Erstmals in Österreich bereiten Missbrauchsopfer eine Klage gegen die katholische Kirche vor. Wie der "Standard" berichtet, hat sich der Verein "Opfer kirchlicher Gewalt" gegründet, in dessen Auftrag der Wiener Anwalt Werner Schostal eine Klagsschrift ausarbeitet. Die Vereinsbildung ist nötig, weil in Österreich nur so eine Sammelklage möglich ist. Opfer treten ihre Ansprüche an den Verein ab, der dann klagslegitimiert ist. Der Anwalt will für die Betroffenen bis zu 80.000 Euro Entschädigung verlangen.
Erster Anlauf außergerichtlich
"Zunächst machen wir einmal die Ansprüche außergerichtlich geltend. Zeigt sich die Kirche nicht kompromissbereit oder sind die angebotenen Zahlungen zu gering, dann bringen wir die Klage ein", kündigt Schostal an. Diese würde sich primär gegen die Schädiger, aber auch gegen die katholische Kirche als "übergeordnete Organisation" richten.
Vonseiten des Vereins "Opfer kirchlicher Gewalt" hat man jedenfalls konkret auch eine Klage gegen zwei Bischöfe ins Auge gefasst: den Eisenstädter Diözesanbischof Paul Iby und den Grazer Altbischof Johann Weber. Hintergrund dürfte sein, dass auch Opfer jenes obersteirischen Pfarrers, der in den späten 1970er- und 1980er-Jahren bis zu zwanzig Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht oder belästigt hatte und bis Anfang März im Burgenland tätig war, unter den klagswilligen Vereinsmitgliedern sind.
20.000 Euro zu wenig
Der Anwalt macht klar, dass sich die Opfer nicht mit kleinen Beträgen abspeisen lassen wollen, um auf eine Klage zu verzichten. "Wir lassen uns nicht mit 20.000 Euro abspeisen. Das wäre schlicht und einfach lächerlich. Was diesen Leuten widerfahren ist, ist einfach ein absoluter Wahnsinn. Das muss der Kirche entsprechend Geld wert sein. Im Fall eines jahrelangen Missbrauchs sind 80.000 Euro mehr als angemessen."
(Ag.)
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