Flüchtlinge bringen Kirche mehr Zulauf

Zahl der Erwachsenentaufen hat sich mehr als verdoppelt.

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(c) APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Die Erzdiözese Wien freut sich über neue Mitglieder – nicht Kinder, sondern Erwachsene. Es sind vor allem Flüchtlinge aus dem Iran und Afghanistan, die zum Christentum konvertieren. Mehr als doppelt so viele Anwärter als im Vorjahr erhielten nach der verordneten Vorbereitungszeit die Zulassung zur Taufe.

Die Erzdiözese berichtete am Freitag in einer Aussendung von einem „sprunghaften Anstieg“ bei erwachsenen Taufwerbern. 254 Frauen und Männer nahmen am Donnerstag an der Zulassungsfeier mit Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn in Wien teil. 2016 waren es nur 121. Bei der Zulassungsfeier erhalten die Taufbewerber (Katechumenen) nach einer mindestens einjährigen Vorbereitungszeit (Katechumenat) die bischöfliche Erlaubnis zur Taufe.

Die einjährige Frist und Richtlinien für Taufwerber waren vor einem Jahr wegen der Nachfrage von den christlichen Kirchen verordnet worden, da sich immer mehr Asylwerber aus islamisch geprägten Ländern taufen lassen wollen. Die Feier am Donnerstagabend fand aus Diskretionsgründen nicht öffentlich statt, da einige Taufbewerber, vor allem aus dem Iran, Repressalien gegen ihre Angehörigen zu Hause fürchten – dort steht auf das Konvertieren die Todesstrafe.

Kardinal Schönborn sprach bei der Feier von „einem großen und bewegenden Tag für die Kirche von Wien“. Dass heute 254 Menschen sagten, „dass sie Christus nachfolgen und in seiner Gemeinschaft leben wollen“, sei „auch ein Ruf an uns – die wir das Glück und Privileg haben, von Kind an im Glauben aufzuwachsen, aber vielleicht vergessen haben, wie kostbar das ist“.

 

80 Prozent Muslime

„Noch nie hatten wir in unserer Diözese eine so große Zahl Erwachsener, die getauft werden wollen“, sagte Friederike Dostal, Leiterin des Erwachsenenkatechumenats der Erzdiözese Wien. „Die Freude ist groß.“ Von den 254 Katechumenen aus 19 Nationen haben rund 80 Prozent islamischen Hintergrund, die meisten der anderen Taufwerber sind ohne Religion aufgewachsen.

Die Taufen selbst finden in den kommenden Monaten in den Pfarren und Gemeinden statt. Während die Erwachsenentaufen stark angestiegen sind, gibt es laut Erzdiözese bei den Kindertaufen eine Stagnation: Für heuer werden rund 9000 erwartet. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2017)

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