Vatikan: Polizei ermittelt wegen Fake News

Die Kritiker des Papsts verschaffen sich Gehör – zuletzt mit einer gefälschten Zeitungsseite.

Papst mit grimmigem Blick samt Schelte gegen ihn: 200 dieser Plakate wurden in Rom affichiert.
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Papst mit grimmigem Blick samt Schelte gegen ihn: 200 dieser Plakate wurden in Rom affichiert.
Papst mit grimmigem Blick samt Schelte gegen ihn: 200 dieser Plakate wurden in Rom affichiert. – REUTERS

Rom. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ist vorbei. Das merkt man vor allem im Vatikan, wo der Ton gegen Papst Franziskus immer schroffer, die Kritik an ihm immer lauter und öffentlicher wird. Dass er sich mit seinem Reformeifer vor und hinter den Mauern des Vatikans nicht nur Freunde macht, dürfte Franziskus klar sein. Doch die Fälle offener – und immer schamloserer – Kritik häufen sich.

Am Wochenende der aktuellste Vorfall: Von einer anonymen E-Mail-Adresse aus wurde eine gefälschte Titelseite der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ an die Privat-Mailadressen von Kardinälen, Bischöfen und anderen Geistlichen verschickt. Neben der lateinischen Variante ist nun auch eine englische im Umlauf. „Er hat geantwortet“, so die Titelgeschichte auf dieser falschen Zeitungsseite. Eine Anspielung auf die fünf Zweifel, die Dubia, die vier Kardinäle vergangenen November in einem Brief an Papst Franziskus geäußert hatten. Stein des Anstoßes: Das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“, das Franziskus nach der letzten Familiensynode veröffentlicht hatte, und in dem er unter anderem die Kommunion von wiederverheirateten Geschiedenen thematisiert. Die vier Kardinäle sehen in dem Schreiben Widersprüche zur kirchlichen Lehre. Der Papst hat sich dazu nicht geäußert. Auf die Zweifel und die Fragen der Kardinäle lauten die erfundenen Antworten auf der gefälschten Titelseite nun: „Sic et non“ – „Ja und Nein“.

Der Widerstand gegen Franziskus' Reformen des Althergebrachten ist groß. Dass der Argentinier seit seiner Wahl am 13. März 2013 den interreligiösen Dialog fördert, Ansätze zu einer lockereren Sexualmoral erkennen lässt und offen auf wiederverheiratete Geschiedene zugeht, ist so manchem ein Dorn im Auge. Und Papst Franziskus? Den scheint die aktuelle Welle des Unmutes gegen ihn nicht aus der Bahn zu werfen. Auch nicht, als Anfang Februar Unbekannte rund 200 Plakate in ganz Rom klebten, auf denen er mit einer saftigen Schelte konfrontiert wird. An eine ähnliche derart offene und öffentliche Kritik am Papst kann sich in Rom niemand erinnern. Unbeschwert habe er reagiert, heißt es – und mit Distanz. Der Papst habe schlicht darüber gelächelt.

Trotz Galgenhumors verschließt Franziskus aber nicht die Augen vor der Kritik, im Gegenteil. Mehr als deutlich nahm er sie in seiner Weihnachtsansprache vor der Kurie auf, in der er von offenen, verborgenen und böswilligen Widerständen sprach. Kritik am Papst – das ist in der Kirchengeschichte nun aber auch nichts Neues. Die Gegner, so wird vermutet, stellen eine Minderheit dar, allerdings eine geeinte und immer stärker und vor allem lauter werdende Minderheit. Doch der Papst erfährt auch demonstrativ öffentlichen Zuspruch: So hat der Kardinalsrat, der den Papst bei den Reformen berät, am Montag Franziskus seine vollste Unterstützung zugesichert.

 

Fälscher aus hohen Kreisen?

Gegen die unbekannten Verfasser der gefälschten Zeitungsseite und diejenigen, die hinter der Plakataktion stehen, wird derzeit ermittelt. Ob sie tatsächlich aus hohen Kreisen der Kirche kommen? Dagegen spräche das (schlechte) Latein, in dem die Texte auf der Zeitungsseite geschrieben sind.

Der Direktor des „Osservatore Romano“, Gian Maria Vian, zeigt sich jedenfalls gelassen: „Der ,Osservatore Romano‘ ist viel schöner als die Fake-Version, nicht nur in puncto Grafik, sondern auch, was das Latein angeht. Diese Fälscher sind echte Dilettanten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2017)

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