Gründonnerstag: Papst wäscht jungen Häftlingen die Füße

28.03.2013 | 20:46 |   (DiePresse.com)

Franziskus zelebrierte die Messe in einer Jugendhaftanstalt. "Wir müssen uns gegenseitig helfen, das ist das, was uns Jesus lehrt", so der Papst.

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Papst Franziskus hat den ersten Abendmahlsgottesdienst seines Pontifikats am Gründonnerstag in der römischen Jugendhaftanstalt Casal del Marmo mit 49 jungen Gefangenen - 38 Männern und elf Frauen - zelebriert. Zwölf Jugendlichen verschiedener Nationalitäten und Religionen wusch der lateinamerikanische Papst die Füße. Zu ihnen zählten auch zwei Mädchen, darunter eine osteuropäische Muslimin.

"Jeder von uns muss sich fragen: Bin ich wirklich bereit, dem anderen zu dienen und ihm helfen?", fragte der Heilige Vater. "Wir müssen uns gegenseitig helfen, das ist das, was uns Jesus lehrt und das ist das, was ich tue. Es ist meine Pflicht, doch ich tue es von Herzen", sagte der Papst. Die Fußwaschung erinnere an Jesus von Nazareth, der seinen Jüngern als ein Zeichen der Liebe und Demut die Füße wusch, berichtete der Papst. Er bezeichnete Jesus' Geste als "bewegend".

An der Messe beteiligte sich eine Gruppe von 40 Freiwilligen, die die Gefangenen regelmäßig betreut. Die Texte des Gottesdienstes wurden mit Gitarrenbegleitung gesungen. Franziskus brachte den Insassen Ostereier als Geschenke mit. Die Jugendlichen übergaben ihm ein Holzkreuz und eine Betbank. Beides wurde in der Tischlerei der Jugendanstalt angefertigt. Nach der Messe hielt sich der Papst noch mit den Jugendlichen in der Sporthalle der Anstalt auf. Eine Menschenmenge hatte vor dem Eingang der Jugendanstalt auf Franziskus gewartet, um ihn zu begrüßen.

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Bisher zelebrierten die Päpste die Gründonnerstagsmesse in der römischen Lateranbasilika. Benedikt XVI. wusch bei der Messe regelmäßig zwölf Priestern die Füße. Bereits als Erzbischof von Buenos Aires hatte Kardinal Jorge Mario Bergoglio den Gottesdienst jedes Jahr in einem Gefängnis, einem Krankenhaus oder einer Unterkunft für Obdachlose gefeiert.

Feier wurde nicht übertragen

An der Zeremonie in der Jugendanstalt nahm auch die italienische Justizministerin Paola Severino teil. Mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Minderjährigen wurde die Feier nicht übertragen. Auch Benedikt XVI. hatte im "Casal del Marmo"-Gefängnis in Rom 2007 eine Messe abgehalten.

Zum Auftakt der Osterfeierlichkeiten hatte Franziskus am Vormittag im Vatikan die Chrisam-Messe zelebriert und traditionell die heiligen Öle für Taufen, Firmungen und Krankensalbungen geweiht. Dabei erneuerten zudem mehr als 1.500 Priester ihr Gelöbnis. Franziskus selbst feierte am Donnerstag das 44. Jubiläum seiner Priesterweihe.

Franziskus appellierte an die Priester, sich verstärkt um die Ausgegrenzten in den Peripherien zu kümmern. "Die Leute danken uns, weil sie spüren, dass wir unter Einbeziehung der Situation ihres Alltagslebens gebetet haben, mit ihren Leiden und ihren Freuden, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen", sagte der Heilige Vater. Priester seien "Mittler zwischen Gott und den Menschen". "So müssen wir hinausgehen, um unsere Salbung zu erproben, ihre Macht und ihre erlösende Wirksamkeit: in den Randgebieten, wo Leiden herrscht, Blutvergießen, Blindheit, die sich danach sehnt zu sehen, wo es Gefangene so vieler schlechter Herren gibt", sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

Weitere Osterfeierlichkeiten

Am Karfreitag leitet Franziskus um 17 Uhr im Petersdom den Wortgottesdienst in Erinnerung an das Leiden und die Kreuzigung Christi. Mit mehreren zehntausend Gläubigen betet er dann am Kolosseum den Kreuzweg. Die Texte beim Kreuzweg stammen diesmal vom maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Boutros Rai. Vor der antiken Kulisse gedenkt der Papst mit Gläubigen aus aller Welt der überlieferten 14 Stationen des Leidenswegs Jesu.

Nach der Feier der Osternacht mit Taufliturgie am Samstag steht am Sonntag früh die Ostermesse auf dem Programm des Papstes. Am Mittag verkündet Franziskus dann seine erste Osterbotschaft und spendet den traditionellen Segen "Urbi et Orbi", der Stadt und dem Erdkreis.

(APA)

 
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122 Kommentare
 
12 3
Lumen
29.03.2013 16:45
5

Jeder Mensch bedarf der Vergebung. Der Papst zeigt,

dass niemand die Hoffnung aufgeben darf - bewundernswert.

Lumen
29.03.2013 14:53
8

Die einen hetzen blind, die anderen tun Gutes.


k19
29.03.2013 14:01
5

Jeder von uns muss sich fragen: Bin ich wirklich bereit, dem anderen zu dienen und ihm helfen?",

helfen... zB. so wie viele Kirchenobere beim Vertuschen von Miß.brauch???

kritischer leser
29.03.2013 13:41
8

Fußwaschung in Rom

Den vielen Querulanten kann`s auch ein Papst nicht rechtmachen, da sie den Sinn der Fußwaschung einfach nicht kapieren (wollen?).

Edain
29.03.2013 13:15
7

Weil das einer der Kernpunkte ...

... der christlichen Lehre ist und eine Haltung, die uns von vielen Failed States unterscheidet. Dass jedem vergeben werden kann, der willens ist - dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Papst und Kirche beschäftigen sich überweigend mit den Opfern - wenn Ihnen dieser symbolische Akt nicht gefällt, steht's Ihnen frei, nach Albanien (Blutrache!), Nordkorea (Verfolgung bis in die 3. Generation!) oder Somalia (wahrscheinlich alles zam und noch mehr) zu verreisen.

Antworten Ministry of Peace
29.03.2013 17:06
2

"dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft"

Daß Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist einer der Sargnägel der Zivilisation.

Je mehr Kinder weggeworfen und je mehr Nachgeburten aufgezogen werden, desto besser fühlt sich der perverse Bodensatz, der glaubt "Zivilisation" definieren zu können und runiert leider nicht nur sich selbst damit, sondern alle.

Antworten Antworten Edain
29.03.2013 19:08
3

Re: "dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft"

Ist Ihr Weltschmerz heilbar?

Wie schon im Vorpost angesprochen, es steht auch Ihnen frei, in "zivilisiertere" Regionen auszuwandern, wo das Mittelalter auch heute noch gegenwärtig ist.

Antworten Antworten Antworten Ministry of Peace
29.03.2013 19:28
2

Re: Re: "dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft"

Wozu? Ihr Bessermenschen importiert es ohnehin zu uns und glaubt, mit eurem Gutmenschengewinsel über den Dingen zu stehen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Edain
29.03.2013 19:38
3

Re: Re: Re: "dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft"

Bitte lassen's so peinliche Rundumschläge. Sie scheinen zu denken, Konsequenz im Strafrecht, Fremdenrecht und der Zuwanderungspolitik sind unvereinbar mit elementaren Grundsätzen des Rechtsstaats und der Zivilisation. Da irren Sie.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Ministry of Peace
29.03.2013 21:46
2

Re: Re: Re: Re: "dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft"

Was Sie für Konsequenz halten, ist konsequente Appeasementpolitik gegenüber Abschaum.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten 15115
30.03.2013 07:09
1

Re: Re: Re: Re: Re: "dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft"

Wie wäre es mit einer österlichen Beichte und Einkehr für Sie? Bei den Hassgefühlen ...

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten WM
29.03.2013 23:56
2

Re: Re: Re: Re: Re: "dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft"

ministry of peace?
ministry of hate!
Greetings from 1984!


Antworten Edain
29.03.2013 13:16
3

Re: Weil das einer der Kernpunkte ...

Herrje, das hätte eigentlich die Antwort auf den Beitrag unter mir sein sollen. Naja.

sir007
29.03.2013 12:26
14

Die Verbrechensopfer bedanken sich

Diese Aktion des Papstes ist ein Schlag ins Gesicht aller Verbrechensopfer. Warum geht er nicht in ein Spital oder in ein Kinderheim oder in ein Altersheim - warum müssen es gerade Kriminelle sein, denen er seine päpstliche Aufwartung öffentlich erweist?

Antworten 15115
30.03.2013 07:07
0

Re: Die Verbrechensopfer bedanken sich

Weil er a) sicher kein De.. ist und b) sich etwas dabei gedacht haben wird zB c) dass das gut zur christlichen Lehre passt und d) gerade konservative Christen (keine Ahnung ob Sie einer sind) dem Papst vertrauen sollten.

Antworten halvar van flake
29.03.2013 13:47
4

also da muss sogar ich mal den papst verteidigen...

....DAS ist wirklich christliche lehre von ihren wurzeln her. vieles was der mann sonst tut und von sich gibt sicher nicht....

Antworten Edain
29.03.2013 13:16
7

Re: Die Verbrechensopfer bedanken sich

Weil das einer der Kernpunkte ...
... der christlichen Lehre ist und eine Haltung, die uns von vielen Failed States unterscheidet. Dass jedem vergeben werden kann, der willens ist - dass Täter nicht mehr an den Pranger gestellt werden, ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Papst und Kirche beschäftigen sich überweigend mit den Opfern - wenn Ihnen dieser symbolische Akt nicht gefällt, steht's Ihnen frei, nach Albanien (Blutrache!), Nordkorea (Verfolgung bis in die 3. Generation!) oder Somalia (wahrscheinlich alles zam und noch mehr) zu verreisen.

Antworten Zwanglos
29.03.2013 12:57
8

Re: Die Verbrechensopfer bedanken sich

Warum überkommt mich bei Selbstgerechtigkeit immer der Heilige Zorn?!

Ministry of Peace
29.03.2013 11:59
13

Wie in Wien ...

... würdigt die Kirche Verbrechen.

Antworten Zwanglos
29.03.2013 19:39
6

Quatsch, das erledigt schon der Bürgermeister!

Am 3.9.2009 ehrte der Wiener Bürgermeister Hr. Dr. Häupl im Rathaus die Abtreibungsklinik am Fleischmarkt für 30-Jahre Verachtung des Lebens.

So schaut's aus http://goo.gl/6u4DS

Von den Ehrungen der ehem. Frauenministerin Johanna Dohnal fang erst garnicht an.

vegetation
29.03.2013 11:36
4

froh

mah bin ich froh nicht Papst zu sein - Stinckefüsse kūssen wäre nicht meines

Thore Feuerbach
29.03.2013 11:29
21

Den christlichen Gedanken...

Den christlichen Gedanken in allen Ehren.

Verbrechern die Füße zu küssen, bringt uns aber in der heutigen Zeit nicht weiter.

Antworten Zwanglos
29.03.2013 12:59
5

Gerade das würde uns sehr viel bringen.

Die Bibel lesen ist gut, sie zu verstehen und danach zu handeln ist besser.

Antworten Antworten van_der_stiege
29.03.2013 19:53
4

Re: Gerade das würde uns sehr viel bringen.

mit dem bibel lesen hätten dann aber wohl die täter anfangen muessen.

oder steht da irgendwo, dass mord, raub (oder was auch immer die gruende sind warum die jugendlichen im gefängnis sitzen) eh nicht so schlimm ist, da die christliche lehre besagt, dass einem die opfer ohnehin vergeben muessen??

Antworten Antworten k19
29.03.2013 14:02
5

sie zu verstehen und danach zu handeln

da gibt bei den Pfaffen aber auch einigen Nachholbedarf

 
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