Diskriminierung von Muslimen steigt

Die EU-Grundrechteagentur ortet wachsende Attacken gegen muslimische Zuwanderer und weist Ansichten zurück, wonach diese Migrationsgruppe nicht zur Integration bereit sei.

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Themenbild: Islam in Europa – (c) APA/AFP/ZAKARIA ABDELKAFI

Wien. Ängste und Vorbehalte sind eng miteinander verwoben. Nachdem sich bei vielen EU-Bürgern das Gefühl verstärkt hat, sie würden von einer Flut von zugewanderten Muslimen überrollt, fühlt sich nun auch diese religiöse Gruppe in Europas Gesellschaft ausgegrenzt. Laut einer heute, Donnerstag, präsentierten Studie der EU-Grundrechteagentur (FRA) erlebten zuletzt weit mehr Muslime eine Diskriminierung als noch 2008.

FRA führte eine EU-weite Umfrage unter 25.000 Muslimen durch, die ihren neuen Heimatländern ein eher kritisches Zeugnis ausstellten. Gaben vor neun Jahren in einer gleichlautenden Umfrage lediglich zehn Prozent dieser Zuwanderungsgruppe an, sie seien allein aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit in den vergangenen Jahren Diskriminierungen ausgesetzt gewesen, sind es mittlerweile 17 Prozent. Die Diskriminierungen werden etwa bei der Job- oder Wohnungssuche, in der Arbeit oder beim Umgang mit Behörden erlebt. Österreich ist dabei keine Ausnahme: 21 Prozent der hier lebenden Muslime fühlen sich in diesen Bereichen wegen ihrer Religion diskriminiert. Noch höher ist der Wert in den Niederlanden (42 %) und Spanien (52 %), deutlich geringer in Großbritannien (10 %).

Noch größer ist das Empfinden, wegen der eigenen ethnischen Herkunft oder des Migrationshintergrunds diskriminiert zu werden. 27 Prozent nahmen hierzu negative Vorfälle in den vergangenen fünf Jahren wahr.
Dazu kommen verbale und körperliche Attacken in der Öffentlichkeit. So hat etwa die Debatte über das Tragen von Kopftüchern und Verschleierungen zu vermehrten Kontroversen geführt. 39 Prozent der muslimischen Frauen, die in der Öffentlichkeit ein Kopftuch oder einen Gesichtsschleier tragen, berichten von Belästigungen, verglichen mit 23 Prozent der nicht verschleierten Frauen. Auch die Hasskriminalität steigt. 27 Prozent der muslimischen Befragten waren im vergangenen Jahr aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder ihres Migrationshintergrunds Angriffen ausgesetzt. Besonders betroffen von solchen negativen Erlebnissen fühlen sich Muslime aus Nordafrika oder afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Erfahrung mit ethnischer Ausgrenzung
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Erfahrung mit ethnischer Ausgrenzung
Erfahrung mit ethnischer Ausgrenzung – Quelle: FRA, EU / Grafik: "Die Presse"

Zugehörigkeitsgefühl

Die Einstellung der Muslime zu ihrer neuen Heimat ist abgesehen von den empfundenen Diskriminierungen und Attacken eher positiv. 76 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu dem Land, in dem sie jetzt lebten. 53 Prozent sind bereits Staatsbürger dieses Landes. Insgesamt ist ihr Vertrauen in öffentliche Einrichtungen höher als das entsprechende Vertrauen der Stammbevölkerung. Dieses Vertrauen betrifft staatliche Einrichtungen wie Justiz und Polizei, aber beispielsweise auch das nationale Parlament.

„Die Ergebnisse unserer Erhebung zeigen, dass es vollkommen lächerlich ist zu behaupten, Muslime wären in unserer Gesellschaft nicht integriert“, schrieb FRA-Chef Michael O'Flaherty in einer Aussendung zur Studie. „Das Gegenteil ist der Fall: Wir stellen fest, dass ihr Vertrauen in die demokratischen Institutionen größer ist als bei weiten Teilen der Allgemeinbevölkerung.“ O'Flaherty kritisiert, dass jeder Fall von Diskriminierung die soziale Inklusion behindere.

Auffallend ist, dass Muslime weniger Probleme mit anderen Religionen haben als ihre Gastgeber. 92 Prozent gaben an, dass es ihnen nichts ausmache, einen direkten Nachbarn mit anderer Religionszugehörigkeit zu haben. Umgekehrt gaben 20 Prozent der EU-Bürger an, sie hätten ein Problem, würde ein Muslim im Nachbarhaus oder in der Nachbarwohnung einziehen. In Österreich lag dieser Wert bei einer EU-weiten Umfrage sogar bei 31 Prozent.

Geringer ist die Toleranz allerdings bei Ehen mit nicht muslimischen Partnern. Lediglich 48 Prozent der befragten Muslime gaben an, dass es ihnen „überhaupt nichts ausmachen“ würde, würde ein Familienangehöriger eine nicht muslimische Person heiraten.

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