Schönborns Reform: Jeder zweite Priester skeptisch

Wiens Erzbischof hat ein Problem. Er will Pfarren durch Zusammenlegung vergrößern. Groß ist auch im fünften Reformjahr der Widerstand der Seelsorger. Und: Jeder vierte Kleriker hat Probleme mit dem Zölibat.

Kardinal Christoph Schönborn.
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Kardinal Christoph Schönborn.
Kardinal Christoph Schönborn. – (c) REUTERS

Wien. Ungefähr die Hälfte der Berufs-Seelsorger (inklusive Pastoralassistenten also, die Laien sind) lehnt die Zusammenlegung der bestehenden 660 Pfarren zu größeren Einheiten ab, wie sie Kardinal Christoph Schönborn plant. Noch größere Vorbehalte gibt es bei den Priestern der Erzdiözese Wien. Dies erklärte der Papstoralpsychologe Christoph Jacobs am Freitag bei einem Pressegespräch.

Grundlage seiner Aussagen ist eine Seelsorgestudie, wie sie auch schon in 22 Diözesen Deutschlands durchgeführt wurde. Die Arbeit selbst wird für die Öffentlichkeit unter Verschluss gehalten. Lediglich ausgewählte Ergebnisse der Studie wurden am Freitag Journalisten präsentiert.

Aber die sind teilweise brisant. Denn laut Jacobs empfinden zwar 72 Prozent der Priester (61 Prozent waren es in Deutschland) die zölibatäre Lebensform (Verbot der Eheschließung) als hilfreich. Aber: Jeder Vierte gibt an, den Zölibat für sich als Belastung zu erleben.

Im Bereich der Gesundheit der Seelsorger sieht der Studienautor neuralgische Punkte.

Viertel mit Alkoholproblem

21 Prozent der Priester sind laut seinen Angaben übergewichtig und jeder Vierte sollte wegen seines Konsums von Alkohol einen Arzt konsultieren, wie sich der Studienautor ausdrückte. Zum Vergleich: Dieser Wert liegt über dem erst jüngst veröffentlichten gesamtösterreichischen Durchschnitt, wonach 19 Prozent der Männer einen problematischen bis gefährlichen Umgang mit Alkohol pflegen.

Höher als in Deutschland ist laut den teilveröffentlichten Ergebnissen die Lebenszufriedenheit der Seelsorger, die Arbeitszufriedenheit liegt im Durchschnitt. Dies befinde sich „in beachtlicher Spannung“ zur als problematisch empfundenen Qualität von katholischer Kirche als Organisation. Es bestehe Skepsis der Seelsorger bezüglich Zukunftsstrategie sowie Prioritäten und darüber, dass die Diözese die Zukunft meistern werde. Dennoch sei Burnout „eher ein geringes Problem“, wie es in einem verteilten Thesen-Papier von Jacobs heißt. Wichtig für die Gestalter der Wiener Strukturrefom ist ein anderer Befund: Laut Jacobs sei die Größe einer Pfarre für Gesundheit, Zufriedenheit und Belastung ohne jede Bedeutung – im Gegensatz zur Spiritualität.

„Rüttelstrecke des Aufbruchs“

Generalvikar Nikolaus Krasa interpretiert die Ergebnisse so: Er sehe die Grundannahme des Erneuerungsprozesses bestätigt. Das Verteilen der Seelsorger bei gleich bleibenden Strukturen sei ungesund. Angesprochen auf Widerstände der Seelsorger meinte er: „Das ist noch nicht in allen Köpfen. Hier gibt es großen Gesprächsbedarf. Wir befinden uns auf der Rüttelstrecke des Aufbruchs.“ (d. n.)

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