Dalai Lama: "Zu viele Flüchtlinge in Europa"

Europa könne nicht arabisch werden, sagt das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Flüchtlinge sollten nur vorübergehend aufgenommen werden.

Der Dalai Lama ist 1959 ins Exil geflohen.
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Der Dalai Lama ist 1959 ins Exil geflohen.
Der Dalai Lama ist 1959 ins Exil geflohen. – (c) APA/AFP/BEN STANSALL (BEN STANSALL)

Es gebe mittlerweile zu viele Flüchtlinge in Europa, sagt der Dalai Lama in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Daher sei es in der Praxis schwierig, mit den vielen Schutzbedürftigen umzugehen. Europa und zum Beispiel Deutschland könne kein arabisches Land werden, sagt das religiöse Oberhaupt Tibets.

"Auch moralisch gesehen finde ich, dass diese Flüchtlinge nur vorübergehend aufgenommen werden sollten. Das Ziel sollte sein, dass sie zurückkehren und beim Wiederaufbau ihrer eigenen Länder mithelfen", meinte der Dalai Lama. Der 80-jährige war selbst im Jahr 1959 in das indische Dharamsala ins Exil geflohen.

Der Buddhist rief aber zu Toleranz gegenüber Muslimen auf. Bösartige Leute gebe es in jeder Religion, den Buddhisten, den Christen, den Juden und den Hindus. Nur aufgrund von Fehltritten einer kleinen Zahl von Muslimen aber, sollte man nicht die gesamte muslimische Welt verurteilen.

Dalai Lama gegen Nachfolger

Über seinen Tod sagte der Friedensnobelpreisträger, er wolle "nicht in einem Krankenhaus an irgendeiner Fernbedienung hängend" sterben. Er wolle dort wiedergeboren werden, wo er "etwas Sinnvolles tun kann, wo es Leiden gibt". Ob die Institution des Dalai Lama weitergeführt wird, darüber solle das tibetische Volk entscheiden. Dennoch äußerte sich der Geistliche in der Sache: "Als 14. Dalai Lama bin ich populär und habe nie Schande über mich gebracht. Mir wäre es lieber, wenn die Tradition des Dalai Lamas mit einem solchen populären und recht guten Dalai Lama enden würde."

Tenzin Gyatso, der heutige Dalai Lama, wurde in den Dreißigerjahren als 14. Reinkarnation des Dalai Lamas erkannt. China aber besteht auf einen Nachfolger. Peking hat den mittlerweile 25-jährigen Gyaltsen Norbu, den 11. wiedergeborenen Panchen Lama, unter seine Fittiche genommen.

Es sei möglich, dass die Tibeter nach seinem Tod zu Gewalt griffen, um ihre Unabhängigkeitsbestrebungen durchzusetzen, sagte der Dalai Lama im Interview. Gewalt sei aber nur legitim: "Wenn die Umstände so sind, dass es keine andere Wahl gibt, und Mitgefühl die Motivation ist."

>>> Zum FAZ-Interview.

(maka)

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