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Verfolgt im Iran: Friedlich und vogelfrei

13.03.2010 | 18:41 |  von HENRYK M. Broder (Die Presse)

Weil sie sich vom Islam losgesagt und ihr Zentrum in Israel haben, gelten die Bahai als Ketzer und Spione.

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Anders als Jerusalem und Tel Aviv hat Haifa, die dritte israelische Großstadt, wenig Sehenswertes anzubieten. Die Israelis sagen: In Jerusalem wird gebetet, in Tel Aviv gefeiert und in Haifa gewohnt. Die Hafenstadt liegt an einem Berg. Je höher man kommt, umso besser wird die Luft und schöner die Aussicht. Den besten Blick hat man von einer Aussichtsplattform inmitten der „Hängenden Gärten“ der Bahai, einer entlang einer Achse symmetrisch angelegten Parkanlage, die von der Unesco zum Weltkulturerbe gezählt wird: die „Hängenden Gärten“ der Bahai sind das grüne Herz der Stadt, größer als Sanssouci, schöner als Schönbrunn.


Das Haus der Gerechtigkeit. Der Besucher staunt. Mit so etwas hat er mitten im Orient nicht gerechnet. Und wenn er dann in seinem Reiseführer nachschlägt, erfährt er, dass er nicht eine Parkanlage, sondern das Hauptquartier einer Weltreligion besucht. Hier, auf dem Berg Karmel in Haifa, stehen die wichtigsten Institutionen der Bahai: das Haus der Gerechtigkeit, das Internationale Lehrzentrum, das Internationale Archiv sowie das Zentrum für das Studium der Heiligen Texte.

Die meisten Besucher haben noch nie etwas von den Bahai gehört. Sie wissen, dass sie im Heiligen Land unterwegs sind, um das sich Christen, Juden und Moslems seit ewigen Zeiten balgen, aber was haben diese – wie heißen sie noch mal? – Bahai hier verloren?

Von allem etwas. Die Bahai sind keine Christen, keine Juden und keine Moslems – aber doch von allem etwas. Der Bahaismus (oder das Bahaitum) ist eine sehr junge Religion, keine 200 Jahre alt. Man könnte auch von einer Weltanschauung sprechen, die mit religiösen Elementen aus dem Christentum, dem Judentum und dem Islam vermischt wurde.

Die Bahai, so steht es in Wikipedia, „vertreten eine handlungsorientierte Ethik, die sich einer humanitären Vision des sozialen Fortschritts verpflichtet“. Einfacher gesagt: Die Bahai sind Monotheisten, sie glauben an einen transzendenten Gott, dienen aber den Menschen. Wenn es eine Religion des Friedens, des Fortschritts und der Gerechtigkeit gibt, dann ist es der Bahaismus.


Urvater Bab. Als „Urvater“ der Bahai gilt der „Bab“, ein schiitischer Moslem, der 1819 in Schiraz/Iran geboren wurde. 1844 hatte er eine göttliche Offenbarung. Nur vier Jahre später, 1848, trafen sich seine Anhänger zu einem Konzil, auf dem die Loslösung vom Islam beschlossen wurde. Bei dem Konzil waren, für damalige Zeiten eine Sensation, auch Frauen anwesend. Eine von ihnen legte als „Zeichen der Emanzipation der Frau“ (Wikipedia) erstmals in der Öffentlichkeit ihren Schleier ab. Der Bab wurde 1850 in der Stadt Täbris öffentlich hingerichtet, mit ihm starben Tausende seiner Anhänger. Nach einigen Auseinandersetzungen innerhalb der Gemeinde der „Babisten“ setzte sich ein Mann namens Baha'u'llah als Erbe und Nachfolger des Bab durch. Der Name Bahai geht auf ihn zurück.

Baha'u'llah musste Persien verlassen, er ging zuerst nach Bagdad, von dort nach Istanbul, wo er auch nicht willkommen war. Die Türken schoben ihn nach Akkon ab, in das heutige Akko, in eine Festungsstadt nördlich von Haifa in der osmanischen Provinz Palästina. So kam der Bahaismus ins Heilige Land. Sowohl der Bab als auch sein Nachfolger Baha'u'llah, der 1892 gestorben ist, sind in Haifa begraben.


Keine Priester. Heute gibt es weltweit etwa fünf Millionen Bahai, allein in Indien leben mehr als zwei Millionen, in den USA etwa 700.000. Quantitativ spielen sie im Konzert der Konfessionen keine Rolle, qualitativ schon, denn die Bahai legen großen Wert auf Bildung, Erziehung und Gleichberechtigung. Es gibt keine Priester, der einzelne Gläubige entscheidet, wann und wie er mit Gott kommunizieren möchte.

Im heutigen Iran leben noch etwa 300.000 Bahai – unter Bedingungen, die man am besten mit der Lage der Juden im Nazi-Deutschland vergleichen kann. Seit der „Revolution“ im Jahre 1979 wurden zahllose Bahai festgenommen, gefoltert und getötet, sie sind der Willkür der Behörden ausgesetzt und faktisch vogelfrei.

Da sie sich vom Islam losgesagt haben, gelten sie als Ketzer, worauf im Koran die Todesstrafe steht; da sich ihr spirituelles Zentrum im heutigen Israel befindet, stehen sie unter dem Verdacht, zionistische Spione zu sein. Vor zwei Monaten wurden sieben führende Mitglieder der Bahai-Gemeinde, zwei Frauen und fünf Männer, festgenommen. Ihnen wird Spionage für Israel, Beleidigung religiöser Gefühle, Propaganda gegen die Islamische Republik Iran und Verbreitung von Verderbtheit auf Erden vorgeworfen. Sollte es zum Prozess kommen, droht ihnen die Todesstrafe. Die Welt schaut ihrem Schicksal ungerührt zu.


Selbst schuld. Denn die Bahai haben keinen eigenen Staat, keine Armee, sie entführen keine Flugzeuge, nehmen keine Geiseln und sprengen sich nicht in die Luft.

Selbst schuld, wenn sie nicht ernst genommen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2010)

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8 Kommentare
Gast: gast007
01.04.2010 12:00
0 0

bahai

bahai ist keine religion, eher eine sekte. achja bahais sind spione. bahai=juden. und werden von den israelis unterstüzt.

danke

Bimi
22.03.2010 10:28
0 0

Machen wir uns ein Bild

Sie schreiben von einem Weltkulturerbe und die Redaktion schafft es, kein einziges Bild von dieser Prachtanlage zu bringen.
Doch wunderbar, wie Sie die friedliebende Sendung der Bahá'í beschrieben haben, die von der Gleichstellung von Mann und Frau (verkündet im 19. Jahrhundert im Iran!!!) bis zur Einheit aller Menschen und der Verkündigung der Notwendigkeit einer Weltregierung reicht.
Die Schriften Bahá'u'lláhs, des so schlimm verfolgten Offenbarers dieses friedliebenden Glaubens, sind eine Wohltat für Körper, Geist und Seele.
Sie verwandeln uns, machen uns frei - es gibt bei den Bahá'í keine Priester und keine Beichte - und geben uns Verhaltensweisen und Gebote, die Frieden und Wohlergehen für die Menschheit ermöglichen.
Ein Paradies ohne Munition und Vernichtungspotenzial, dafür mit reicher geistig-selischer Aufrüstung.
Die Bahá'í nehmen keine Geiseln. Das stimmt. Doch wer ihre Schriften liest, wird in ihren Bann gezogen und auf einen segensreichen Weg gebracht. Es ist die schönste Art der Verbreitung. Voller Gottvertrauen und in Anerkennung aller Religionen, die sich durch ihren jeweiligen Zugang zu Gott selber qualifizieren. Bahá'í sind zum Miteinander auf der Welt. Ihre Gebetstreffen und Ihre Kinderarbeit sind offen für alle. Jugendliche bekennen sich frühestens und frei mit 13 Jahren zu ihrem Glauben. Das ist gottvoll: Freiheit in Liebe!

Gast: gast
16.03.2010 12:11
0 0

Rechtgläubige verfolgen "Ungläubige" weltweit



In der Kleinstadt Farshoot und den umliegenden Dörfern steckten Muslime am 21.11 09 im Quartier der Christen Geschäfte u Häuser in Brand.

Ziel der Attacke:
Die Christen sollen aus der Stadt vertrieben werden.

Muslime wüteten in der ägyptischen Kleinstadt Farshoot, 480 km südl.von Kairo, sowie in den umliegenden Dörfern.

Nachdem sie die Geschäfte u Häuser der koptischen Bevölkerung geplündert hatten, zerstörten sie sie u setzten sie in Brand.

Anlass für die Ausschreitgn gab ein grotesker Verdacht:
Ein 21-jähr. Christ wurde beschuldigt, ein 12-jähr. muslimisches Mädchen belästigt zu haben.
Die Moslems wollten den Beschuldigten zur Rechenschaft ziehen u bestrafen.

Viele Christen wurden aus ihren Häusern vertrieben, etliche wurden bei den Angriffen verletzt und sieben Frauen entführt.

Die Polizei blieb während der Ausschreitungen passiv und schritt erst nach der Verwüstung ein.

http://www.csi-de.de/aegypten_gerechtigkeit.php

http://de.wikipedia.org/wiki/Bahai

mehrdad
14.03.2010 22:03
0 0

klasse...

broder hat es mal wieder treffend beschrieben.

die judenhasser von rechts und links, die sich zu oft menschenrechtler nennen, interessiern sich nicht für das leid der bahai..sind ja auch keine juden involviert und deswegen uninteressant als waffe gegen juden.

Gast: zd
14.03.2010 19:34
0 0

korrektur

die israelis sagen, dass in haifa gearbeitet und nicht gewohnt wird, wie sie faelschlicherweise geschrieben haben.

Gast: Verybritish
14.03.2010 16:02
2 0

HAT man in ENGLAND BEREITS VOR DER MILITANZ DER RECHTGLÄUBIGEN KAPITULIERT?


Der Westen muss islamische Barbarei abwehren


Der Einfluss des Islam in Europa wächst rasend schnell.

In Großbritannien existieren bereits 85 Scharia-Gerichte, die völlig unvereinbar mit westlichen Demokratien sind.

Will der Westen keinen Selbstmord an seiner eigenen Zivilisation üben, muss er seine Werte verteidigen – wie es ein Geert Wilders tut.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6731962/Der-Westen-muss-islamische-Barbarei-abwehren.html" target="_blank">http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6731962/Der-Westen-muss-islamische-Barbarei-abwehren.html

Gast: Marti
14.03.2010 15:43
2 0

Mehr Berichte über die Baha'i, bitte!

Sehr schön, dass wenigstens die Presse etwas über die verfolgten Baha'i bringt. Es müsste noch viel mehr Berichte und Artikel darüber geben.

Leider sind die meisten Medien auf bestimme Opfergruppen eingeschossen und vernachlässigen andere, was nicht sehr gerecht ist.

Gast: ar.
14.03.2010 11:46
0 0

Haifa Arbeitet.

ich bin mal spitzfindig.

der spruch geht so: "Haifa works, Jerusalem prays, and Tel Aviv plays/dances"

arbeiten (!!) , nicht wohnen