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Missbrauchsfälle in Deutschland: Razzia im Kloster

03.03.2010 | 10:16 |   (DiePresse.com)

Fast täglich werden neue Vorwürfe und Missbrauchsfälle bekannt. Das bayerische Kloster Ettal wurde von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Unterdessen spricht man bereits von 250 Opfern.

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Bei den Missbrauchsfällen in katholischen deutschen Bildungseinrichtungen muss offenbar von weit höheren Opferzahlen ausgegangen werden. Die Vorsitzende des im Jahr 2004 gegründeten Vereins ehemaliger Heimkinder e.V., Monika Tschapek-Güntner, sagte der "Berliner Zeitung": "Wir können die Zahl der Opfer gar nicht überschauen. Durch den Skandal um die Jesuitenschulen melden sich täglich auch bei uns weitere Betroffene."

Tschapek-Güntner erklärte, dass rund 70 Prozent der 450 Vereinsmitglieder sexuellen Missbrauch in einem Erziehungsheim erlitten hätten, meist in den 50er bis 70er Jahren. "Zirka 80 Prozent unserer Mitglieder waren in katholischen Heimen, die anderen in evangelischen oder staatlichen Heimen." Demnach handelt es sich um mindestens 250 mutmaßliche Opfer katholischer Erzieher, meistens Ordensbrüder, die bisher nirgends erwähnt würden.

Neue Verdachtsfälle in Bayern und Sachsen

Indes sind in neue Verdachtsfälle in Bayern und Sachsen bekannt geworden: Im katholischen Internat des Maristenordens im bayrischen Mindelheim ist der ehemalige Leiter unter Verdacht geraten. Vertreter des Ordens bestätigten der "Augsburger Allgemeinen", der langjährige Leiter des Knabeninternats sei im August 2007 nach Anzeigen zweier Internatsschüler von seinem Posten abberufen und versetzt worden. Auch die Staatsanwaltschaft Memmingen habe den Fall bestätigt. Nach deren Angaben wurde der Ordensmann zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Tat selbst habe sich im Jahr 2004 zugetragen, schreibt das Blatt.

Razzia im Kloster

Zum ersten Mal seit Beginn des Skandals gab es auch eine Razzia in einem Kloster: Am Dienstag durchsuchte die Münchner Staatsanwaltschaft das oberbayerische Kloster Ettal, wie die Deutsche Presse-Agentur dpa erfuhr. Dort sollen Schüler von Geistlichen sexuell missbraucht worden sein. "Seit Nachmittag laufen Ermittlungen vor Ort in Anwesenheit der Staatsanwaltschaft", bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II. Ob es in der deutschen Nachkriegsgeschichte überhaupt schon einmal eine Razzia in einem Kloster gegeben habe, konnte ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz auf Nachfrage nicht beantworten.

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen an dem Benediktinerkloster wurden auch drei Mönche aus dem Kloster Wechselburg in Sachsen suspendiert und von ihren seelsorgerischen Aufgaben entbunden. Gegen sie lägen Missbrauchsvorwürfe aus ihrer Zeit an der Schule und dem Internat in Ettal vor, teilte das Bistum Dresden-Meißen am Dienstag mit. Damit wurde ein Bericht der in Chemnitz erscheinenden "Freien Presse" bestätigt.

Was genau den Männern vorgeworfen wird, wisse man nicht, sagte ein Bistumssprecher. Verdachtsfälle aus dem Kloster Wechselburg gab es bisher nach Angaben des Bistums nicht, Bischof Joachim Reinelt kündigte aber an, Anhaltspunkten auf mögliche Verdachtsfälle gründlich nachzugehen. Einer der drei Mönche sei für das Jugend- und Familienhaus des Klosters in Wechselburg verantwortlich gewesen.

Das Erzbistum München-Freising bestätigte am Dienstag einen Missbrauchsfall in einer Münchner Pfarrei. In den Jahren zwischen 2002 und 2003 habe sich ein ausländischer Ordensgeistlicher mehrmals an einem damals 13-jährigen Mädchen vergangen. Nach seiner Versetzung in eine Pfarrei in Fürstenfeldbruck und einer Bewährungsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs kam es dort trotz eines kirchlichen Verbots für Jugendarbeit möglicherweise zu weiteren sexuellen Übergriffen auf zwei Mädchen. Der Bistumssprecher kündigte rückhaltlose Aufklärung an, der Mönch sei inzwischen in seine Heimat zurückgekehrt.

Missbrauch in niederländischem Internat

Auch in den Niederlanden wird nun wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch in einem katholischen Internat ermittelt: Der Orden Salesianer Don Boscos will Untersuchungen einleiten. Die Opfer seien ihre "größte Sorge" und sie hätten ein Recht darauf, dass das, was ihnen angetan worden sei, anerkannt werde, erklärte der Orden. Daher habe der Orden, der das Internat in der Region Arnheim leitete, die Eröffnung einer Untersuchung der Fälle entschieden.

Am Freitag hatte eine niederländische Zeitung vom Schicksal eines früheren Internatschülers berichtet, der von Geistlichen sexuell missbraucht worden sein soll. Bisher seien drei Opfer identifiziert worden, erklärte der Orden. Die Vorfälle seien zwar verjährt, da das Internat bereits 1971 geschlossen wurde. Die Untersuchung soll nun aber Aufschluss über weitere Opfer zwischen 1958 und 1971 geben. Auch die Rolle des Ordens selbst soll geprüft werden. Geleitet wird die Untersuchung demnach von der Bischofskommission "Hilfe und Recht". Die niederländische Bischofskonferenz will kommende Woche darüber befinden, ob die Untersuchung auf weitere Orden und frühere Internate ausgeweitet werden soll.

Die Salesianer Don Boscos tauchten auch im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen an katholischen Einrichtungen in Deutschland auf. Medienberichten zufolge hatten katholische Geistliche zwischen 1960 und 1975 in zwei ehemaligen Heimen des Ordens in Augsburg und Berlin junge Menschen missbraucht.

(Ag.)

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18 Kommentare
Gast: Peter2509
03.03.2010 13:12
0 3

peterweinhold@msn.com

Wer sitzt bitte in Untersuchungshaft. Man komme mir nicht mit Verjähreng. Da wurden schon Leute eingesperrt, die ihre Heute erwachsenen Stieftöchter vor zig Jahren mißbraucht haben. Das Problem ist, den ganzen Tag wird von Kindesmißbrauch trompetet. Wenn ein "normaler " Bürger das macht ist ein Riesentheater und " der Ruf wird laut"....
In Wahrheit sind es die Eliten, die Massenhaft Kinder mißbrauchen. Das sind nämlich auch die, die es sich leisten können, weil sie das Geld und den Einfluß haben.

0 0

"...Verjähreng..."

Da wird's eng!

Antworten Antworten Gast: Peter2509
09.03.2010 21:39
0 0

Re: eng?

Ja so ist das. Man will Verbrecher in Schutz nehmen und da einem die Argumente fehlen, macht man sich über Tippfehler lustig. Armer Kerl. Jesuit was?

lilli
03.03.2010 04:06
1 5

Erbe

Im Gegensatz zur weltlichen Politik hat die Kirche niemals den Missbrauch oder auch nur irgendeine sexuelle Betätigung ihrer Mitarbeiter gutgeheißen. Die katholische Kirche hat die strengste Sexualmoral überhaupt, strenger als die der Protestanten, strenger als die der Muslime (zB keine Scheidung, kein himmlisches Bordell, schon der Gedanke daran ist als Sünde gewertet).

Trotzdem, und sicher nicht deswegen, gibt es Verbrecher die diese Regeln missachten und die Kirche in den Schmutz ziehen. Diese Sünder müssen nach geltenden Gesetzen (was sonst) verurteilt werden und sich später ihrem Herrn gegenüber verantworten – und der hat diesbezüglich wenig Einsehen.

Der Rest ist willkommene He.tze gegen eine Institution die seit 2000 Jahren versucht das Erbe Jesu Christi präsent zu halten.

1 3

Wer hören will, der höre!

Dazu muss "lilli" aber erst die Taufkerzen aus den Ohren ziehen.
Wer sehen will, der sehe!
Dazu muss "lilli" beim Augenauswaschen auf Weihwasser verzichten!

Antworten ger49
03.03.2010 13:56
1 2

Re: Erbe

Wer sich mit der wahren Lehre Jesu befasst, weiss, dass die Kirchen nichts mit Gott zu tun haben!!! Jesus lehrte in seiner Neuoffenbarung die Verbrechen der Kirchen und sagte auch deren Ende voraus! Die Kirche hält kein Erbe Jesu präsent, sondern täuscht und belügt die Gläubigen, rein um des Geldes Willen. Wo steht, dass Gott diese Zeremonien, dieses Gepläre, diesen Reichtum und all diese Verbrechen der Kirchen will? Das Gegenteil kann man jedoch sehr wohl nachlesen. Nur das wird verheimlicht, denn wer will schon die Wahrheit dieser Einrichtung hören! Aber wer Gott wirklich sucht, findet auch die Wahrheit!!!

Antworten Antworten lilli
04.03.2010 03:58
0 1

Re: Re: Erbe

Das interessiert mich, die Behauptung Gott sei da und dort zu finden gibt es zu Hauf. Die Protestanten und speziell die Evangelikalen haben ein Patent darauf Gott sola scriptura, also nur in der Bibel zu finden, die Pantheisten in allem, die Muslime nur in Allah etc. Wo ist die verheimlichte Wahrheit? Wo kann man das Gegenteil nachlesen?

Antworten Gast: Gast
03.03.2010 07:39
3 1

@ „Die katholische Kirche hat die strengste Sexualmoral überhaupt“




die kranke Sexualmoral der katholischen Kirche zieht kranke Menschen an



EIN Beispiel für die kranke Sexualmoral der katholischen Kirche:



„Ein weiteres heißes Eisen ist das strikte Nein der Kirche zum Gebrauch von Kondomen, das viele Priester und Nonnen, die in der Aids-Hilfe arbeiten, infrage stellen. Im Afrika südlich der Sahara liegen nach Angaben des UN-Aidsprogramms (UNAIDS) die von der Krankheit am schlimmsten betroffenen Länder der Erde. Etwa 22 Million HIV-infizierte Menschen leben in dieser Weltregion - zwei Drittel aller Fälle weltweit. 75 Prozent aller Aids-Toten sind in Schwarzafrika zu beklagen.“



http://diepresse.com/home/panorama/religion/461669/index.do



l e s e n s w e r t





ger49
03.03.2010 00:06
3 1

Kirchen ohne Kontrolle

Wann wird man auch in Österreich munter? Kontrolle aller Kloster und anderen kirchlichen Einrichtungen wären zwingend nötig!!! Jeder Bürger wird genauestens unter die Lupe genommen, ausgenommen Politiker, Banken und Kirchen. Und dann soll es jemand wundern, dass genau in diesen Bereichen die allergrössten Gauner zu Hause sind? Wie viele Opfer müssen noch daran glauben, bis das volk munter wird und gegen diese Verbrechen ankämpft?

Gast: Denkanstoß
02.03.2010 19:22
4 3

mit ihrem Kirchenbeitrag finanzieren Sie Missbrauch mit System


Antworten Gast: Denkanstoß 2
03.03.2010 07:40
2 1

mit Ihrem Kirchenbeitrag finanzieren Sie Missbrauch mit System


Steininger
02.03.2010 13:23
0 0

Da haben die Jesuiten in Berlin

wohl versehentlich die Büchse der Pandora aufgemacht.

Gast: P.M.
02.03.2010 09:51
5 2

die Ursachen für den Missbrauch in der katholischen Kirche: ihr System und ihre Sexualmoral




Wenn schon ein Opfer die Scham überwindet und das Schweigen bricht, was erwartet ihn zunächst einmal in einem Missbrauchssystem? Verleugnung und Vertuschung hat in der katholischen Kirche einen institutionellen Rahmen:


1. zuerst wird ihm nicht geglaubt
2. dann wird vertuscht
3. dann, wenn das nicht mehr geht wird das Opfer beschuldigt und diskreditiert.
4. wenn auch das nicht mehr geht fängt man an sich zu entschuldigen und von „Einzelfällen“ zu sprechen.
5. wenn auch das nicht mehr geht waren andere Schuld

Und das geht solange weiter, bis die Ursachen beseitigt werden. Und die Ursachen sind nicht die Täter und Mittäter alleine, sondern die Geisteshaltung in der so etwas gedeihen kann.

Solange die Strukturen dieses Missbrauchssystems und die kranke katholische Sexualmoral nicht geändert werden, wird es weiter zu Missbräuchen kommen.

Dann wieder heißen „wie konnte so etwas nur passieren“ oder „alles nur Lüge“ oder „die Anderen sind schuld“…




Antworten Gast: Gast
02.03.2010 10:03
4 2

die Antwort der Menschen auf dieses Missbrauchssystem




Austritte aus der röm.-kath. Kirche in Österreich

2007 … 36.858
2008 … 40.595
2009 … 53.216 (!)

2010 ... ?



Priesterweihen in der röm.-kath. Kirche in Österreich

2008 … 41 (bei gerade noch ca. 5.380.000 Katholiken)

2009 … ?



Besucherschwund bei den Weltjugendtagen

2005 … 800.000 (Köln)
2008 … 400.000 (Sydney)

2011 … ?




Gast: Zyniker
02.03.2010 09:31
4 0

@ „Mehr als 250 Opfer?“





vor ein paar Tagen waren es noch 150 „Einzelfälle“…





Gast: Blitzky
02.03.2010 09:10
6 0

Lebt eigentlich der ehemalige Wiener Erzbischof Groer noch?

Seine Art der Problemlösung, nämlich alle Missbrauchsopfer die den Mund aufmachten als "Verleumder" hinzustellen, ist inzwischen Gott sei Dank etwas aus der Mode gekommen. Im politischen Bereich ist das bei uns aber immer noch das Mittel der Wahl. Wer gegen die Parteibuchwirtschaft aufmuckt und auspackt wird als Verleumder hingestellt, siehe den Fall Haidinger - STrasser.

Antworten Steininger
02.03.2010 13:27
0 0

Re: Lebt eigentlich der ehemalige Wiener Erzbischof Groer noch?

Groer starb am 24. 03. 2003.

tomschi
02.03.2010 08:35
6 0

Und wie viele sind es,...

... die zwar nicht sexuell missbraucht wurden aber doch ständig Gewalt ausgesetzt waren?