancen und Herausforderungen von Integration aktiv anzugehen und zu einer Versachlichung des Themas beizutragen.

Sorgen und Ängste der Mehrheitsbevölkerung müssen ebenso berücksichtigt werden wie die Bedürfnisse und Anliegen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund.

 
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