DiePresse.com

DiePresse.com | Chronik | Religion | Artikel DruckenArtikel drucken


Jeder dritte Europäer glaubt, Juden haben zu viel Macht

11.02.2009 | 16:12 |  (DiePresse.com)

Eine Umfrage zeigt, dass antisemitische Vorurteile weit verbreitet sind, vor allem in Polen und Spanien. Österreich ist im Mittelfeld. Die Briten sind am tolerantesten.

Antisemitische Vorurteile sind laut einer Studie der Anti-Defamation League (ADL) in Europa weit verbreitet. Die am Dienstag in New York veröffentlichte Umfrage ergab, dass mehr als ein Drittel der Befragten zu viel Macht von Juden in Wirtschaft und Finanzwelt sehe. Auch gebe fast die Hälfte an, dass Juden loyaler gegenüber Israel als ihrem Heimatland seien.

Für die Studie befragte die ADL nach eigenen Angaben von Anfang Dezember bis Mitte Jänner je 500 Personen in sieben europäischen Ländern befragt, und zwar in Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen, Ungarn, Spanien und Großbritannien. Die Befragten wurden demnach mit Vorurteilen konfrontiert, die sie als "wahrscheinlich wahr" oder "wahrscheinlich falsch" einstufen sollten.

Antisemitismus in Ungarn und Spanien

Der Aussage, dass Juden zu viel Macht in den Bereichen Finanz und Wirtschaft hätten, stimmten etwa 40 Prozent der Befragten zu. Am weitesten verbreitet ist dieses Vorurteil in Ungarn, wo 67 Prozent der Befragten es teilen. In Österreich stimmten 36 Prozent der Befragten dieser Behauptung zu. Dass Juden gegenüber Israel loyaler eingestellt sind als gegenüber ihrem eigenen Land, meinten 47 Prozent der befragten Österreicher.

Die Behauptung, dass Juden noch immer zu viel über die Geschehnisse des Holocaust redeten, bezeichneten laut ADL durchschnittlich 44 Prozent der Befragten Europäer als "wahrscheinlich wahr". Hier lag Österreich mit 55 Prozent gemeinsam mit Ungarn (56 Prozent) und Polen (55 Prozent) an der Spitze.

Briten sind am wenigsten antisemitisch

Allgemein sind antisemitische Vorurteile in Großbritannien am wenigsten verbreitet, während Ungarn, Polen und Spanien in fast allen Kategorien deutlich vorne liegen.

Nach Einschätzung von ADL-Direktor Abraham Foxman bestätigt die Umfrage, dass Antisemitismus in den Köpfen vieler Europäer lebendig bleibe. Er wies auf eine im Jahr 2007 durchgeführte Studie hin, die ähnliche Ergebnisse erbracht hatte. Zum Teil habe die Zustimmung zu antisemitischen Vorurteilen sogar noch zugenommen. Die jüdische Organisation ADL wurde 1913 zum Kampf gegen Antisemitismus gegründet.


© DiePresse.com