Der Islam als Fragensammlung

Die Uni Innsbruck hat ein Online-Islamportal entwickelt, auf dem Experten Fragen beantworten und Missverständnisse lösen sollen – als Gegenstück zu einseitigen Infos im Netz.

Zum Thema Islam gibt es viele Fragen – ein Onlineportal will Antworten geben.
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Zum Thema Islam gibt es viele Fragen – ein Onlineportal will Antworten geben.
Zum Thema Islam gibt es viele Fragen – ein Onlineportal will Antworten geben. – (c) Clemens Fabry

Wien. Was ist Halal, und was heißt Haram? Brauchen Moscheen Minarette? Und was bedeutet eigentlich „Allahu Akbar“? Die Liste an Fragen, die es zum Islam gibt, ist lang. Wobei die genannten Beispiele eher zum Basiswissen gehören und mit einer quasi lexikalischen Antwort wohl zufriedenstellend gelöst werden können. Schwieriger, weil theologisch und ideologisch nicht immer ganz eindeutig, sind dann schon Fragen wie jene, ob muslimische Kinder am Schwimm- und Turnunterricht teilnehmen dürfen. Oder wieso es zu Radikalisierung kommt.

Ein Team der Universität Innsbruck hat sich dennoch darangemacht, Antworten auf Fragen wie diese zu finden. Geleitet wird es von Zekirija Sejdini, der als Vertreter eines europäisch-liberalen Islam gilt. Er möchte auf dem Portal das „Konzept einer kontextuellen Prägung des Islam, die Zusammenleben, Kultur und Werte in Österreich und Europa im Fokus hat“ in den Mittelpunkt stellen. Und das „mit wissenschaftlich fundierten, objektiven, kontextuellen und kritischen Informationen“ zu Themen rund um den Islam.

Ein Gegenstück soll es sein zu oft einseitigen und voreingenommenen Informationen, die sich so oft gerade im Netz finden. Umgekehrt möchte man aber sehr wohl den schnellen und einfachen Zugang zu Infos im Internet nutzen. Beiträge gibt es bereits zu mehreren Themen, etwa über den Propheten Mohammed, den Islam in Europa, aber auch über Fragen zur Rolle des Gender im Islam – etwa mit einem Aufsatz zu feministischen Ansätzen bei Musliminnen.

Das Portal soll laufend um weitere Fragen und Antworten erweitert werden. Um Fragen zu stellen, müssen sich User vorher auf der Seite registrieren. Als weiteres Service wird auf der Seite eine Expertenliste geführt, versehen mit Kontaktdaten und den Fachgebieten, in denen sie bei Fragen weiterhelfen können. Darunter finden sich unter anderem Mouhanad Khorchide, der in Münster islamische Religionslehrer ausbildet, aber auch die deutsche Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, Religionspädagoge Ednan Aslan von der Uni Wien oder der deutsche Historiker Erdal Toprakyaran.

Aslan und Khorchide waren auch am Podium, als die Plattform Dienstagabend bei einer Veranstaltung des Österreichischen Integrationsfonds präsentiert wurde. Die beiden Experten diskutierten mit Soziologin Evrim Ersan-Akkilic (Universität Wien) und Nahostexpertin Karin Kneissl sowie Portalgründer Sejdini über einen europäischen Islam. Dabei betonte vor allem Kneissl, dass man bei der Diskussion immer vergesse, dass der Islam schon einmal viel weltoffener gewesen sei. Sie habe in den 80ern in Jordanien in einer Frauenmannschaft Basketball gespielt. „Da wäre es niemandem eingefallen, Frauen nicht zum Turnunterricht zu schicken.“ Auch das Tragen eines Kopftuchs sei weniger verbreitet gewesen. Sie meint, dass Kriege dazu geführt hätten, dass sich Menschen mehr mit Religion identifizieren als mit ihrer Staatszugehörigkeit. Als Beispiel nennt sie die Bosnier im Jugoslawien-Krieg. Damals hätten viele gedacht: „Wir werden verfolgt als Muslime, jetzt leben wir als Muslime.“

 

Räume der Begegnung

Aslan kritisierte, dass das europäische Gesicht des Islam fehle. Khorchide wiederum meint, dass man den Menschen zeigen müsse, wie das Leben in Europa sei. Es brauche „Räume der Begegnung“, denn die Angst vor dem Islam sei immer dort besonders groß, wo es keinen Austausch zwischen Muslimen und Nichtmuslimen gebe. Dem stimmte Sejdini zu: Auch müsse eine Religion „immer lokale Gegebenheiten akzeptieren“.

Web: www.islamportal.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2017)

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