Muslime wollen gesetzliche Feiertage in Österreich

Nach den deutschen Muslimen, fordern auch die österreichischen Muslime die gesetzliche Verankerung von zwei Feiertagen, ähnlich des Karfreitags für evangelische Gläubige.

Archivbild eines muslimischen Gebetsraums in der Arbeitergasse. An den höchsten islamischen Feiertagen sollen Gläubige nicht arbeiten müssen, fordern Vertreter der Muslime in Deutschland und Österreich.
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Archivbild eines muslimischen Gebetsraums in der Arbeitergasse. An den höchsten islamischen Feiertagen sollen Gläubige nicht arbeiten müssen, fordern Vertreter der Muslime in Deutschland und Österreich.
Archivbild eines muslimischen Gebetsraums in der Arbeitergasse. An den höchsten islamischen Feiertagen sollen Gläubige nicht arbeiten müssen, fordern Vertreter der Muslime in Deutschland und Österreich. – (c) Clemens Fabry

Die Diskussion um gesetzlich geregelte Feiertage für Muslime nimmt auch in Österreich wieder Fahrt auf. Der Vorsitzende des muslimischen Zentralrats in Deutschland, Aiman Mazyek, hatte gegenüber der WAZ Mediengruppe gefordert, dass die deutschen Bundesländer gesetzliche Feiertage einführen sollten. Das wäre "ein wichtiges integrationspolitisches Zeichen" und würde "die Toleranz in unserer Gesellschaft" unterstreichen, wird Mazyek zitiert.

Mazyek denkt dabei an einen Feiertag während des Ramadans und an das islamische Opferfest. Diese Feiertage solle es nur für Muslime und nicht für alle Arbeitnehmer geben. Der Vorteil dabei wäre, dass nicht muslimische Kollegen die Arbeit an diesen Feiertagen erledigen könnten. Muslime könnten etwa bei der Polizei dafür Dienste zu Ostern übernehmen.

Gleiches Recht für alle

Auch der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich ist eine rechtliche Regelung für die Feiertage Ramadan und Opferfest ein Anliegen. Österreichische Muslime, wie auch Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften, sollten die Feiertage gemeinsam mit ihren Familien feiern können, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber DiePresse.com. Durch die Anerkennung als Religion habe man auch gleiche Rechte, sagte der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Fuat Sanac, am Donnerstag gegenüber "derStandard.at". "Zu diesen Rechten zählen auch die Feiertage."

Die Umsetzung sollte in einer Neufassung des Islamgesetzes nach dem Vorbild der evangelischen Kirche, deren Gläubige am Karfreitag arbeitsfrei bekommen, geregelt werden. Für Sanac wären gesetzliche Feiertage für Muslime auch eine Integrationsmaßnahme.

Auch in der jüdischen Gemeinde bestehe der Wunsch nach gesetzlichen Feiertagen, sagte IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer. Man habe über die gesetzliche Verankerung auch verhandelt, sei aber am Widerstand der Wirtschaftskammer gescheitert.

Feiertage in Österreich

In Österreich gibt es 13 gesetzliche Feiertage, wovon zehn in die Kategorie "kirchlich" fallen. Zusatzfeiertage gibt es bisher nur für Angehörige der evangelischen Kirchen AB und HB, der Altkatholischen Kirche und der Evangelisch-methodistischen Kirche am Karfreitag. Für Juden gilt der Versöhnungstag (Jom Kippur) laut Generalkollektivvertrag als arbeitsfreier Tag (mit gewissen Auflagen).

Islamische Feiertage sind gesetzlich nicht geregelt. Allerdings haben Schüler das Recht an den zwei wichtigsten islamischen Festen (Ramadan und Opferfest) dem Unterricht fernzubleiben, wenn sie das vorher schriftlich bekanntgegeben haben.

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker sprach sich 2011 bereits für einen gesetzlichen Feiertag für Muslime aus, wie es ihn am Karfreitag für evangelische Gläubige gibt.

Deutschland hat "keine islamische Tradition"

In Deutschland ist die Einführung muslimischer Feiertage umstritten. In der WAZ spricht sich CDU-Politiker Wolfgang Bosbach gegen gesetzliche islamische Feiertage aus, dafür gebe es "weit und breit keine Notwendigkeit", da Deutschland "keine islamische Tradition" habe. Die christlichen Feiertage, an denen derzeit die Arbeit niedergelegt wird, seien in einer christlichen-abendländischen Tradition entstanden.

Vorreiter in Deutschland war Hamburg. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) unterzeichnete im vergangenen Jahr einen Staatsvertrag mit Vertretern muslimischer und alevitischer Verbände. Darin wird festgelegt, dass muslimische und alevitische Feiertage denselben Status erhalten wie nichtgesetzliche christliche Feiertage. In Berlin wurde diese Regelung nach Hamburger Vorbild ebenso durchgesetzt.

(Red./APA)

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