Islamwarner aus Ägypten nahm ungarische Staatsbürgerschaft an

Der streitbare Jesuitenpater und frühere Chef der Caritas in Ägypten, Henri Boulad, will so ein Zeichen zugunsten restriktiver Immigrationspolitik setzen. Europa verstehe die "wahre Natur des Islam nicht" und werde durch politische Korrektheit "demoliert".

Pater Boulad bei einem Besuch in der Schweiz anno 2015.
Schließen
Pater Boulad bei einem Besuch in der Schweiz anno 2015.
Pater Boulad bei einem Besuch in der Schweiz anno 2015. – Jacques Berset/cath.ch

Der Jesuitengeistliche Henri Boulad (85) ist eine jener Stimmen, die vor dem sich ausbreitenden Islam warnt. Vor wenigen Wochen hat der langjährige ägyptische Jesuiten-Provinzial, Direktor des "Jesuit Cultural Center" in Alexandria und frühere Chef der Caritas in Ägypten nun die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen, wie die katholische Agentur "Kathpress" am Freitag meldete. Und der Grund dürfte in politisch korrekten Kreisen übel einschlagen: Er habe das getan, um die restriktive Migrationspolitik des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán zu unterstützen und entsprechenden Einfluss auf die europäische Zuwanderungspolitik auszuüben - das erklärte der gebürtige Alexandriner und Sohn einer syrisch-italienischen Familie in einem Interview für die ungarische Wochenzeitung "Heti Válasz", dessen Wortlaut das österreichische Magazin "Kirche In" in seiner aktuellen Mai-Ausgabe auf Deutsch veröffentlicht hat.

Boulad, auch Professor der Theologie, hat mehr als 30 Bücher auf Französisch und Arabisch publiziert, viele davon wurden auch auf Deutsch veröffentlicht. Sie handeln meist von christlicher Spiritualität. In Frankreich bekam er den "Ordre national du Mérite", den nationalen Verdienstorden, verliehen.

Während einer Ägyptenvisite des ungarischen Vizepremiers Zsolt Semjén bat Boulad demnach um die ungarische Staatsbürgerschaft. Die Bitte wurde rasch per Dekret erfüllt: Mitte März sprach der Jesuit bei einer Zeremonie im Budapester Parlament den Eid.

"Orbán-geführtes Ungarn traf die richtige Entscheidung"

Mit der Annahme der ungarischen Staatsbürgerschaft wolle er "signalisieren, dass das von Viktor Orbán geführte Land in der Frage der Migrationskrise, welche die Existenz Europas gefährdet, die richtige Entscheidung getroffen hat", sagte Boulad. "Ich möchte (...) auf der Seite der Ungarn und Orbáns für die Zukunft und für die christlichen Werte kämpfen."

Pater Boulad erhält das Staatsbürgerschaftsdokument von Vizepremier Zsolt Semjén im Parlament
Schließen
Pater Boulad erhält das Staatsbürgerschaftsdokument von Vizepremier Zsolt Semjén im Parlament
Pater Boulad erhält das Staatsbürgerschaftsdokument von Vizepremier Zsolt Semjén im Parlament – kdnp/kormany.hu

 

Prinzipiell sei eine Unterstützung von Flüchtlingen und Armen "richtig und gut", sagte Boulad, "aber etwas mehr klarer Kopf würde dabei auch gut tun". Die Aufnahmefähigkeit Europas habe "ihre Grenzen". Er kritisiert "bedingungslose Zuwanderung" und warnt vor einer künftigen muslimischen Bevölkerungsmehrheit auf dem Kontinent. Schon 2010 stellte er fest, dass Europa „die Seele abhanden gekommen sei".

"Man kann sich trotz Ehrlichkeit irren"

Zurückhaltend bewertet der ehemalige Caritas-Chef für Ägypten (1984-1995), der von 1991 bis 1995 auch stellvertretender Vorsitzender von "Caritas Internationalis" für Nordafrika und den Nahen Osten war, daher auch die Flüchtlingshilfe seiner katholischen Kirche und diverser NGOs: Entsprechende Initiativen, etwa auch die Flüchtlingsmission der ungarischen Jesuiten oder die "Vorhaben des Papstes", seien "großartig und vom Evangelium her motiviert". Man könne sich aber "trotz der Ehrlichkeit irren", so der Ordensmann: "Ich meine, dass der Westen und der Papst die wahre Natur des Islam nicht kennen."

Nach dem Selbstverständnis des Islam sei nämlich "ein friedliches Zusammenleben auf längere Zeit unmöglich, oder nur unter der Bedingung, dass sich die Christen als zweitrangige Bürger zufriedengeben", sagte Boulad. Er bewundere Papst Franziskus zwar, sei aber mit ihm in der Frage der Migration und des Islams uneins. Franziskus hat sich schon mehrfach für eine Art "Politik der offenen Tür Europas" gegenüber Zuwanderungsfordernden ausgesprochen.

"Begreifen vor politischer Korrektheit die Gefahr nicht"

Maßgebliche Politiker in Europa, aber auch die Kirche unterschätzten aus seiner Sicht die von herrschenden Strömungen im Islam ausgehende Gefahr. "Politische Korrektheit", meinte der Jesuit wörtlich, "demoliert den Westen: "Sie macht es unmöglich, dass wir die wirkliche Gefahr des Islam begreifen".

Die Kirche habe sich nämlich leider großteils die Sichtweise des französischen Islamologen Louis Massignon (1883-1962) angeeignet, für den der mystische Sufismus das Wesen des Islams bedeutet habe. Der Islam habe jedoch historisch nicht diesen "mekkanischen", sondern den "medinischen" Weg gewählt, der ihn bis heute bestimme: "Die Suren des Korans, die gegen die Ungläubigen zur Gewalt und zum Jihad aufrufen, stammen aus der Medina-Zeit [des Propheten Mohammed, Anm.], die toleranten, mystischen Suren aus der Mekka-Zeit."

"Rom", so Boulad, verstehe dies nicht und die Ostchristen, die den Islam näher kennen, würden nicht nach ihren Erfahrungen mit Moslems gefragt.

Die katholische Kirche, so der Befund des Geistlichen, stütze sich beim Verhältnis zum Islam meist auf die Expertise von "Experten, die in Paris, Berlin oder Amerika als durchaus großartige Islamologen gelten, deren Ansichten aber rein akademisch sind", und sei so "in die Falle des christlich-islamischen Dialogs geraten, der in Wirklichkeit einem Dialog von Tauben gleicht".

Dialog mit Islam mache wenig Sinn

Boulad sieht diesen Dialog auch nach 50 Jahren "noch immer bei seinem Ausgangspunkt". Große Ankündigungen über Reformen im Islam hätten meist kaum Konsequenzen.

Der streitbare Jesuit beklagte sich auch, dass es mit ihm selbst ebenso wenig einen Dialog gebe. Französische und kanadische Bischöfe etwa hätten seine Auftritte in ihren Ländern aus falschem christlichen Verständnis und politischer Korrektheit heraus verboten. "Massen von gemäßigten und intelligenten Muslimen und Musliminnen denken wie ich. Sie versuchen, den Islam zu zerstören, um die Musliminnen und Muslime zu retten", zeigte sich Boulad in dem Interview überzeugt.

(apa/kathpress)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Islamwarner aus Ägypten nahm ungarische Staatsbürgerschaft an

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.