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Papst-Besuch: Laizistisches Frankreich als ruhiges Fahrwasser

12.09.2008 | 11:58 |  (DiePresse.com)

Nicht nur Präsident Sarkozy zeigt offen seine Sympathie für die katholischen Kirche. Für Benedikt XVI. wird es wohl die angenehmste Visite heuer, nachdem er in den USA und Australien mit Kritik empfangen wurde.

Papst Benedikt XVI. ist am Freitag zu seinem ersten Besuch in Frankreich eingetroffen. Vier Tage bleibt das Kirchenoberhaupt in dem Land und besucht nach der Hauptstadt Paris auch die Wallfahrtsstätte Lourdes, die dieses Jahr den 150. Jahrestag der "Marien-Erscheinungen" feiert. Höhepunkte seines Besuchs sind eine Messe vor dem Pariser Invalidendom und eine Lichterprozession in Lourdes, wo jeweils mehr als 200.000 Gläubige erwartet werden.

Den Papst erwartet - im Gegensatz zu den USA und Australien, wo es im Vorfeld heftige Kritik gab - ein warmer Empfang, fühlen sich doch einer Umfrage zufolge 80 Prozent der Franzosen katholisch. Knapp die Mehrheit der Franzosen hat von Josef Ratzinger ein positives Bild. In Frankreich ist die Trennung von Staat und Kirche seit 1905 in der Verfassung verankert, Staatschef Nicolas Sarkozy macht allerdings keinen Hehl aus seinem katholischen Glauben. Im Dezember hob der Präsident bei einem Besuch in Rom die christlichen Wurzeln Frankreichs hervor und verlangte eine "positive" Trennung von Staat und Kirche, bei der Religion "nicht als Gefahr, sondern als Trumpf" angesehen werde.

Gleich zu Beginn bei Sarkozy

Für den Papst beginnt sein Frankreich-Aufenthalt am Freitag mit einem Empfang von Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Nach einem Treffen mit Vertretern der jüdischen und islamischen Gemeinden hält er am Nachmittag eine Grundsatzrede zum Verhältnis von Kultur und Religion, anschließend feiert er in der Kathedrale Notre Dame die Abendmesse.

Am Samstag werden bis zu 200.000 Menschen zu einem Gottesdienst unter freiem Himmel vor dem Invalidendom erwartet, bevor der Papst nach Lourdes weiterfliegt. Dort feiert er mit Wallfahrern das 150. Jubiläum der Marienerscheinungen. Die Teilnahme an einer Lichterprozession, eine Rede vor der französischen Bischofskonferenz sowie am Sonntag eine weitere Messe unter freiem Himmel stehen auf dem Programm. Am Montag erteilt der Papst zehn Personen das Sakrament der Krankensalbung, bevor er die Rückreise zum Vatikan antritt.

Wie katholisch ist "älteste Kirchentochter"?

Frankreich nimmt für sich in Anspruch, "die älteste Tochter der Kirche" zu sein, seit der Frankenkönig Clovis sich im fünften Jahrhundert taufen ließ. Vier Fünftel der erwachsenen Franzosen unter 80 Jahren fühlen sich heute dem katholischen Glauben zugehörig, wie im Juli eine Studie des staatlichen Demografie-Instituts INED ergab.

Die meisten Katholiken sind es aber eher in der Theorie: Einer anderen Umfrage zufolge betet nur knapp jeder Zehnte einmal in der Woche oder mehr. Weil die Trennung von Staat und Kirche seit 1905 in der französischen Verfassung verankert ist, kann die Kirche keine Steuer erheben.

Die Hälfte der Katholiken begründet ihre Glaubenszugehörigkeit damit, dass sie in eine katholische Familie geboren wurde. Ein Fünftel der Katholiken (21 Prozent) fühlt sich tatsächlich wegen des Glaubens katholisch - und rund jeder Achte (14 Prozent) wegen seiner Wertvorstellungen. Nur jeder zwölfte geht regelmäßig in die Kirche. Überraschenderweise glauben laut der Umfrage des Magazins "Le Monde des Religions" aus dem vergangenen Jahr aber nur 52 Prozent der französischen Katholiken, dass es Gott wirklich gibt.

Die meisten Juden und Muslime Europas

Während der Großteil der französischen Bevölkerung katholisch ist, hat Frankreich mit knapp fünf Millionen Muslimen zugleich die größte muslimische Gemeinde Europas. Nach Angaben des muslimischen Rates sind etwa fünf Prozent von ihnen praktizierende Muslime. Auch die größte jüdische Gemeinde Europas lebt in Frankreich; ihr gehören zwischen 500.000 und 600.000 Menschen an. Darüber hinaus sind etwa 900.000 Franzosen protestantischen Glaubens; knapp 800.000 Einwohner gehören dem buddhistischen Glauben an.


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