08.11.2009 13:32 | Meine Presse Merkliste0

Massensuizid im Urwald: Die Kommunisten-Sekte des Jim Jones

17.11.2008 | 15:00 |  Bernhard Lichtenberger (DiePresse.com)

Vor 30 Jahren starben mehr als 900 Menschen im Dschungel von Guyana durch einen Gift-Cocktail. Den Befehl dazu gab Sektenguru Jim Jones - ein charismatischer US-Amerikaner mit offensichtlicher Paranoia.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Kinder, Frauen, Männer: 909 Menschen lagen am 18. November 1978 tot am Boden in der Dschungelsiedlung Jonestown. 909 Mitglieder der Volkstempel-Sekte (Peoples Temple), die in ihrer Kommune ihre Vorstellung von einer besseren Gesellschaft verwirklichen wollten. Gestorben sind sie zum Großteil an einem Gift-Cocktail aus Valium und Zyanid, manche starben an Schusswunden - nicht alle davon freiwillig. Den Befehl zum größte Massenselbstmord und Massenmord in der jüngeren Geschichte gab der Sektenführer James "Jim" Jones - ein charismatischer US-Amerikaner, der mit seinen Getreuen wegen realer und vermeintlicher Verfolgung aus den USA in den Dschungel des südamerikanischen Landes Guyana geflohen war.

In den 1950er Jahren gründete Jim Jones in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana die Volkstempel-Bewegung, später zog er nach Kalifornien. Mit seinen Anhängern predigte er den "apostolischen Sozialismus", der die Menschen aus der Sklaverei der Religion zur sozialistischen Erleuchtung bringen sollte. 1974 gründete Jones mitten im Dschungel von Guyana die Siedlung Jonestown, wo er seine Vision vom wahren Leben verwirklichen wollte: Rassengleichheit, soziale Gerechtigkeit und ein liebevoller Umgang miteinander sollten die Maximen in seinem "sozialistischen Paradies" sein - im Gegensatz zum Leben im "faschistischen Regime" in den USA, das nur von den großen Konzernen gesteuert sei, berichteten Mitglieder des Volkstempels.

USA ermitteln, Jones wird nervös

1978 lebten etwa 1000 Menschen in der Dschungelkolonie - gleichzeitig häuften sich in den USA Berichte von ehemaligen Sektenmitgliedern und Angehörigen, dass manche Menschen in Jonestown vergewaltigt, gefoltert und gewaltsam festgehalten wurden. Bewaffnete Wachmänner verhinderten die Flucht. Am 14. November 1978 brach der US-Kongressabgeordnete Leo J. Ryan nach Guyana auf, um die Gerüchte über Jonestown zu untersuchen. Mit ihm reisten 18 weitere Menschen, Angehörige von Sektenmitgliedern, Journalisten und Regierungsbeamte. Ohne es zu wissen, löste Ryan damit das Massaker vier Tage später aus.

Als Leo Ryan und seine Delegation am 17. November in Jonestown ankamen, hatte Jim Jones einen freundlichen Empfang für sie vorbereitet, um eine perfekte Welt vorzugaukeln. "Hier sind Leute, die finden, dass dies (die Kolonie) das Beste ist, was ihnen in ihrem Leben je passiert ist", sagte Ryan am Abend nach ersten Gesprächen. Gleichzeitig baten immer mehr Bewohner von Jonestown, mit dem Politiker die Kolonie verlassen zu dürfen.

Angriff auf Ryan: Fünf Menschen erschossen

Am Vormittag des 18. November eskalierte die Situation immer mehr: Zuerst griff ein Sektenmitglied den Kongressabgeordneten mit einem Messer an, wurde aber von anderen Volkstemplern niedergerungen. Ryan fuhr mit seiner Delegation und einigen "Abtrünnigen" zum Flughafen Port Kaituma, von wo aus sie zur Hauptstadt Georgetown gebracht werden sollten.

Dazu kam es nicht: Anhänger von Jim Jones verfolgten die Gruppe und eröffneten das Feuer auf die zwei Flugzeuge, in denen die Flüchtenden zum Teil schon saßen. Fünf Menschen wurden getötet, darunter der Kongressabgeordnete Ryan, drei Reporter und eine "Abtrünnige". Neun weitere Menschen wurden verletzt.

Einziger Ausweg: "Revolutionärer Selbstmord"

In Jonestown selbst bereitete Jim Jones auf die nahende Apokalypse vor: Die USA würden Vergeltung an den Volkstemplern üben, Fallschirmjäger würden in Jonestown landen und Alte und Kinder foltern. Weil ein ursprünglich geplanter Exodus in die Sojetunion oder nach Nordkorea nicht möglich sei, wäre der einzige Ausweg der "revolutionäre Selbstmord", ein "Tod mit Würde", ein "Tod für Menschen, die Sozialisten oder Kommunisten sind". Diese Worte von Jim Jones sind auf Tonbandaufnahmen während der letzten Versammlung der Volkstempler zu hören.

"Wenn man uns nicht in Frieden leben lässt, so wollen wir jedenfalls in Frieden sterben", sagte der Sektenführer weiter. Und: "Der Tod ist nur der Übergang auf eine andere Ebene." Eine giftige Limonade mit Zyanid und Valium wurde ausgeschenkt. Zuerst wurde den Kindern der Gift-Cocktail in den Mund gespritzt, es folgten Frauen und Männer. Die Menschen stellten sich ruhig an, gingen von der Halle weg und kippten am Wegesrand um - tot nach fünf Minuten.

Massenselbstmord und Mord

Nicht alle starben freiwillig. Die Wachmänner des Urwaldkolonie waren rund um das Versammlungshaus postiert, einige Sektenmitglieder wiesen Schusswunden auf, die sie sich nicht selbst zugefügt haben können. Einige Anhänger konnten sich auf dem Gelände verstecken, anderen gelang die Flucht in den Dschungel.

Die Gebäude von Jonestown fielen Mitte der 1980er Jahre einem Feuer zum Opfer.

 

(Red.)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

6 Kommentare
Gast: M.V.
18.11.2008 15:45
0 0

schlechtester Artikel, den ich seit langem gelesen habe


da ist selbst der Wikipedia-Eintrag näher an der Wahrheit

Und außerdem

wär es langsam angebracht, Presse-Artikel auf Wikipedia-Inhalte zu überprüfen. Der gesamte Artikel ist sowas von abgekupfert. Widerlich.

Gast: ASVG-Sklave
17.11.2008 16:45
0 0

nicht in Frieden leben lassen

Bei den Amis hat man das Gefühl, dass sie prinzipiell Kommunen nicht in Ruhe leben lassen, aus Angst, es könnte doch ein besseres Gesellschaftssystem heranwachsen. Ob dies im Dschungel von Guyana, in Texas bei den Davidianern oder in Philadelphia stattfindet (bei der Bombardierung des Sektenheims in Philadelphia, die dutzende verkohlte Kleinleichen verursachte, erklärte das FBI seine abgeworfene Brandbombe liebevoll ein "Entry-Device"), spielt dabei kaum eine Rolle.

my2cent
18.11.2008 11:50
0 0

Re: nicht in Frieden leben lassen

die usa besteht aus etwas mehr als 3 kommunen

Peregrin
17.11.2008 15:47
0 0

aus der Sklaverei der Religion zur sozialistischen Erleuchtung

Wieso werden dann da eigentlich zur Beschreibung religioes konnotierte Begriffe wie "Guru" und "Sekte" verwendet, wenn es sich da doch offenbar eher um eine Kommune von typischen Freidenkern gehandelt hat?

Antworten Gast: plebs potus
18.11.2008 08:13
0 0

Re: aus der Sklaverei der Religion zur sozialistischen Erleuchtung

Wer einen Guru braucht, kann kein Freidenker sein. Daher ist die Freiheitliche Partei ein Oxymoron, wie auch Frauenarbeitskleidung eines ist

Schlagzeilen Panorama

  • Fall Kampusch: Ermittlungen gegen Freund des Entführers
    Die Rolle von Ernst H. wird nochmals durchleuchet. Er war ein Freund des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil. Es bestehe der Verdacht, dass H. an der Entführung "unter Umständen beteiligt war", sagt der zuständige Oberstaatsanwalt.
    Schweinegrippe: Volksschule in Wien wird gesperrt
    Die Wiener Privatvolksschule "St. Thekla" in Wien-Wieden wird wegen mehrerer Erkrankungen bei Kindern nächste Woche geschlossen bleiben. Die betroffenen Kinder sind in Behandlung.
    Wie das Handy die Welt verändert
    Die Entwicklungsländer erleben eine wahre Telekommunkationsrevolution: Menschen, die nie zuvor Zugang zu einem Telefon hatten, können nun sogar per Handy Bankgeschäfte erledigen und Rechnungen bezahlen.
  • Kalaschnikow: Das Instrument des einfachen Tötens
    Michail Timofejewitsch Kalaschnikow, Erfinder des berühmten Sturmgewehrs AK-47, feiert kommenden Dienstag seinen 90.Geburtstag. Der greise Konstrukteur sieht sich selbst als Mann des Friedens und der Freundschaft.
    Köln: Grundstein für umstrittene Moschee gelegt
    Die erste repräsentative Moschee in Köln soll in zwei Jahren fertig sein. Das Projekt ist heftig umstritten. Am Rand der feierlichen Grundsteinlegung demonstrierten 60 Rechtsradikale.
    Melange modern: Was Wiener Kaffeehäuser brauchen
    Einst Avantgarde, jetzt Museum? Was Wiener Kaffeehäuser brauchen, um zu überleben. Unter anderem mehr Steckdosen und weniger Respekt vor George Clooney – und vor der Presse. Architekt Gregor Eichinger im Interview.
  • Wien: Der Nazibunker im Gallitzinberg
    Am Westrand von Wien schufen sich die Nazis vor 65 Jahren ein Bunkersystem, das bis heute Anrainer wie Historiker gleichermaßen fasziniert. Eine Ausstellung in Ottakring zeigt nun Tatsachen und Legenden.
    Tirol: Tausende Patienten-Daten weitergegeben
    Die Innsbrucker Uniklinik soll über Jahre 40.000 Datensätze an ein privates Biotechnik-Unternehmen weitergegeben, berichtet "profil". Zuerst habe es keine, dann nur eine schwammige Zustimmungserklärung gegeben.
    Erneut Amoklauf in den USA: Geldnot als Motiv
    Einen Tag nach dem Amoklauf in Texas mit 13 Toten hat in Florida ein hoch verschuldeter Mann hat an seinem Ex-Arbeitsplatz einen Menschen erschossen und fünf verletzt. Drei Stunden später wurde er verhaftet.
  • Wales: Eitler Ganove schickt schöneres Fahndungsfoto
    Eine Zeitung hat in Wales das Porträtfoto eines wegen Einbruchs gesuchten Mannes veröffentlicht. Diesem war die Aufnahme aber zu unvorteilhaft. Er schickte ein neues Bild, das ihn vor einem Polizeiauto zeigt.
    Gedenkfeier: Abschied von der alten Heimat
    Jedes Jahr zu Allerseelen treffen sich die Menschen, die unter den Nazis dem Truppenübungsplatz Allentsteigweichen mussten, zu einer Gedenkfeier. Ein Besuch in Döllersheim.
    Wie ein Provinzscheich Deutschland das Fürchten lehrte
    Der Aufruf eines Scheichs, den Mord an einer Ägypterin zu rächen, hat Deutschland in Alarmbereitschaft versetzt. Nun hat sich der Imam als islamistischer Wichtigtuer entpuppt.