Vatikan: "Kirche beeindruckt Geschwätz nicht"

05.04.2010 | 18:27 |  Von unserem Korrespondenten PAUL KREINER (Die Presse)

Der Vatikan sichert Benedikt XVI. volle Solidarität zu. Sie lasse sich "nicht beeindrucken vom Geschwätz des Augenblicks und von den Prüfungen, die bisweilen kommen, um die Gemeinschaft der Gläubigen zu treffen".

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Vatikanstadt. Papst Benedikt XVI. hat auch die Osterfeiern ohne ein Wort zu den Missbrauchsskandalen in der Kirche verstreichen lassen. Dafür hat der ranghöchste Kardinal, Angelo Sodano, klar gemacht, dass im Vatikan jetzt ein anderer Wind weht: In einer protokollarisch beispiellosen Solidaritätsadresse zu Beginn der Ostermesse am Petersplatz versicherte Sodano dem Papst, dass sich die Kirche um ihn schare. Und: Sie lasse sich „nicht beeindrucken vom Geschwätz des Augenblicks und von den Prüfungen, die bisweilen kommen, um die Gemeinschaft der Gläubigen zu treffen“.

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Parallelen zu Leiden Jesu

Immerhin habe Jesus gesagt: „In der Welt seid ihr bedrängt, aber habt Mut, ich habe die Welt besiegt.“ Der Dekan des Kardinalskollegiums ging so weit, mit einem Bibelzitat Parallelen zu ziehen zwischen den Anschuldigungen gegen Benedikt und die Kirche sowie den Leiden Jesu: „Er wurde geschmäht, antwortete aber nicht mit Schmähungen; er wurde bedroht, drohte aber nicht mit Rache, sondern überließ sich dem, der mit Gerechtigkeit urteilt.“

Sodano dürfte sich nicht nur auf die generelle Kritik am „Schweigepapst“ bezogen haben, sondern speziell auf Berichte in deutschen und US-Medien. Gerade die „New York Times“ hat versucht, dem Papst und Ex-Chef der Glaubenskongregation eine Hauptrolle bei der Missbrauchsvertuschung nachzuweisen.

 

Absage an Satan

Der Papst hatte weder in der Karwoche noch zu Ostern das Thema angeschnitten. Bei der Feier der Osternacht hatte er nur an das christliche Taufversprechen erinnert, das eine „Absage an Satan“ enthält. Er rief dazu auf, „Unzucht und Unsittlichkeit, die Gewänder des Todes“ abzulegen, und wünschte – wie jedes Jahr – Frieden im Heiligen Land, im Irak, in Afrika und Lateinamerika.

Der Kapuziner Raniero Cantalamessa, Hausprediger des Papstes, hat sich am Ostersonntag für seine Aussagen beim Karfreitagsgottesdienst in Rom entschuldigt: Wenn er das „Zartgefühl der Juden und Opfer von Pädophilie verletzt“ habe, tue es ihm leid. Cantalamessa hatte einen Vergleich zwischen der Kritik an der Kirche und dem Antisemitismus gezogen; dabei will er freilich einen nicht näher genannten jüdischen Freund zitiert haben.

 

Protest im Dom von Dublin

In Dublin haben Demonstranten die Ostermesse in der Kathedrale gestört: Sie versuchten, Kinderschuhe auf den Altar zu stellen, der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, wurde mit Buhrufen empfangen. In Irland wurden über Jahrzehnte mindestens 14.500 Minderjährige in kirchlichen Instituten misshandelt. Der Bischof von Münster (Deutschland), Felix Genn, wurde bei der Ostermesse im Dom von einem 44-Jährigen mit einem Besen attackiert; der Angreifer riss die Osterkerze und ihren Ständer um, der Bischof konnte den Mann abwehren. Angeblich soll er verwirrt sein.

Siehe auch S. 8, Kommentar S. 23

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2010)

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406 Kommentare
 
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Vatikan

"Der Vatikan sichert ....zu". Wie ist das zu verstehen? Ich war bisher der Meinung unter Vatikan versteht man einen Staat.

Gast: Nathan
07.04.2010 14:31
0 0

Ekelhaft

Raus aus diesem Märchenverein der sich Kirche nennt!!

"Geschwätz des Augenblicks"


find ich aber schon gut! :-)

Gast: Atheist
06.04.2010 20:23
0 1

Ist doch klar,

dass mit dem "Geschwätz" nicht die Missbrauchs-Berichte gemeint waren, sondern nur jene US-Medienberichte, die den Papst unterstellten, persönlich Schuld auf sich geladen zu haben. So dumm sind die Herren im Vatikan nicht.

Re: Ist doch klar,

Was Sie nicht sagen

Gast: holger
06.04.2010 19:22
0 4

Kinderseelen werden auch durch Scheidungen zerstört - nicht nur durch Missbrauch!!

Der Schaden den KInder heute durch Scheidungswahnsinn und Ermöglichen des Auslebens des Frustes der Frauen/Mütter erleiden, ist grösser als der Schaden, den (bedauerliche) Einzelfälle - wenn man die Gesamtheit aller in kirchlichen Einrichtugnen betreuten Kinder ansieht - anrichten?

Millionen Kinder leben heute von Eltern/teilen getrennt - gegen ihren Willen, und ohne um ihre Meinung gefragt worden zu sein - es wird immer die "Vernichtung" der kindklichen Seele durch Missbrauch gepredigt;
doch wer kann dasd schon beweisen, was und wodurch eine Kinderseele "zerstört" wird??
Wird sie nicht auch durch das exzessive Ausleben (durch Justiz begünstigt) von Hass und Scheidungen zerstört??

Hier hat(te) die Kirche, durch ihr konservatives Frauen,-und Familienbild eine stabilisierende Rolle inne; nicht jede(r) konnte machen was und wie es ihm passte, was den Kinder(seelen) - um die huete so viel Wind gemacht wird - engegenkam!!

Leider scheint es heute nur auf spektakuläre Einzelfälle anzukommen.
Die breite Masse, die heute unter der (von den Medien gepredigte) Lebensführung leidet, hat nicht viel von der Verunglijmpfung der KIrche.

Und - diejenigen, die sich heute als Richter und Henker aufspielen (die Medien), was können die dem Volke schon bieten?
DiE Kirche hat sehr viel gutes udn notwendiges getan, Kritik zhu üben ist die einfachste Übung.

Die (68er) Lebenshaltung hat schon zuviel zerstört - geben wir ihr keine Chance mehr...

Re: Kinderseelen werden auch durch Scheidungen zerstört - nicht nur durch Missbrauch!!

Herr Kaplan Holger berichtet live aus dem Pfarrhof.

Ich könnte noch gemeiner

auf die Kirche schimpfen - ich tu es aber nicht. Wahrscheinlich bin ich zu feige oder einfach zu dumm, oder beides und noch viel mehr. g

Re: Ich könnte noch gemeiner

... boshaft habe ich vergesse. Aber wenigstens habe ich eine genaue Selbsterkenntnis über meinen Dachschaden.

und mich

beeindruckt diese Kirche nicht.

Gast: Volkmar Marschall
06.04.2010 13:22
1 0

Sodano 's "Geschwätz"

Die berechtigte Kritik am Pontifex und am Verhalten des Vatikan im Zusammenhang mit der weltweiten Vertuschung von Missbrauchsfällen als "unbedeutendes Geschwätz dieser Tage" abzutun, halte ich gegenüber den Missbrauchsopfern für zynisch und unerträglich! Diese Äußerung des Dekans des Kardinalkollegiums Sodano beweist erneut eindeutig, wie hintern den Mauern des Vatikan gedacht und gehandelt wird. Der Rücktritt von Ratzinger ist überfällig!

Frage

Die Absage an Satan in den Hosen des eigenen Bodenpersonals....?

Gast: LF
06.04.2010 11:26
2 0

...habe die Welt besiegt

„In der Welt seid ihr bedrängt, aber habt Mut, ich habe die Welt besiegt.“

Da scheinen einige Herrn in Rom aber doch den Bezug zur (weltlichen) Realität verloren zu haben. Was da aus dem Vatikan zu vernehmen ist, ist bestenfalls als "jenseitig" zu bezeichnen.

In der Kirche werden Sexualstraftäter systematisch

durch hierarchisch höher Stehende vor Strafverfolgung geschützt.

Das ist kein Geschwätz, sondern die bittere Wahrheit.

Gast: tc_t
06.04.2010 10:54
1 0

arroganz ist eine beschönigende terminologie

bei soviel ignoranz. man ist versucht beinahe anzunehmen, dass hier ganz einfach nur dummheit am regieren ist.

aber wie sagt das sprichwort... meist gräbt man sich die grube selber, in die man fällt....

mein "Geschwätz"

Es ist sehr einfach - der Herr Pfarrer, Bischof etc. ist keine Besonderheit, sollte er etwas Auffälliges tun, ist dies zu melden und ohne Ansehen der Person bzw. der Zughörigkeit zu irgendeinem Verein zu verfolgen. Dann verbleibt das Problem im üblichen gesellschaftlichen Rahmen. Alle, die sich der Kirche nicht zugehörig fühlen - in Österreich ist der Austritt eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Gesetztlich muss man die automatische Mitgliedschaft, bedingt durch eine Handlung der Eltern, in Frage stellen. Jeder Jugendliche muss , explizit und schriftlich seine Mitgliedschaft eintragen. Damit kann auch erst die Pflicht Beiträge abzuführen begründet werden. Das ist heute eine Bevorzugung der röm. kath. Kirche die beseitigt gehört. Damit genug geschwätzt.

missbrauch

jedes missbrauchtes kind ist eines zuviel. wir wissen aber,dass die missbrauchsfälle in der kath. kirche nur die spitze des eisberges sind (nach statistiken, die man anzweifeln kann, sind die kirchlichen missbrauchsfälle nur 5%) wo bitte sind die restlichen 95%??? man schätzt die meisten in der FAMILIE. ich glaube man sollte hier einmal anfangen das problem zu lösen. die kirche, noch dazu mit einem deutschen papst, ist da natürlich viel einfacher anzugreifen. da kann man sich so richtig austoben. ich bin sicherlich kein sehr gläubiger mensch (ob), aber diese hetze die jetzt veranstaltet wird und die werte die es nicht mehr gibt, sind für mich ein zeichen, dass es zeit ist ein bisschen umzudenken. wie genau das gehen soll, weiß ich leider auch nicht, aber nur kritisieren und alles schlecht machen ist nicht der richtige weg.

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schlecht machen

Diese Kirche braucht man nicht schlecht machen - sie IST schlecht

Re: missbrauch

Was ist das für eine komische Entschuldigung wie
"80% der Mißbrauchsfälle finden in der Familie statt"?

* Erstens ist das mit der Familie eine unbewiesene Bauhauptung und nicht mehr.
* Zweitens ist es - selbst wenn es wahr sein sollte - keine Entschuldigung für die Kirche.
* Drittens werden nur in manchen Bordellen und eben genau in der Kirche Sexualstraftäter durch hierarchisch höher Stehende offen und systematisch vor Strafverfolgung geschützt.

Re: Re: missbrauch

mein lieber indianer

1. wenn sie lesen könnten hab ich geschrieben das man statistiken anzweifeln kann, aber etwas wahres ist schon drann
2.wer hat die kirche für ihr unrecht entschuldigt - genauer lesen
3.wenn sie die kirche mit manchen bordellen vergleichen , kommt "zum nicht lesen können" auch noch ,dass sie nicht denken können.
mit einem wort: krone lesen und posten

Kirche und Bordelle

In dem Aspekt, dass Sexualstraftäter durch die jeweilige Obrigkeit vor gerichtlicher Verfolgung geschützt werden, sind Kirche und manche Bordelle gleich.

Auch wenn Sie dieser Vergleich schmerzt, ist er zutreffend und zulässig. Sie sollten sich fragen, ob Sie an Denkblockaden leiden.

(Die Krone habe ich übrigens das letzte mal vor mehr als 25 Jahren gelesen.)

0 0

Kirche und manche Bordelle gleich

Bordelle sind, im Gegensatz zur rkk, aber hochanständige, moralische Institute.

Re: Kirche und manche Bordelle gleich

Das trifft aber nur für jene Bordelle zu, in denen keine Zwangsprostitution und kein Kindesmißbrauch gedeckt wird.

Christliche Nächstenliebe sieht anders aus!

Der Papst ruft in seiner Oster-Botschaft zu "Liebe und Wahrheit" auf.
Als "Wahrheit" gilt zweifellos, dass die "christliche Nächstenliebe" für jeden Christen unverzichtbar ist.
Was sie konkret bedeutet, steht in der Bibel:
"Liebe deinen Nächsten; denn was dir unlieb ist, tue ihm nicht!" (Lev. 19,18).

Auf die heutige Zeit angewandt, müssten dementsprechend der Papst und alle anderen so genannte "Christen" sehr viel verändern. Denn sicher wäre es diesen selbst ernannten "Christen" sogar höchst "unlieb", wenn z.B.
- nur bei Atheisten die Mitgliedsbeiträge durch den Staat eingezogen würden.
Lösung: Kirchen verzichten auf "Kirchensteuer" und ziehen Beiträge selbstverständlich selbst ein!
- nur nichtreligiöse Weltanschauungen einen speziellen Schulunterricht erhalten.
Lösung: weltanschauungsneutrales Ethik- und Unterrichtsfach!
- nur Muslime ihre gesetzlich verankerten Feiertage bekämen.
Lösung: nur weltanschauungsneutrale Feiertage (z.B. "Friedensfest", "Fest der Liebe"), welche alle Menschen - egal welcher Weltanschauung - zusammenführen, statt wie bisher spalten!

Es gibt noch viele weitere Bevorzugungen der christlichen Weltanschauung, welche massiv der christlichen Nächstenliebe und den Menschenrechten widersprechen.
Solange so genannte "Christen" auf diesen - im wahrsten Sinne des Wortes - asozialen ("gegen die Gemeinschaft gerichtete") Bevorzugungen bestehen, haben sie wahrhaftig kein Recht, sich "Christen" zu nennen!

Antworten Gast: Jaja
06.04.2010 07:36
3 0

Re: Christliche Nächstenliebe sieht anders aus!

Am Besten auch gleich Volkstänze , kirchliche Prozessionen, Perchtenläufe oder St. Martins-Gehen ("ich gehe mit meiner Laterne" verbieten, also alles was einen Kulturkreis ebenso definiert! Kopftuch, Burka oder ähnliches haben Sie seltsamerweise nicht erwähnt, sondern nur was WIR ändern müssen. Und den Satz "Kirchen verzichten auf "Kirchensteuer" und ziehen Beiträge selbstverständlich selbst ein!" verstehe ich nicht. Soweit ich mir erinere war es bis vor 20 Jahren so, dass die Kirche per Bankeinzug oder man selbst per Erlagschein gezahlt hat. Nicht so wie in Deutschland, wo der Arbeitgeber den Beitrag (auch für mich eine Steuer) gleich an die Kirche abliefert. Ihre Argumentation ist meiner Meinung nach mehr als seltsam. Ich denke nicht, dass eine ansässige Kultur ihre Traditionen aufgeben muss oder soll, egal wo auf der Welt! Sich öffnen ist eine Sache, sich selbst aufgeben aber eine ganz andere!!

Re: Christliche Nächstenliebe sieht anders aus!

Mitgliedsbeiträge und Nächstenliebe: auch ein Standpunkt, aber was hat das mit den Atheisten zu tun?

Die Feiertagsregelung und der Ethik- bzw. der Religionsunterricht haben mit christlicher Nächstenliebe auch nichts zu tun.

Vielleicht verletzt der '1.Mai' und der 'Muttertag' auch die Menschenrechte. Zu ihrer haarsträubenden Argumentation würde das passen.


 
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