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Papstbesuch: Jubel und Protest in Rio

Papstbesuch Jubel Protest
Papstbesuch Jubel Protest / Bild: (c) REUTERS (RICARDO MORAES) 

Tausende Menschen bereiteten Franziskus in Rio de Janeiro einen frenetischen Empfang. Zugleich wurde aber gegen die Kosten des Papstbesuches demonstriert.

 (Die Presse)

Rio de janeiro/Apa/Kap/Dpa/Red. Der Papst soll „sehr zufrieden“ gewesen sein mit der Begrüßung in Rio de Janeiro, ließ er später wissen. Und tatsächlich bot sich dem Oberhaupt der katholischen Kirche ein beeindruckender Empfang: Menschenmassen drängten sich auf den Straßen der brasilianischen Metropole, so viele waren ihm entgegengekommen, dass Franziskus' weißer Kleinwagen einmal zwischen den Schaulustigen feststeckte. Ein Albtraum für Bodyguards – doch der Papst blieb gelassen und winkte weiter den Umstehenden zu. Nur für das letzte Stück zum Gouverneurspalast gab Franziskus den Sicherheitsbedenken der Behörden nach und bestieg anders als vorgesehen einen Hubschrauber. Außer Kontrolle geraten sei die Sicherheitslage laut dem Papst-Sekretär Federico Lombardi aber nicht.

 

Dienstag war Ruhetag

Im Gouverneurspalast angekommen zeigte sich Franziskus entspannt und gut aufgelegt. Den gestrigen Dienstag nutzte er zum Ausruhen, bevor sein Besuchsprogramm am heutigen Mittwoch weitergeht. In seiner Rede während der offiziellen Begrüßungszeremonie durch Staatspräsidentin Dilma Rousseff rückte er den eigentlichen Anlass seiner Reise in den Vordergrund: den 28. Weltjugendtag, der bis Sonntag andauert. Am Donnerstag wird Franziskus mit den Jugendlichen zusammentreffen.

 

Rousseff warb für ihren „Pakt“

Auf die Protestbewegung in Brasilien ging der Papst in der ersten Ansprache nicht unmittelbar ein – was Enttäuschung bei einigen Bürgern hinterließ. Besorgt zeigte er sich stattdessen über die hohe Jugendarbeitslosigkeit weltweit, ohne dabei konkreter zu werden – oder gar auf die sozialen Missstände in Brasilien Bezug zu nehmen. Präsidentin Dilma Rousseff dürfte es ihm gedankt haben. Sie äußerte ihre Hoffnung auf Unterstützung bei der Bewältigung von gesellschaftlichen Problemen durch die Kirche. Papst Franziskus stehe für die Werte der Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Solidarität mit den Ausgeschlossenen, sagte Rousseff zur katholischen Mailänder Tageszeitung „Avvenire“.

Die zuletzt unter Druck geratene Staatspräsidentin nutzte die Gelegenheit, um für ihren „Pakt für Brasilien“ zu werben und die „Vision einer sozialeren und gerechteren Gesellschaft“ in Brasilien zu entwerfen. Lombardi zufolge sei im Mittelpunkt des Gespräches die Lage von Jugendlichen sowie das Thema Flüchtlinge gestanden. Rousseff sei sehr beeindruckt vom Besuch des Papstes auf Lampedusa gewesen, hieß es.

In den vergangenen Wochen kam es in brasilianischen Städten immer wieder zu Protesten gegen die soziale Ungleichheit, Korruption und die hohen Ausgaben für Sport-Großereignisse wie die Fußball-WM 2014. Bei der Ankunft des Papstes kam es in der Nähe des Gouverneurspalastes zu Protesten und Ausschreitungen.

 

Molotowcocktail aus der Menge

Die brasilianische Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor, die gegen die hohen Kosten des Papstbesuches protestierten.

Hunderte Demonstranten seien von der Polizei vertrieben worden, berichteten Augenzeugen. Ein Fotograf sei blutend auf dem Boden gelegen, mindestens ein Demonstrant sei festgenommen worden. Nach Angaben von Polizisten wurde aus der Menge ein Molotowcocktail geworfen.

Der Besuch des Papstes und der Weltjugendtag kosten die brasilianischen Steuerzahler umgerechnet mehr als 40 Millionen Euro. Das Geld hätte besser ins Gesundheitswesen oder in Bildung investiert werden sollen, forderten die Demonstranten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2013)

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