"Größter Abgrund: deregulierter Sex"

31.03.2010 | 18:52 |   (Die Presse)

Generalvikar des Schweizer Bistums Basel kritisiert kommerzialisierte Sexualität.

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Bern/München (ag). In der Schweiz, in der sich nun die katholische Kirche ebenfalls mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert sieht, sorgt ein Interview des Generalvikars des Bistums Basel für Aufregung: Roland-Bernhard Trauffer kritisierte die „deregulierte Sexualität“ in der Gesellschaft.

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Der Mensch sei als Sexualobjekt massentauglich geworden, sagte er in der „Berner Zeitung“. Dieser „größte Abgrund“ würde bei der derzeitigen Diskussion einfach ausgeblendet. Man müsse auch über die kommerzialisierte Sexualität sowie die ständige Verfügbarkeit eines „mit Viagra hochgepuschten Sex“ reden. Die Sexualität sei aber ein „Geschenk Gottes“ und dürfe wie alles Menschliche nicht „ohne Kultivierung und Verantwortung im wilden Raum wuchern“ – sonst werde sie zerstört.

In der Schweiz sind mindestens 90 Meldungen über sexuelle Gewalt an Minderjährigen in den Bistümern in den vergangenen Jahrzehnten untersucht wurden. Die Schweizer Bischöfe geben zu, dass sie das Ausmaß der Situation rund um die sexuellen Übergriffe in der Seelsorge unterschätzt hätten, und gestehen Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen ein.

In der Schweizer Bischofskonferenz wird derzeit eine Anzeigepflicht gegen Priester, die sexuelle Übergriffe begangen haben, diskutiert. Bisher zeigten die geistlichen Oberen Priester nur in schweren Fällen und bei Wiederholungsgefahr selbst an. Die Frage, wie mit Anzeigen an die weltlichen Behörden umzugehen sei, werde vertieft angegangen.

 

Schlug Bischof Mixa Kinder?

Auch in Deutschland geht die Debatte um die Verfehlungen in der katholischen Kirche weiter: Am Mittwoch wurden Vorwürfe gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa erhoben. Er soll laut „Süddeutscher Zeitung“ in den 70er- und 80er-Jahren als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Kinder eines Jugendhilfezentrums geschlagen haben. Fünf frühere Heimkinder gaben an, dass Mixa Ohrfeigen und Fausthiebe ausgeteilt habe und mit Teppichklopfern und Kochlöffeln Kinder geschlagen habe.

Mixa wies die Anschuldigungen als „absurd, unwahr und erfunden“ zurück. Das Bistum spricht davon, dass der Bischof offenbar persönlich diffamiert werden soll und überlegt, rechtliche Schritte gegen entsprechende Behauptungen einzuleiten.

Die Kirche in Deutschland hat ihre Bischöfe dazu aufgerufen, am Karfreitag für die Opfer sexuellen Missbrauchs zu beten. In der Karfreitagsliturgie gibt es traditionell die zehn großen Fürbitten. In diesem Jahr soll eine Bitte für Kinder und Jugendliche eingefügt werden, denen „in der Gemeinschaft der Kirche großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden“, erklärte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Stephan Ackermann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2010)

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22 Kommentare

Tja, die Sexualität.

Ein Blinder spricht von der Farbe und ihren Auswirkungen.
Und wir sollen uns den Unsinn ehrfürchtig anhören.
Ob sich das ausgeht?

Antworten Gast: gast
02.04.2010 14:55
0

Re: Tja, die Sexualität.

man könnte es nicht schöner formulieren ...

Gast: Zyniker
01.04.2010 20:50
1

@ Mixa wies die Anschuldigungen als „absurd, unwahr und erfunden“ zurück





„absurd, unwahr und erfunden“…





Ja, Nein und Jein


In der momentanen Diskussion sind sämtl. Themen nicht leicht voneinander zu trennen - sind sie doch alle irgendwie vernetzt.

Es stimmt, dass Sex noch nie derartig gezielt und freizügig mit aller Arten von Konsumwaren verknüpft wurde. Sex sells, und wenns nur ein Joghurt ist. Auf der Plakatwand werden intimste Körperbereiche zur XXL Trägermaterie für irgendeinen sinnlosen Schmarren. Die Reiz-und Erwartungsschwelle steigt immer höher und weckt in Sachen Sexualität Erwartungen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Frauen immer schön, jung und bereit vs. waschbrettbebauchte Männer, die immer und x-mal hintereinander mit ihrem xxl-Teil können. Die Werbung wird zur Vorgabe für das wirkliche Leben - a la Mondebranche. Das ewige und schöne Thema Nr. 1 ist zum öffentl. Intim-Wettbewerb verkommen.

Das hat aber nichts mit Missbrauch an Kindern zu tun - einer Gilde, die Sexualität verteufelt und die Supermoral auf ihre (römischen)Fahnen schreibt. Das frei zugängliche Warenangebot im Supermarkt rechtfertigt auch keinen Diebstahl.

Die vielen anderen Themen die jetzt in die Diskussion mit-einfließen, sind kath. Altlasten, die zu lange durch die bestehenden Machtstrukturen unterdrückt wurden und jetzt wie ein Vulkan ausbrechen. Ein Umdenken muss erzwungen werden, die christl. Lehre hätte sich das verdient.


Die Hölle ist der Ort

wo der Wille des Menschen erfüllt wird. Der Himmel ist der Ort, wo der Mensch zum Schöpfer sagt: "Dein Wille geschehe."
Wer es fasse, der fasse es!

Antworten Gast: Novalis
02.04.2010 00:45
1

Re: Knapp daneben ist auch völlig vorbei.

"Dein Wille geschehe."

DAS ist der Irrtum. Gott "will" nicht. Und noch weniger braucht es Menschen, die anderen Menschen zu verklickern versuchen, was sie glauben, dass Gott angeblich will.

Aber das ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher.

Gast: Spinner
01.04.2010 14:46
1

Verklemmt

!!Oh mein Gott!!
könnten den endlich jemand aufklären...

Gast: Cath
01.04.2010 10:11
1

Irr

Glaubt der Kerl tatsächlich, noch irgendwie glaubhaft zu sein?

Gast: Ösi
01.04.2010 08:59
7

Die ganze Gesellschaft krankt an einer zu laschen Einstellung gegenüber Quacksalbern wie die Kirche!

Das Geschenk Gottes an die Menschen ist der VERSTAND. Und der, wenn er funzt, sagt , dass die Blabla-Gschichterl der Religionen zum überwiegenden Teil Quacksalberei und wiederaufgewärmtes Voodoo ist.
Die Gesellschaft krankt daran, dass sie diesen Hokuspokus samt den Gauklern und Katholen-Voodoo-Priestern nicht samt und sonders rausschmeisst!
Gschichterl wie die unbefleckte Empfängnis, Marienerscheinungen, Wunder, Eucharistie, Jesus-Essen in Oblatenform sind eine Zumutung selbst für die dümmsten Gehirne des 21.Jahrhunderts.
Und wenn schon so ein Verein sich auf das Zölibat für ihre Perversionen in Massenform ausredet, vergisst sie wohl, dass auch im Nichtzölibatären Bereich solche kranken Übergriffe vorkommen. Diese Perversionenhäufung muss wohl aus der Kirche selber kommen.

Will man über Fußball reden, muß man wenigstens die Regeln kennen und deren Sinngehalt verstehen

Sie reden Stuß, in der ganzen Länge!

Offensichtlich wissen sie nicht einmal, wovon Sie reden.

Laut christlicher Lehre wird der Mensch mit der Erbsünde geboren, von der er durch den Opfertod Christi befreit wird. Die Unbefleckte Empfängnis bedeutet, daß die Jungfrau Maria von ihrer Mutter Anna ohne Erbsünde empfangen wurde und sie bedeutet nicht die Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria, wie Sie offensichtlich meinen.

Was immer Sie unter „Jesus-Essen“ verstehen, vom Inhalt und dem Sinn der Eucharistie haben Sie genau Null Ahnung. Das Christentum hat zum Unterschied zu anderen Religionen einen transzendenten Gott. Wenn Sie nicht wissen, was das ist und was es bedeutet, dann informieren Sie sich, bevor Sie weiter solchen Stuß verbreiten.

Völlig verwirrt sind Ihre Aussagen zum Thema Zölibat.

Nicht die Kirche redet sich bei den Mißbrausfällen auf den Zölibat aus, die Kirchengegner werfen der Kirche vor, der Zölibat führe zwangsläufig zu den Mißbrauchsfällen. Die Kirche und übrigens jeder vernünftige Mensch bestreitet das. Denn, wäre es richtig, dürfte es im familiären Bereich keinen Mißbrauch geben. Es gibt ihn aber und zwar in erheblich mehr Fällen als im kirchlichen Bereich.

Daher ist Ihre Schlußfolgerung – im Widerspruch zu Ihrer vorher gemachten Behauptung – am außerkirchlichen Mißbrauch sei die Kirche schuld, natürlich völliger Stuß. Das Gegenteil ist der Fall, christliche Moral und Mißbrauch sind – trotz schwarzer Schafe in der Kirche – nicht vereinbar.

Re: Die ganze Gesellschaft krankt an einer zu laschen Einstellung gegenüber Quacksalbern wie die Kirche!

jawoll, stimme ihnen voll und ganz zu

ps.: DER Zölibat, nicht das

Gast: Novalis
01.04.2010 02:03
4

"Die ganze Gesellschaft krankt an einer deregulierten Sexualität. Übergriffe oder Pädophilie gibt es allein in der Schweiz jedes Jahr tausendfach, zumeist im Familienumfeld."

Da liegt übrigens ein gravierendes Missverständnis vor. Kindesmissbrauch gehört gerade NICHT in den Bereich der echten Sexualität - er ist das Ausweichen davor. Da geht es vor allem um Macht und Dominanz.

Insoferne ist echte und gelebte sexuelle Reife die beste Vorbeugung vor Kindesmissbrauch. Die Begriffswahl ist besorgniserregend : wenn "deregulierte Sexualität" als schädlich bezeichnet wird - dann wird implizit "regulierte Sexualität" empfohlen. Aber gerade die "regulierte Sexualität" der Kirche hat die Missbrauchsfälle mitbegründet !

Reden wir also besser nicht von "reguliert" und "dereguliert" - sondern lieber von freier Sexualität. Und mit Freiheit hat sich die Kirche halt schon immer schwer getan ...

Gast: dr. heller
01.04.2010 00:14
0

2 Auffälligkeiten

1. Nur ein Bruchteil derer, die tatsächlich ein dereguliertes Privatleben auf Augenhöhe führen, nützen Autoritätsverhältnisse, um Sex zu bekommen.
2. Wo waren eigentlich jeweils die Eltern, als ihre Kinder in kirchlicher Obhut offenbar großflächig Opfer verschiedenster Gewalt wurden? Eltern, die ihre Kinder - egal wo - abgeben und nicht mehr nachfragen, wie es den Kindern dort geht, was sie so erleben, wie die Aufsichtspersonen "so sind", sind nicht besser als der Abschaum der Mißbraucher. 50% der Gewalt gegen Kinder wäre nicht möglich gewesen, wenn Eltern regelmäßig Interesse gezeigt hätten, auch mal mit anderen Eltern geredet hätten, gewaltbereite Erzieher zur Rede gestellt oder ihre Kinder aus zumeist teuer bezahlten Internaten genommen hätten.

Re: 2 Auffälligkeiten

sie vergessen dabei, dass immer noch mehr kinder innerhalb der eigenen familie missbraucht werden, als in betreuungseinrichtungen, tewa der kirche oder sonstigen internaten usw..

ich will dabei niemenden verteidigen oder in schutz nehmen. aber für mich persönlich, war das internat die rettung

Antworten Gast: Novalis
01.04.2010 01:36
1

Re: Wo waren eigentlich jeweils die Eltern

Grundsätzlich eine erwägenswerte Frage - und es dürfte tatsächlich Fälle gegeben haben, wo Familien den Missbrauch nicht wahrhaben wollten, als das Kind (später als Erwachsener) davon erzählt hat.

ABER : Ein Problem bei Missbrauch ist, dass Kinder ihn Eltern NICHT erzählen - aus Scham, wegen Drohungen der Täter etc.

Insoferne dürfte in SEHR vielen Fällen dieser Vorwurf ins Leere gehen.

Internatsaufenthalt kann man ja nicht generell mit Abschieben / Desinteresse gleichsetzen. Gerade in ländlichen Gebieten ohne schulische Nahversorgung ist er Voraussetzung, wenn zB. jemand eine Matura anstrebt.

Wenn die Täter von sich ablenken wollen...

Ist doch klar, dass die rückständige Kirche von ihren Missbrauchsskandalen ablenken möchte.

Aber sie wird den Fortschritt nicht aufhalten - Dank staatlicher Schulpflicht lernen Kinder heute schon frühzeitig das Gute, Wahre und Schöne kennen, ob es ihren Eltern oder der Kirche passt oder nicht: http://bluthilde.wordpress.com/2010/03/31/hamburger-schule-betreibt-proletarische-bewusstseinsbildung/

Gast: Novalis
31.03.2010 22:51
7

die ständige Verfügbarkeit eines „mit Viagra hochgepuschten Sex“

Oh Gott - die feuchten Träume eines Priesters. Ständig verfügbar ? Mensch, man muss arbeiten gehen, hat Sorgen, Kinder sind krank etc. etc. . Der gute Mann verwechselt das Late-Night-Program mit dem realen Leben ...

Gast: Österreicher
31.03.2010 22:26
5

Der Missbrauch von Buben durch katholische Geistliche ist

der deregulierteste Sex überhaupt und gedeiht auf einem Berg von Doppelmoral

?

Was hat eine angeblich „deregulierte Sexualität in der Gesellschaft" mir den kirchlichen Missbrauch-Skandalen zu tun?
In der weltlichen "Gesellschaft" ist Sex mit Kindern jedenfalls verboten, und was Erwachsene miteinander im gegenseitigen Einverständnis mit und ohne Viagra machen, geht die Kirche genau gar nichts an.

Gast: Novalis
31.03.2010 20:25
6

PS.:

Dass es sich führende Vertreter der katholischen Kirche noch immer nicht verkneifen können, als Lehrmeister bezüglich sexueller Fragen aufzutreten, kann man nur mit staunendem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen.

Zu Themen, von denen man nichts versteht, sollte man ENDLICH den Mund halten !

Gast: Novalis
31.03.2010 20:21
3

und dürfe wie alles Menschliche nicht „ohne Kultivierung und Verantwortung im wilden Raum wuchern“

Wohin unterdrückte und deswegen nicht kultivierte Sexualität führt, sieht man ja jetzt in der katholischen Kirche.

Das ist ja der Schmarrn, das die Kirche keinen Beitrag zur Kultivierung (= Verfeinerung, Ausgestaltung, Kunstfertigkeit) geschaffen oder zumindest zugelassen hat - wie es zB. im Tantra geschehen ist.

---

Ansonsten ist es belustigend, wie schwülstig Aussagen von Zölibatären werden, wenn es um Sexualität geht. Da wird von "wilden Räumen" phantasiert. Im durchschnittlichen mitteleuropäischen Schlafzimmer geht es wahrscheinlich wesentlich weniger spannender zu, als sich das Zölibatäre in ihren wilden Alpträumen ausmalen ...

Interview mit Generalvikar Trauffer

Hier das Original:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Gesellschaft-krankt-an-deregulierter-Sexualitaet/story/13202704

»Menschen, die wegen der Medienberichte wütend sind, verstehe ich. Aber ich bitte zu bedenken, dass man uns ja den noch grösseren Abgrund ausserhalb der Kirche verschweigt. Bedenkt man den mit, müsste man eigentlich aus der Gesellschaft austreten! Das hilft aber keinem Opfer.«

Recht hat er.

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