Die Welle von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche schwappt auf Österreich über. Am Montag gab Bruno Becker, Erzabt des Salzburger Benediktinerstiftes St. Peter, seinen Rücktritt bekannt. Die Benediktiner nahmen die Entscheidung mit sofortiger Wirkung an. In einer vom Stift ausgesandten Stellungnahme erklärte er, dass er vor mehr als 40 Jahren einmalig an einem damals Minderjährigen eine „sexuelle Handlung“ vorgenommen habe. Zum Zeitpunkt der Tat sei er 24 Jahre alt und noch nicht Priester gewesen. Danach, so heißt es in der Aussendung des Stifts, habe es in der gesamten seelsorgerischen Tätigkeit Beckers keinen einzigen Vorfall dieser Art gegeben.
Als Becker im Herbst 2009 zum Erzabt gewählt worden war, meldete sich allerdings der Betroffene über einen Ombudsmann. Zwar kam es zu Gesprächen zwischen dem Geistlichen und einer Vertrauensperson des Opfers, bei dem Becker um Verzeihung für seine Tat gebeten haben soll, allerdings habe das Opfer auf ein Gesprächsangebot nicht reagiert.
Aussprache im November
In einem Interview mit dem ORF-Radiosender Ö1 beschuldigt das damalige Opfer, ein heute 53-Jähriger, auch zwei frühere Benedktiner, ihn in St. Peter sexuell missbraucht zu haben. Sechs Jahre lang sei es immer wieder zu Missbräuchen durch die zwei Patres gekommen, auch in deren Zellen. Aus Scham und wegen des psychischen Drucks der Beschuldigten konnte er erst etliche Jahre später über die Vorfälle reden. Er wolle nun ein Ende der Vertuschungen erreichen und andere Opfer zum Sprechen bewegen.
Der Fall sei im vergangenen Jahr der Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs der Erzdiözese Wien bekannt geworden, schilderte Prior Korbinian Birnbacher. Am 22. November sei es dann zu einer Aussprache zwischen dem Opfer, Becker und dem Wiener Ombudsmann gekommen. Der Erzabt habe sich dort entschuldigt.
Der Leiter der Ombudsstelle, Hans Reißmeier, appellierte an alle eventuellen Opfer, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. "Ich stehe ganz klar auf der Seite der Opfer", hielt Reißmeier fest.
Schmerzens-, nicht Schweigegeld
In einem Schreiben bot der Geistliche dem 53-Jährigen 5000 Euro an. Laut ORF ersuchte der Erzabt in dem Brief das Opfer, keine weiteren Schritte mehr zu veranlassen. "Das ist der höchste Betrag, über den der Erzabt ohne Kontrollmechanismen alleine verfügen darf", sagte der Prior. Die angebotene Zahlung sei nicht als Schweige- sondern als Schmerzensgeld gedacht gewesen, sagte der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser im Morgenjournal von Ö1.
Der Fall ist auch der Salzburger Justiz bekannt. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch am 18. Jänner 2010 ein, "da das Opfer nicht aussagen wollte", wie Mediensprecherin Barbara Feichtinger mitteilte. Der Grund sei nicht erfragt worden, man könne niemanden zu einer Aussage zwingen. Da sich daher aber auch keine Tatzeiten ermitteln ließen, wurde das Verfahren eingestellt.
Missbrauch in Vorarlberger Klosterschule
Im Internat des Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters Mehrerau ist in den 1980er-Jahren offenbar ebenfalls ein Schüler sexuell missbraucht worden. "Wir hatten einen Fall", räumte Abt Anselm van der Linde im Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten" ein. Der Pater habe den Missbrauch gestanden und sei anschließend nach Tirol versetzt worden. Eine Anzeige habe es nicht gegeben, erklärte Van der Linde, der die Leitung des Klosters vor einem Jahr übernommen hat.
Der Vater des Jugendlichen habe damals auf eine Anzeige verzichten wollen, sofern der Pater sofort aus der Schule abgezogen wird, so Van der Linde. Die Mehrerau habe den heute 74-Jährigen daraufhin sofort nach Tirol versetzt und den Tiroler Bischof informiert, sagte Van der Linde. Der Pater habe eine Therapie absolviert und wirke heute noch als Priester in Tirol, so der Abt. Mittlerweile ist der Priester beurlaubt worden. In einem Schreiben bat der Abt die Opfer um Entschuldigung.
(APA/Red.)
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