Papst Franziskus: Ein Argentinier wird Bischof von Rom

Der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio ist am Mittwoch zum Papst gewählt worden. Damit ist erstmals ein Lateinamerikaner Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.(c) EPA (MICHAEL KAPPELER)

Jorge Mario Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 als eines von fünf Kindern italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren.(c) REUTERS (HANDOUT)

Bis heute hat er deshalb neben der argentinischen auch die italienische Staatsangehörigkeit. Neben Spanisch und Italienisch spricht er auch Deutsch.

Im Bild: Jorge Mario Bergoglio (hinten, 2. v. li.) mit seiner Familie auf einem undatierten Archivbild.(c) REUTERS (HANDOUT)

Er hat auf einer berufsbildenen Oberschule zunächst eine Ausbildung zum Chemie-Ingenieur absolviert, ehe er mit 21 Jahren beschloss, Priester zu werden und in das Jesuitenseminar im Stadtviertel Villa Devoto einzutreten.(c) REUTERS (HANDOUT)

1969 zum Priester geweiht, begann er eine lange Karriere innerhalb seines Ordens, wo er es 1973 bereits zum Provinzial schaffte.(c) REUTERS (MARCOS BRINDICCI)

Der Naturwissenschaftler liebt nicht die großen Auftritte und gilt als wortkarg und medienscheu. Zur Tagespolitik hält er Distanz.(c) EPA (ENRIQUE GARCIA MEDINA)

Dennoch ermahnte er die Eliten seines Landes wegen der verbreiteten Korruption und ihres verschwenderischen Lebenswandels. Seine wenigen Worte haben im traditionell katholischen Argentinien Gewicht.(c) REUTERS (ENRIQUE MARCARIAN)

Bergoglio selbst lebt Bescheidenheit vor und bewohnt statt seiner Bischofsresidenz ein schlichtes Appartement. Er geht selbst im Supermarkt einkaufen, liebt lange Spaziergänge durch seine Heimatstadt und fährt ansonsten lieber mit dem Bus als mit dem Dienstwagen.(c) EPA (CIRO FUSCO)

Darüber hinaus hat er den Ruf eines talentierten Kochs, eines Liebhabers der Oper, der griechischen Klassiker und von Shakespeare und Dostojewski und eines sportlichen Schwimmers, auch wenn er schon seit der Kindheit mit Lungenproblemen zu kämpfen hat.(c) REUTERS (ENRIQUE MARCARIAN)

Theologisch eher gemäßigt und dialogbereit, gilt Bergoglio als volksnaher "Versöhner", der der Bewegung "Comunione e Liberazione" nahe steht. Für seine Landsleute geht von dem asketischen Einzelgänger eine besondere Aura aus. Manche beschreiben ihn als faszinierend, manche als rätselhaft.(c) EPA (OSSERVATORE ROMANO)

Obwohl eigentlich medienscheu, erhob Bergoglio in den letzten Jahren immer wieder seine Stimme, um Autoritarismus und Demokratiedefizite der Regierungen von Néstor und Cristina Kirchner zu kritisieren.

Im Bild: Kardinal Bergoglio mit der jetzigen Präsidentin Argentiniens, Cristina Kirchner.(c) REUTERS (STRINGER/ARGENTINA)

Unter Bergoglio kritisierte die Kirche mehrfach die geschönten Armutsstatistiken der Regierung, und in letzter Zeit protestierte Bergoglio, der acht Jahre lang auch die argentinische Bischofskonferenz leitete, heftig gegen die Schwulen-Ehe. Argentinien hat vor zwei Jahren als erstes lateinamerikanisches Land die Ehe von Homosexuellen erlaubt.(c) REUTERS (HANDOUT)

Allerdings gilt Bergoglio nicht als theologischer Hardliner, ihm geht der Ruf nach, gemäßigt und dialogbereit zu sein. Angeblich steht er der sozial engagierten Bewegung „Communione e liberazione“ nahe. Allerdings gibt es auch einen langen Schatten in der Biographie des Jorge Mario Bergoglio: Sein Wirken während der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983.(c) REUTERS (DYLAN MARTINEZ)

Der argentinische Journalist Horacio Verbitsky schreibt in seinem Buch „Das Schweigen“, dass der Provinzial Bergoglio im Mai 1976 zwei Armenpriestern den Schutz des Ordens entzogen habe, was letztlich zu deren Verhaftung führte. Beide Männer verbrachten fünf Monate in Haft und wurden dann aber freigelassen. Andererseits gibt es Berichte, dass Bergoglio vielen verfolgten Priestern – gerade unter den Jesuiten gab es viele Anhänger der Befreiungstheologie – zur Flucht verholfen habe. Bergoglio hat 2011 in seiner autorisierten Biografie „Der Jesuit“ die Vorwürfe bestritten.(c) EPA (STR)
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