Israel-"Solidaritätsreise": Österreichische Muslime kritisieren IKG

Oskar Deutsch
Oskar DeutschDie Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, reiste mit einer Delegation in den Süden Israels. Die Islamischen Glaubensgemeinschaft übt scharfe Kritik.

Eine zehnköpfige Delegation der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) besuchte "die Bewohner in Städten und Dörfern entlang des Gazastreifens, die seit 14 Jahren terrorisiert werden", heißt es in einer Aussendung von IKG-Chef Oskar Deutsch. Die Reaktion der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ließ nicht lange auf sich warten. Man habe "mit Bedauern und Verwunderung" von der "Solidaritätsreise" unter Führung vor Deutsch erfahren, so IGGiÖ-Präsident Fuat Sanac. Denn dabei seien auch israelische Soldaten, die bei der jüngsten Gaza-Offensive Israels verwundet wurden, besucht worden. Österreichische jüdische Vertreter hatten den Soldaten "für ihren Einsatz für die Sicherheit und Freiheit der Menschen" gedankt.

"Trägt nicht zum Frieden bei"

"Wir als IGGiÖ setzen uns seit Jahren für Frieden ein und halten unsere Mitglieder von jeglicher Gewalt und Aufhetze gegenüber Andersgläubigen fern; diese Haltung vermissen wir leider bei der Israelitischen Kultusgemeinde", erklärte Sanac. "Die Reise und die getätigten Äußerungen in einer Kriegssituation tragen jedoch in keiner Weise zum Frieden bei. Ganz im Gegenteil schaden sie vorwiegend der friedlichen Beziehungen in Österreich."

Äußerungen Deutschs im Zusammenhang mit der "Solidaritätsreise" qualifizierte der IGGiÖ-Präsident als "nicht nachvollziehbar". Deutsch hatte mit Blick auf die radikal-islamische Palästinenser-Organisation Hamas erklärt: "Israel ist ein Garant für das Fortbestehen des Judentums. Dieses pluralistische Land verteidigt die humanistischen Werte westlicher Demokratien. Im Gazastreifen steht der israelischen Armee ein Terrorregime gegenüber, die ihre eigene Bevölkerung unterdrückt und in den Tod schickt. Millionen von Israelis zeigen wir, dass wir hinter ihnen stehen und danken ihnen - als Juden und als Österreicher."

Sanac fordert "Solidarität mit Unterdrückten"

Sanac sprach von einer "hitzigen Debatte", die sich in sozialen Medien über die Reise entwickelt habe. Mit seiner Stellungnahme wolle er sich um Deeskalation bemühen. "Bitte lassen wir uns durch diverse Äußerungen nicht provozieren und halten wir uns an die Lehre des Islam: Wir setzen uns für den Frieden ein", appellierte Sanac an die IGGiÖ-Mitglieder. Zugleich forderte er "Solidarität mit allen Unterdrückten".

In Kario gehen Israelis und Palästinenser am Sonntag unterdessen in eine neue Runde ihre Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe. Zur Diskussion steht ein ägyptischer Vorschlag, wonach ein dauerhafter Waffenstillstand sowie erneute Gespräche in einem Monat vereinbart werden sollen. Ägypten vermittelt zwischen den Konfliktparteien. Zuletzt hatten sich Israel und die Palästinenser am Mittwochabend auf eine Verlängerung der Feuerpause um fünf Tage geeinigt.

Kernforderungen beider Seiten dürften am Sonntag aber erneut zu Konflikten führen. So will sich Israel nicht auf palästinensische Forderungen nach der Freilassung von Gefangenen einlassen. Die Hamas will dagegen nicht über die von Israel geforderte Entwaffnung der militanten Palästinenser im Gazastreifen sprechen.

>>> Aussendung der IKG zur "Solidaritätsreise"

(APA)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.