Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hat in einem Interview mit "Radio Stephansdom" am Donnerstagabend das große Missionsprojekt "Apostelgeschichte 2010" vorgestellt. Es sei "Christenpflicht", das Evangelium als Lebensweg und Lebensprogramm anzubieten und anderen bekannt zu machen, so Schönborn laut Kathpress. In manchen Teilen der Stadt Wien seien die Katholiken eine Minderheit: "Da stellt sich die Frage, ob wir resignieren und uns damit zufrieden geben oder uns daran erinnern, dass uns Jesus einen Auftrag gegeben hat, Menschen für ihn zu gewinnen."
Man befinde sich in einer "neuen Periode" der Kirchengeschichte, mit einer kleiner gewordenen Kirche, die sich mit ihrer demografischen und gesellschaftlichen Situation schwer tue, so Schönborn. In dieser Situation gehe es um die Frage: "Was heißt es heute, den Glauben so zu verkünden und weiterzugeben, wie das die Apostel getan haben."
Schönborn gegen "Gewissenszwang"
Die Kirche "trägt einen unglaublichen Schatz für unsere Zeit in der Mitte - das Evangelium". "Apostelgeschichte 2010" solle die Katholiken auch in ihrer Gewissheit stärken, "dass der Glaube kostbar für uns und für die Gesellschaft ist". Dabei müsse die Freiheit und das Gewissen des Anderen respektiert werden, so Schönborn. "Mission darf im christlichen Sinn nie heißen Gewissenszwang oder gar Gewaltanwendung - auch wenn das in der Geschichte des Christentums immer wieder geschehen ist. Vom Evangelium her ist das völlig klar: Das ist entschieden abzulehnen."
Die stärkste Form der Mission geschehe ohne Worte, erklärte der Wiener Erzbischof: "Die Grundform der Mission ist nicht das Wort, sondern das eigene Leben."
Diözesanversammlung im Oktober
Die nächste Etappe von "Apostelgeschichte 2010" ist die erste Diözesanversammlung von 22. bis 24. Oktober. Bei der Diözesanversammlung wolle man "gemeinsam darauf schauen, was uns hilft und was uns hindert", betonte der Kardinal. Zur ersten Diözesanversammlung werden rund 1200 Delegierte aus Pfarren, Orden, Gemeinschaften und Einrichtungen der Erzdiözese Wien im Stephansdom erwartet. Zwei weitere Diözesanversammlungen sowie eine große "Missionswoche" sind für das Jahr 2010 geplant.
Bei der Diözesanversammlung sei "natürlich auch Raum für alle Klagen und Sorgen", betonte der Kardinal. Es solle nicht zum Fenster hinaus, aber "in aller Offenheit und Freiheit" gesprochen werden. Er erhoffe sich von der Diözesanversammlung einen "Moment großer Ermutigung" für alle, die in der Kirche mitarbeiten.
(Ag.)
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