Erstmals in der Geschichte der Türkischen Republik hat eine staatliche Einrichtung die christlichen und jüdischen Feiertage offiziell anerkannt. Wie die türkische Presse am Mittwoch meldete, versandte die Hochschulaufsichtsbehörde YÖK eine Liste der orthodoxen und jüdischen Feiertage an alle Universitäten, wie Kathpress berichtete.
In einer begleitenden Direktive wies YÖK-Präsident Yusuf Ziya Özcan die Hochschulen an, diese Tage allen christlichen und jüdischen Studenten, Dozenten und Angestellten auf Wunsch freizugeben. "Ich bitte darum, dies angemessen leicht zu machen und feinfühlig zu handeln", zitiert die Presse aus dem Schreiben des YÖK-Präsidenten, von dem u.a. der armenisch-apostolische Patriarch von Istanbul und der Oberrabbiner der Bosporus-Metropole Kopien zur Kenntnisnahme erhielten.
Lob von Ex-Außenministerin Plassnik
Ex-Außenministerin Ursula Plassnik hat den Schritt "als ein ermutigendes Zeichen" gewertet. "Die Türkei muss die Reformen in Richtung europäischer Standards und Werte weiter mutig fortsetzen", appellierte Plassnik laut Aussendung. Anerkennung der Vielfalt und Respekt vor religiösen Werten seien wesentliche Fundamente des "europäischen Lebensmodells", betonte die VP-Abgeordnete, der am Dienstag Parteikollege Michael Spindelegger im Amt des Außenministers nachfolgte.
Bisher durften Angehörige der Minderheiten in der Türkei auf individuellen und schriftlichen Antrag zu ihren religiösen Feiertagen freinehmen. Mit der Direktive der Hochschul-Aufsichtsbehörde bekommen sie nun erstmals ein Recht auf Feiertage.
(APA)
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