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Die Talkshow mit dem Kardinal

15.03.2009 | 18:07 |  JUTTA SOMMERBAUER (Die Presse)

Jugendliche fragen Kardinal Schönborn. Der antwortet – nicht immer direkt. Inszeniert ist die Runde als Talkshow im – etwas frostigen – Hof des Erzbischöflichen Palais.

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Es gibt einen Moment, da wird das Publikum mit dem Kardinal etwas ungehalten. „Ich verstehe es einfach nicht“, klagt das Mädchen im roten Pullover. „Warum können Frauen in der katholischen Kirche keine Priester werden?“

Dass „die“ Kirche „weiblich ist“, wie der Kardinal sagt, will der jungen Frau nicht als Antwort reichen. Dass Kirche mehr sei, „nicht nur die Priester“, nämlich ein „großer Mutterschoß ist, wo Menschen neu geboren werden“ – auch damit gibt sie sich nicht zufrieden. Vielmehr sei das „total unverständlich.“ – „Der liebe Gott hat Adam und Eva gemeinsam die Erde gegeben“, erklärt sie, „also auch die Kirche.“ Schnippische Nachfrage: „Liegt es etwa am Mangel an Testosteron?“ Eins zu null für das Mädchen.

„Konfrontation mit dem Kardinal“ – ein ungewöhnliches Format zur Hauptabendzeit, live aus der Wiener Innenstadt: Rund vierhundert Menschen haben sich am Samstagabend im Erzbischöflichen Palais versammelt, um den Fragen der Jugend an Kardinal Christoph Schönborn zu lauschen.

Inszeniert ist die Runde als Talkshow im – etwas frostigen – Hof des Palais: Der Kardinal fühlt sich sichtlich wohl im weißen Lederfauteuil, hält das Mikrofon lässig in der rechten Hand und beantwortet gut gelaunt alle Fragen der Moderatorin und des Publikums – nicht immer sehr direkt.

Eigentlich sollte es die Heimholung der kirchenfernen Jugend werden – gekommen sind freilich großteils Erwachsene. Sie müssen sich mit den hinteren Sitzreihen begnügen – und dürfen außerdem ausnahmsweise keine Fragen stellen. Die Debatte ist Teil von „Concordia 72“, einer Jugend-Sozialaktion, die vom Jesuitenpater Georg Sporschill ins Leben gerufen wurde. Am Nachmittag haben sich Sozialinitiativen vorgestellt, ein Orchester ehemaliger rumänischer Straßenkinder spielte auf, Jugendliche konnten sich für Praktika bei Hilfsorganisationen anmelden.

Benannt ist die Aktion, die „Wohlstandsjugendliche“ für soziales Engagement gewinnen will, nach einer Stelle im Lukasevangelium, in der Jesus 72 Jünger zum Dienst in Gemeinden ausschickt. „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“, heißt es. Dass diese Situation auch auf Österreich zutreffe, betont der Kardinal während des Jugendgottesdienstes in seiner Predigt – und warnt vor einer „seelischen Hungerkatastrophe“, die Opfer: Jugendliche.

 

„Gottesdienste sind langweilig“

Dass heute nur noch wenige junge Menschen regelmäßig die sonntägliche Messe besuchen (siehe Bericht unten), will der Kardinal, der „mit elf Jahren zum Glauben gefunden hat“, nicht als Versäumnis der Kirche sehen. Aber die Gottesdienste, die seien einfach so „langweilig“, klagt eine Zuschauerin. „Früher“, antwortet der Kardinal gelassen, „war die Messe noch viel langweiliger. In Latein und so.“ Und er ruft die Jugendlichen zu Geduld auf: „Manchmal braucht man einfach länger, um den Sinn der Worte zu verstehen.“

Warten? Das möchten die Jugendlichen heutzutage nicht – auch nicht bei der Sexualität, einem jener Reizthemen, zu denen sich der Würdenträger schon „hunderte Male“ äußern musste, wie er ein wenig genervt sagt. Er bleibt bei seiner – „eurer Meinung nach sicher sehr konservativen“ – Ansicht: „Sexualität wird heute von jungen Menschen zu früh ausgelebt.“

Eine junge Frau mit brünettem Haar findet es schließlich „sehr gemein“, dass die Kirche denjenigen, die „ihre Homosexualität ausleben“, die Kommunion verweigert. Schönborn: „Wenn du zu mir in den Dom kommst, werde ich nicht fragen, ob du homosexuell bist.“ Die Verweigerung der Kommunion müsse man „im Einzelfall prüfen“. Seine Nachfrage, ein wenig besorgt: „Okay?“

AUF EINEN BLICK

Debatte mit dem Kardinal. Bei einer Diskussion am Samstagabend konfrontierten Jugendliche Kardinal Schönborn mit Fragen. Organisiert hatte das Treffen im Rahmen eines „Jugendsozialtages“ Pater Georg Sporschill.

Info: www.concordia.co.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2009)

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10 Kommentare

AUSTRITT



zuständige Behörde:

die BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT (in Städten mit eigenem Statut: der Magistrat, in Wien: das Magistratische Bezirksamt)

erforderliche Unterlagen:

1. amtlicher LICHTBILDAUSWEIS
2. NACHWEIS DER MITGLIEDSCHAFT in der Glaubensgemeinschaft z.B.:

* Taufschein
* Trauschein, Firm- oder Konfirmationsbestätigung etc.
* sonstige Bestätigung über die Mitgliedschaft
* Zahlungsnachweis
* Zahlungsaufforderung

für den Austritt fallen KEINE GEBÜHREN an.

Quelle: www.help.gv.at/Content.Node/82/Seite.820003.html
(Homepage der Bundesregierung)



Antworten am27
19.03.2009 17:07
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Re: AUSTRITT

ja, danke, hat eh schon jeder kapiert.
ich rate ihnen, fenster öffnen und tief luft holen. kostet nix und geht schnell

Gast: juki
16.03.2009 19:35
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Ergänzung

Selbstverständlich ist es auch zu den im Artikel angeführten
Fragen gekommen. Und das ist gut so und dafür muss Platz sein!
Was der Artikel aber unterschlägt: Die meisten Fragen der Jugendlichen bezogen sich darauf, wer der Mensch Christoph Schönborn ist, wie er zu seinem Glauben gekommen ist u. ä.
Dieser Aspekt sollte nicht untergehen, weil die Jugend sonst sehr einseitig und oberflächlich erscheint...

Gast: orange
16.03.2009 12:57
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An Kardinal Schoenborn..

..was wissen Sie, Ich bin in einem katholischen Jungen Internat augewachsen.. vor Jahren.. Sie verweigern die Kommunion zu Homosexullen dann muessen Sie einen grossen Teil Ihrer Pfarrer entlassen.. Ich leide heute seelisch immer noch darunter.. was wissen Sie..

Das Problem ist nicht die katholische Kirche und fuer was es steht, es sind die Leute die sie leiten..und Sie sind einer von denen... Schande an Sie.

Antworten Peregrin
16.03.2009 14:27
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Re: An Kardinal Schoenborn..

In welchem Land war das denn?

Antworten Antworten Gast: orange
16.03.2009 15:50
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Re: Re: An Kardinal Schoenborn..

...Unser Land , Oesterreich..

Gast: Jugendlicher
15.03.2009 22:44
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Geduld

Wer Jesus nachfolgen will, braucht eben Geduld. Man versteht nicht alles von heute auf morgen.

Außerdem werden nicht längst alle Männer Priester. Und es ist liturgisch nur korrekt, wenn ein Mann macht, was Jesus gemacht hat: Brot Teilen und Austeilen. Damit werden Männer nicht über Frauen gestellt, es werden nur Aufgaben verteilt.

Und Jesus nachfolgen und dafür auf die Ausübung der Sexualität verzichten und in Armut leben, das ist wahre Freiheit und Erfüllung.

Doch wo sind die Jugendlichen hin? Sie laufen Amok, begehen Suizid oder landen im Priesterseminar der FSSPX oder bei Opus Dei oder bei einem konservativen Orden. Schönborn hat so viele linke und liberale Kirchenfunktionäre eingestellt, dass es den meisten kath. Jugendlichen schon verleidet wurde, sich in der Diözese zu engagieren. Ein interessantes Phänomen: Die Linken behaupten, die Kirche wäre rechts. Dabei ist sie so links, dass einem schlecht werden könnte. Und Schönborn ist schuld daran.

Antworten Hafner
16.03.2009 07:36
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König.

König hat mit dem Kotau vor den Linken begonnen.

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Kotau vor den Linken Re: König.

Diesen Unsinn mag ich nicht mehr von Ihnen lesen! Die Arbeiter sind damals (heute schon lange nicht mehr) durch die SPÖ repräsentiert gewesen und sie waren von der offiziellen Kirche durch die Schieflast zur ÖVP hin nahezu ausgeschlossen.

Jesus wäre zu ihnen noch direkter hingegangen.

Heute repräsentiert die SPÖ einen Haufen halbintellektuelle Schnösel, die von Arbeit nur schmarotzen.

Gast: Gast
15.03.2009 22:04
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„Eine junge Frau mit brünettem Haar findet es schließlich „sehr gemein“, dass die Kirche denjenigen, die „ihre Homosexualität ausleben“, die Kommunion verweigert. Schönborn: „Wenn du zu mir in den Dom kommst, werde ich nicht fragen, ob du homosexuell bist.“ Die Verweigerung der Kommunion müsse man „im Einzelfall prüfen“.“


na dann