26.05.2012 01:55 | Meine Presse Merkliste 0

Irland: Und der Vatikan schweigt

22.05.2009 | 18:33 |  Von unserem Korrespondenten AXEL REISERER (Die Presse)

Irische Kirche gerät nach Bericht über Kindesmisshandlungen unter Druck. Mehr als 30.000 Kinder durchliefen die Orte des Grauens, wo sie oft gegen den Willen der Eltern waren.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

DUBLIN/LONDON. Wenn die irische Regierung kommenden Dienstag zu einer Sondersitzung zusammentritt, wird sie ausnahmsweise nicht die katastrophale Wirtschaftslage diskutieren. Das Thema wird allerdings noch weit unangenehmer sein: Der diese Woche vorgelegte Bericht über systematischen Kindesmissbrauch in mehr als 100 Schulen und Heimen der katholischen Kirche in Irland.

Auf 2600 Seiten entsteht ein Bild der Zeit 1914–1990, das an Berichte von Gulag- oder KZ-Opfern erinnert. Mehr als 30.000 Kinder durchliefen die Orte des Grauens, wo sie oft gegen den Willen der Eltern waren. Von „einem der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte“ sprach Vizepremier Mary Coughlan.

 

Prügel, Hunde, Sexattacken

„Stoßen, schlagen, treten, auf die Handflächen mit einem Stock geschlagen werden, auf einem Haken hängend geschlagen werden, mit kaltem Wasser niedergespritzt und geschlagen werden, nackt verprügelt, vor die Hunde gehetzt werden“ – die Liste der Torturen findet ebenso wenig ein Ende wie jene der sexuellen Gewaltakte, denen Buben und Mädchen über Jahrzehnte ausgesetzt waren; „im Schlafsaal, in Autos, in Badezimmern, in der Kirche, in der Sakristei“. Kinder ab sieben wurden zur Zwangsarbeit, vorzugsweise dem Knüpfen von Rosenkränzen, genötigt.

Mehr als 800 Geistliche, Männer wie Frauen, werden der Verbrechen angeklagt. Dass sie straffrei davonkommen sollen, erregt die Iren genauso wie die brutalen Details des im Zeitraum von neun Jahren erstellten Berichts, für den man 1700 Zeugen befragte. Der Staat wusste – und schwieg. Die „Christian Brothers“, die das Gros der Horrorheime betrieben, hatten nämlich die Anonymisierung der Vorwürfe erzwungen. Und wie üblich steckte die Regierung angesichts einer Drohung der Kirche zurück.

Ebenso bei der Frage der Entschädigung: Fast 1,3 Milliarden Euro sollen an die Opfer, die heute zwischen 50 und 80 sind, bezahlt werden. Von der Kirche kommen davon nur 129 Millionen Euro. Während die Regierung diesen 2002 heimlich vereinbarten Deal verteidigt und die Kirche „keine Absicht zur Revision unserer Position“ erkennen kann, wird beiden ihre Uneinsichtigkeit zunehmend zum Verhängnis. Der Ansehensverlust der Kirche ist immens.

 

Kirche raus aus der Erziehung?

„Welche Rolle dürfen wir der Kirche in der Erziehung noch einräumen“, fragt die „Irish Times“. Der „Daily Mirror“ fordert: „Ist es nicht an der Zeit, dass die irische Kirche das Kruzifix durchs Hakenkreuz ersetzt?“ Kardinal Sean Brady, Oberhaupt der Katholiken in Irland, äußerte „tiefstes Bedauern“. Doch so feindselig ist die Stimmung, dass man in Dublin vor allem das vielsagende Schweigen des Vatikan notierte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

15 Kommentare
Nowatschek
07.02.2012 19:26
0 0

Christian Brothers sind die kath.Schulbrüder

Mehr als 800 Geistliche, Männer wie Frauen, werden der Verbrechen angeklagt. Dass sie straffrei davonkommen sollen, erregt die Iren genauso wie die brutalen Details des im Zeitraum von neun Jahren erstellten Berichts, für den man 1700 Zeugen befragte. Der Staat wusste – und schwieg. Die „Christian Brothers“, die das Gros der Horrorheime betrieben, hatten nämlich die Anonymisierung der Vorwürfe erzwungen. Und wie üblich steckte die Regierung angesichts einer Drohung der Kirche zurück.

nowatschek.snap@gmail.com

Gast: Ausgetreten
23.05.2009 12:33
0 0

Wer nicht austritt macht sich mitschuldig

Wer nicht aus der Kirche austritt und das weiter unterstützt was die Kirche die letzten 1700 Jahre angestellt hat und auch heute anstellt der unterstützt dieses System mit ihren zehntausenden Firmen und lügenden Pfarrern/Bischöfen .... .
Das ist kein Irlandproblem, das gab/gibt es überall wo es Protestanten und Katholiken als Institution gibt und es ist bei weitem nicht das einzige Problem.
Also Achtung wenn ein Pfarrer oder Bischof den Mund aufmacht. Er darf dir Wahrheit nicht sagen sonst verliert er seinen Job und auch jegliche Rentenansprüche.
Schützt eure Kinder und euch selbst.

Antworten Gast: Frohbotschaft
23.05.2009 14:04
0 0

Re: Wer nicht austritt macht sich mitschuldig

Nachdem Kardinal Schönborn zum Strache alles Nötige gesagt hat, wird er sicher gleich auch was zu dem Thema sagen. Bitte, bleiben Sie an den Apparaten!

Antworten Gast: Bösewicht
23.05.2009 12:53
0 0

Also spricht der Kommunist

und freut sich über die modernen pädagogischen Ansätze im Friedrischshof des Otto Mühl.

Gast: Bösewicht
23.05.2009 12:14
0 0

„Welche Rolle dürfen wir der Kirche in der Erziehung noch einräumen“

Welche Rolle dürfen wir dem Staat in der Altenpflege - nach Lainz - noch einräumen? Was sagt der Bundespräsident zu den Pflegeskandalen?

Was tatsächlich fehlt - und gefehlt hat, ist eine Aufsicht. Wo waren die Jugendämter in dieser Zeit?

Und dann fehlen klare Konsequenzen (=Haftstrafen) für die Verbrecher - mit oder ohne Kutte.

Fragender
23.05.2009 08:10
0 0

Warum wird in diesem Bericht von den „Christian Brothers“ geschrieben, die in Österreich „Schülbrüder“ hießen und vor einigen Jahren in „De La Salle – Schulen“ umbenannt wurden?






.

Antworten Gast: Gast2
23.05.2009 16:21
0 0

Re: Warum wird in diesem Bericht von den „Christian Brothers“ geschrieben, die in Österreich „Schülbrüder“ hießen und vor einigen Jahren in „De La Salle – Schulen“ umbenannt wurden?

laut wikipedia sind das nicht die Schulbrüder und haben nichts mit den De La Salle-Schulen zu tun.

0 0

Re: Re: Warum wird in diesem Bericht von den „Christian Brothers“ geschrieben, die in Österreich „Schülbrüder“ hießen und vor einigen Jahren in „De La Salle – Schulen“ umbenannt wurden?




@ „Schulbrüder und haben nichts mit den De La Salle-Schulen zu tun“


das ist falsch!


1. Der Orden der „Schulbrüder“ heißt im Englischen „Christian Brothers“
2. Der Ordensgründer der Schulbrüder/Christian Brothers war Jean Baptiste de La Salle
3. Die Schulbrüder wurden in Österreich vor einigen Jahren aus gegebenem Anlass in De La Salle – Schulen umbenannt




Antworten Antworten Gast: PM
24.05.2009 08:37
0 0

Re: Re: Warum wird in diesem Bericht von den „Christian Brothers“ geschrieben, die in Österreich „Schülbrüder“ hießen und vor einigen Jahren in „De La Salle – Schulen“ umbenannt wurden?

Wer war denn der Ordensgründer der „Christian Brothers“/Schulbrüder die nichts mit den De La Salle-Schulen zu tun haben…

Fragender
23.05.2009 08:09
0 0

Warum zahlt der Staat (!) für die Verbrechen der röm.-kath. Kirche?






.

Fragender
23.05.2009 08:09
0 0

Wie kann man Kinder vor diesen Irren schützen?






.

Saskatoon
23.05.2009 00:01
0 0

schweigt kirche/vatikan bei diesem

thema nicht immer und ewig.

AUSTRITT



zuständige Behörde:

die BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT (in Städten mit eigenem Statut: der Magistrat, in Wien: das Magistratische Bezirksamt)

erforderliche Unterlagen:

1. amtlicher LICHTBILDAUSWEIS
2. NACHWEIS DER MITGLIEDSCHAFT in der Glaubensgemeinschaft z.B.:

* Taufschein
* Trauschein, Firm- oder Konfirmationsbestätigung etc.
* sonstige Bestätigung über die Mitgliedschaft
* Zahlungsnachweis
* Zahlungsaufforderung

für den Austritt fallen KEINE GEBÜHREN an.

Quelle: www.help.gv.at/Content.Node/82/Seite.820003.html
(Homepage
der Bundesregierung)



pluslucis
22.05.2009 20:30
0 0

Aber wie ist es mit Österreich?

Als 2002 der Film Magdalene Sisters lief, hat die Kirche sich über die Falschdarstellung empört.

Damals ein "tiefstes Bedauern" und ein sofortiges Kooperieren und unbürokratische Soforthilfe für die Opfer hätte etwas bedeutet.
Heute würde es etwas bedeuten, einzugestehen, dass die Institution Kirche seit Jahrhunderten auf der Seite der Reichen und Mächtigen steht, und sofort in anderen katholisch geprägten Ländern vergleichbare Untersuchungskommissionen zu erbitten und zu finanzieren.
Was wäre mit einem Kardinal Schönborn, der darum bittet, die österreichischen Heime des 20. Jahrhunders sicherheitshalber untersuchen zu lassen, weil er bei dem Gedanken nicht schlafen kann, dass die Kirche auch in Österreich Leben ruiniert haben könnte und bei der Aufklärung versagen könnte?

Wenn er nur deswegen nicht schlafen kann, weil irgendetwas *auffliegen* könnte, dann wird er eben auch in ein paar Jahren sein tiefstes Bedauern ausdrücken, dass von anonym zu haltenden Personen Sünden begangen wurden. Und die Presse kann berichten, dass die Stimmung so "feindselig" ist, dass das nicht untertänigst honoriert wird.

Antworten Gast: Gast
22.05.2009 23:31
0 0

Re: Aber wie ist es mit Österreich?



Bei den im Bericht beschriebenen „Christian Brothers“ handelt es sich um den Orden, der in Österreich als „Schulbrüder“ aufgetreten ist und zuletzt in „De La Salle – Schulen“ umbenannt wurde